Der Rettungswagen von Frank Dunsche ist seit dem 1. August nicht mehr im Einsatz in Nordkirchen. © Arbo
Rettungswagen Nordkirchen

Rettungsdienst erhebt schwere Vorwürfe: „Man will mich raus haben“

Der Rettungswagen von Frank Dunsche steht still, eine Genehmigung wurde nicht mehr erteilt. Der Unternehmer erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreis Coesfeld. Dieser bezieht Stellung.

Keine Genehmigung, kein Rettungsdienst: Der Rettungswagen von Frank Dunsche der Firma Arbo (Ambulanz- & Brandschutzdienste Deutschland) darf im Kreis Coesfeld keine Notfälle mehr transportieren. Nordkirchen musste deshalb ab dem 1. August ohne Rettungswagen vor Ort auskommen.

Aktuell gibt es eine Übergangslösung, die der Kreis am Montag (2.8.) in einer Pressemitteilung präsentierte: Ab Dienstag solle „übergangsweise“ tagsüber zu den gewohnten Zeiten ein Rettungswagen stationiert werden. Nur eben nicht mehr der von Frank Dusche, „da die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Verlängerung der rettungsdienstlichen Konzession nicht gegeben sind.“

Zu Notfalleinsätzen rückt der Rettungswagen von Frank Dunsche vorerst nicht mehr aus.
Zu Notfalleinsätzen rückt der Rettungswagen von Frank Dunsche vorerst nicht mehr aus. © Arbo © Arbo

Vorwurf: „Man will mich raushaben“

Frank Dunsche kann diese Entscheidung des Kreises nicht nachvollziehen. Bereits im März habe der Kreis dem privaten Rettungsunternehmen eine lange Liste von Mängeln bescheinigt. Aus seiner Sicht seien sie aber nicht so erheblich gewesen, dass sie den Entzug der Genehmigung rechtfertigen würden. Explizit: Der Kreis habe nach Gründen gesucht und diese auch gefunden, lautet der Vorwurf. „Man wollte mich damals schon nicht haben. Man will mich jetzt nicht haben. Man will mich raus haben.“

Frank Dunsche (links) mit Bürgermeister Dietmar Bergmann mit einem Fahrzeug vom Ambulanzdienst. © Theo Wolters (A) © Theo Wolters (A)

Hierbei spielt er auf das Gerichtsverfahren aus dem Jahr 2015 an. Damals hatte Frank Dunsche die Genehmigung vor dem Verwaltungsgericht Münster eingeklagt und im August 2016 den Rettungsdienst in Nordkirchen aufgenommen.

Kreis mit Vorwürfen konfrontiert

Wir haben den Kreis Coesfeld mit diesen Vorwürfen konfrontiert und um ein Statement gebeten. Die Antwort auf die Frage, ob der Kreis nach Gründen gesucht habe, die Genehmigung nicht zu verlängern, beantwortet Kreis-Sprecher Hartmut Levermann schriftlich ohne ins Detail zu gehen:

„Die bisherige Genehmigung für die Teilnahme am Rettungsdienst ist am 31.07.2021 abgelaufen. Ein Verlängerungsantrag wurde Mitte Mai gestellt. Die Kreisverwaltung hat den Antrag geprüft und im Rahmen dieser Antragsbearbeitung die Betriebsstätten geprüft. Am 19.07.2021 wurde der Inhaber über die beabsichtigte Ablehnung, mit der Gelegenheit zur Stellungnahme, informiert. Am 30.07.2021 erhielt er den Ablehnungsbescheid.“

Auf die Frage, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen der eingeklagten Genehmigung und der ausbleibenden Verlängerung gibt, antwortet der Kreis: „Nein, die gefällte Entscheidung basierte auf sachlich neutralen Bewertungen, die sich bei der betrieblichen Prüfung der Betriebsstätten ergeben haben.“ Um welche Gründe es sich genau handelt und ob die Mängel zeitnah hätten behoben werden können, erklärt der Kreis nicht.

Perspektive für den Rettungsdienst in Nordkirchen

In einem Punkt sind sich Gemeinde, Kreis und Unternehmer einig: Nordkirchen braucht eine Dauerlösung. „Wichtig für uns ist, dass die Versorgung durch einen Rettungsdienst weiter gewährleistet bleibt“, sagt Nordkirchens Pressesprecher Karim Laouari. Kreis-Sprecher Levermann: „Der Kreis Coesfeld ist bestrebt, schnellstmöglich eine dauerhafte Lösung für die Gemeinde Nordkirchen zu finden.“

Wie die Dauerlösung aussehen soll? Da driften der Kreis und Frank Dunsche auseinander. Gegenüber unserer Redaktion hat der Unternehmer angekündigt, wieder Klage gegen den Kreis Coesfeld einzureichen. „Dass der Bedarf da ist, hat der Kreis mit seiner Übergangslösung ja gezeigt“, sagt Dunsche.

Er hofft, seine noch verbliebenen acht Festangestellten halten zu können, zweien musste er schon kündigen. Auch seine Aushilfen suchen sich zwangsweise neue Jobs. Bis dahin führt das Rettungsunternehmen aus Olfen weiter Krankenfahrten durch, bei denen keine fachlich medizinische Betreuung benötigt wird.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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