Polizei befreit Reh - das wird kurz darauf getötet

Golden Retriever im Verdacht

Diese Geschichte ist absolut ungewöhnlich: Die Polizei befreit ein Reh, das sich in einem umzäunten Garten verirrt hatte. Doch die Freiheit ist ein flüchtiges Glück für das Tier. Kurz darauf wird genau dieses Reh getötet. Die Polizei hat aber eine Spur.

Lüdinghausen

, 13.11.2017, 13:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erst hat sich ein Reh in einem Garten in Lüdinghausen verlaufen, dann wurde es ganz in der Nähe wahrscheinlich von einem Hund gerissen (Symbolbild).

Erst hat sich ein Reh in einem Garten in Lüdinghausen verlaufen, dann wurde es ganz in der Nähe wahrscheinlich von einem Hund gerissen (Symbolbild). © picture alliance / dpa

Ein nicht angeleinter Golden Retriever soll am Sonntag ein Reh in Lüdinghausen gejagt und erlegt haben, davon geht die Polizei Coesfeld aus. Anwohner fanden das tote Reh mit tiefen Bissspuren am Hals in ihrer Hofeinfahrt. Und dabei handelte es sich um das Reh, das die Polizei bereits kurz zuvor beschäftigt hatte. „Das war ein sehr seltener Fall für uns“, sagt Rolf Werenbeck-Ueding von der Polizei auf Anfrage dieser Redaktion. „Viele Umstände sind zusammen gekommen. Dass so was passiert, hat die Wahrscheinlichkeit von einem Fünfer im Lotto“, so Werenbeck-Ueding weiter – denn eigentlich war der Fall für die Polizisten schon abgeschlossen.

Das Reh hatte sich gegen 11 Uhr in einem umzäunten Garten am Eichendorffring in Lüdinghausen verirrt und fand nicht mehr alleine heraus. Erst als die Polizei das Gartentor öffnete und das Reh hinaus trieb, flüchtete es über einen Steverseitenweg, wo der freilaufender Golden Retriever laut Polizei Jagd auf das Reh machte.

Hunde-Halter droht Bußgeld in Höhe von 50.000 Euro

Kurz danach fanden Anwohner das tote Reh in ihrer Einfahrt und informierten die Polizei. „Wir gehen davon aus, dass der Hund für den Tod des Rehs verantwortlich ist“, so Werenbeck-Ueding. Deshalb sucht die Polizei nun nach dem Halter des Golden Retrievers, der das Reh gerissen haben soll. Stellt sich danach heraus, dass der Hund aggressiv ist, könne sich auch das Ordnungsamt einschalten.

Seinen Hund in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt und ohne die Möglichkeit direkter Einflussnahme laufen zu lassen, ist nach dem Landesjagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit, für die man ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro riskiert – und das Leben seines Hundes. Ist ein wildernder Hund dabei Wild zu reißen, dürfen Jäger ihn erlegen. “Das ist für uns aber nur das letzte Mittel“, sagt Franz-Josef Schulze Thier, Vorsitzender der Kreisjägerschaft.

Reh hat bei der Verfolgung viel Stress und große Qualen erlitten

„Dabei können die Hunde nichts dafür, Sie vertrauen auf ihre Instinkte“, sagt Schulze Thier. Vielmehr sei es Aufgabe der Besitzer, auf ihre Tiere zu achten und sie anzuleinen, weil viele Besitzer fälschlicherweise glaubten, ihren Hund in jeder Situation unter Kontrolle zu haben. „Wenn Hunde Beute wittern, kann aber plötzlich doch der Jagdtrieb aufkommen“, so Schulze Thier weiter.

Für das getötete Reh bedeute diese Art des Todes mehr Stress und mehr Qualen, als es beim Schuss des Jägers der Fall gewesen wäre. „Außerdem selektieren wir, welches Wild wir erlegen“, sagt Schulze Thier.

Gerissenes Wild ist ärgerlich für Jäger des Reviers

Wie oft es vorkommt, dass ein freilaufender Hund Wild reißt, kann Schulze Thier nicht genau einordnen. „Das passiert immer mal wieder bei uns im Kreis Coesfeld“, so der Fachmann. Mal seien es mehr getötete Tiere, mal weniger. Ärgerlich sei es trotzdem jedes Mal aufs Neue für die Jäger des betroffenen Reviers. „Das bringt Unruhe ins Revier, sodass sich das Wild weiter zurückzieht“, so der Fachmann.

Polizei hofft auf Hinweise: Hinweise auf den Hund und seinen Halter nimmt die Polizei Lüdinghausen unter Tel. (02591) 7930 entgegen.
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