Klaus Jäger damals und heute: Der Ruderer aus Nordkirchen wahrt die Erinnerung an seine Sportler-Karriere. © Julian Preuß
Olympische Spiele

Olympia-Ruderer aus Nordkirchen: „Es läuft heute nichts mehr ohne Geld“

1976 erlebte Klaus Jäger als Ruderer die Olympischen Spiele in Montreal. 45 Jahre später hat sich die Sportwelt gewandelt. Und das nicht immer zum Guten, wie der Nordkirchener findet.

In zwei Schuhkartons bewahrt Klaus Jäger einen Großteil seiner Andenken aus der Sportlerkarriere auf. Vor dem Umzug in die neue Wohnung fanden Medaillen, Fotos und Aufnäher in einer Vitrine Platz. Nun fallen auf den ersten Blick lediglich mehrere große Bilder an der Wand eines kleinen Zimmers ins Auge, indem eine Rudermaschine steht. „Drei- bis viermal pro Woche sitze ich dort drauf“, erzählt der 71-Jährige. Seine sportliche Vergangenheit als damaliger Weltklasse-Ruderer behält er dabei immer im Blick.

Starke Leistungen im Zweier brachten Jäger und seinen Partner 1976 bis nach Montreal zu den Olympischen Spielen – ein einmaliges Erlebnis in der Karriere des Nordkircheners. 45 Jahre später finden die Sommerspiele erneut statt. Dieses Mal in Japans Hauptstadt Tokio. Nach der Eröffnungsfeier am 23. Juli wird Jäger die Wettbewerbe – besonders die Ruderdisziplinen – interessiert verfolgen.

Jäger: „Es läuft nichts mehr ohne Sponsoren“

Dennoch schaut der gebürtige Bayer zwiegespalten auf die Spiele. „Was mich gegen diese Veranstaltung einnimmt, ist der finanzielle Hintergrund. Es läuft nichts mehr ohne Sponsoren. Geld spielt eine ganz große Rolle“, schildert Jäger seine Eindrücke. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei deshalb äußerst bemüht, dass Olympia 2021 stattfindet. Besonders die Einzelsportler würden von den Sponsoren profitieren. „Wer in der Weltspitze mit dabei ist und namentlich genannt wird, kann man guten Gewissens als Millionär bezeichnen“, meint Jäger.

Der ehemalige Ruderer kennt andere Zeiten. In den 1970er Jahren gehörte er zu den besten Ruderern in der Bundesrepublik. Im Vergleich mit der DDR habe sich die BRD jedoch auf dem Niveau eines sportlichen Entwicklungslandes befunden. „Wir mussten uns um uns selbst kümmern. Ich habe parallel noch einen Job ausgeübt. Zwar bekam ich eine finanzielle Sporthilfe, die war jedoch leistungsabhängig. Es wurde sofort bestraft, wenn jemand nur die kleinsten Leistungen von Sponsoren entgegen nahm“, erinnert sich Jäger, der seit 2006 in Nordkirchen wohnt. Er ergänzt: „Aus dieser Perspektive wäre ich froh, wenn ich in der heutigen Zeit rudern könnte.“

Die deutsche Delegation zieht 1976 in das unfertige Olympiastadion in Montreal ein. Der Kran ist auf dem Bild nicht zu sehen. © privat © privat

Gegenwärtig sind Werbebanden und Sticker von Unternehmen auf der Kleidung der Sportler omnipräsent. Fehlen werden in diesem Jahr allerdings die internationalen Zuschauer. Sie dürfen aufgrund der weiterhin anhaltenden Corona-Pandemie nicht einreisen. Die schnelle Verbreitung des Virus war ebenfalls der Grund, warum die Sommerspiele nicht wie geplant in 2020 stattfanden. Ob einheimische Besucher in die Sportstätten dürfen, ist bislang noch nicht sicher. Voll werden die Stadien mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

Jäger ist sich sicher, dass das zum Nachteil für einige Athleten werden könnte. „Es fehlt das entsprechende Flair, wie es sonst bei solchen großen internationalen Wettkämpfen war. Viele Sportler sind von außen durch Anfeuerungen abhängig“, sagt der ehemalige Sportlehrer bei der Bereitschaftspolizei in Bork.

Tunnelblick lässt Anfeuerungen ausblenden

Er selbst sei bereits vor mehr als 8000 Zuschauern gerudert. „Damals bekamen die Zuschauer die ersten 1500 von den 2000 Metern gar nicht mit. Interessant waren ja nur die letzten Meter“, beschreibt Jäger rückblickend. Doch eben auf diesem letzten Stück habe er die Anfeuerungen der Zuschauer gar nicht wahrgenommen. „Als Ruderer geht man während der Zieleinfahrt über die Schmerzgrenze hinaus und verfällt in einen Tunnelblick“, führt Jäger aus.

Für eine olympische Medaille reichte es in Montreal nicht – obwohl Jäger und sein Partner zu den Favoriten gehörten. Drei Wochen vor den Spielen gewann das Duo die Rotsee-Regatta im schweizerischen Luzern. „In Montreal waren wir dann mit einem feucht-warmen Wetter und Klimaanlagen konfrontiert. Mein Partner erkältete sich, sodass ich mit einem Ersatzmann starten musste“, erläutert Jäger. Zwar fuhren sie unter die besten zwölf Teams und durften im kleinen Finale der Ränge sieben bis zwölf starten. „Wir führten bis etwa 200 Meter vor dem Ziel. Dann stimmte die Feinabstimmung nicht mehr und wir wurden nur Achter“, sagt der Sportbegeisterte mit Wehmut.

Klaus Jäger (rechts) im Zweier. © privat © privat

Trotz der dieser Enttäuschung erinnert sich Jäger gerne an die Zeit im olympischen Dorf. „Ich habe dort Athleten getroffen, die ich sonst nur aus vom Fernseher kannte“, sagt er. Eine regelrechte Euphorie um die Spiele habe es innerhalb der Bevölkerung jedoch nicht gegeben. „Die Kanadier habe es gar nicht gerne gesehen, dass Queen Elizabeth II. die Spiele eröffnet hat“, sagt Jäger. Kanada zählt zu den 16 Staaten die im Commonwealth Of Nations zusammengefasst sind und deren Oberhaupt die britische Königin ist.

Kanadische Bevölkerung stand nicht hinter den Olympischen Spielen

Dass die kanadische Bevölkerung nicht hinter den Olympischen Spielen stand, habe sich auch im unfertigen Olympiastadion gezeigt. „Es stand noch ein großer Kran darin“, erzählt Jäger. Eine ähnliche Situation könnte 2021 auch in Japan eintreten. Wegen der Pandemie sorgt die Durchführung der Spiele bei der japanischen Bevölkerung ebenfalls für Unmut.

Jäger, der noch aktiv Golf spielt, wird die Wettbewerbe trotzdem am Bildschirm verfolgen. Eine zweite Chance auf eine olympische Medaille bekam er nach 1976 nicht mehr. Ein Jahr später zwang ihn eine Lungen-, Rippenfell- und Herzmuskelentzündung mit 27 Jahren dazu, seine Karriere zu beenden. Die Andenken an Siege bei zehn Deutschen Meisterschaften und zwei internationalen Meisterschaften, zwei WM-Bronzemedaillen im Vierer und Zweier und eine unglückliche Olympia-Teilnahme erinnern Klaus Jäger an diese Karriere.

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