Zwischen Lünen und Davensberg fährt seit Montag vorerst kein Zug mehr. RN-Reporter Marcel Schürmann hat den Selbstversuch gemacht und ist die Route mit dem Ersatzbus mitgefahren.

Nordkirchen, Capelle

, 06.01.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Montagmorgen, 8.45 Uhr. Ich erreiche den Hauptbahnhof in Lünen und will mich zunächst einmal schlaumachen. Wo erwische ich die Linie A - den Ersatzbus nach Davensberg? Auf den elektronischen Anzeigetafeln am Busbahnhof ist von einem Ersatzbus nichts zu lesen. Das ärgert nicht nur mich, sondern auch einige Menschen, die mit mir warten und mit der Zeit immer hektischer werden.

Wenig später trifft die Eurobahn aus Dortmund in Lünen ein. Normalerweise fährt sie über Werne, Capelle und Ascheberg nach Münster. Doch hier in Lünen ist Endstation. Und das voraussichtlich für die nächsten sieben Monate.

Bus trifft pünktlich ein

Mir kommen etwa 20 Menschen vom Gleis entgegen. Ein paar von ihnen haben ein klares Ziel. Sie steuern direkt auf einen Bus zu, der soeben in den Bahnhof einfährt.

Jetzt ist auch mein Rätselraten beendet, denn oberhalb der Glasfront des Busses erkenne ich das Wort „Schienenersatzverkehr“. Der Bus ist leer und wartet auf die Fahrgäste aus der Eurobahn und diejenigen, die sonst in Lünen in die Regionalbahn 50 dazugestoßen wären.

Dahinter fährt ein weiterer Bus ein. Auch dieser hat den Begriff „Schienenersatzverkehr“ an der Front stehen. Der hintere Bus öffnet seine Türen. Heraus strömen die Pendler, die es aus Münster nun mit der Eurobahn weiterzieht in Richtung Dortmund.

Nur sechs Fahrgäste im Ersatzbus

Als ich den Bus der Linie A betrete, stelle ich fest: Es ist kaum etwas los. Mit mir sitzen gerade mal sechs Fahrgäste im Bus.

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9.01 Uhr - planmäßig wäre jetzt Abfahrt. Der Bus fährt an, doch nach ein paar Metern kommt er schon wieder zum Stehen. Danach passiert erst mal gar nichts. Andere Busse versperren uns den Weg. Wir kommen nicht durch.

Busfahrer sagt: „Wir wurden nicht eingeplant“

Der Mann hinterm Steuer heißt Karl-Heinz Hellmann, er ist der Busfahrer auf meiner Tour. Er erklärt mir, dass er an einer anderen Stelle gehalten hat, als ursprünglich geplant. Wir waren nicht eingeplant.

„Wir müssen jetzt raus aus dem Bahnhof, aber das kommt mit den Fahrplänen der anderen Busse nicht hin.“ Das geht ja gut los, denke ich mir. Nach ein paar Minuten ist der Weg aber wieder frei und wir machen uns mit sechsminütiger Verspätung auf den Weg zu unserem ersten Zwischenstopp Werne.

Ich spreche mit einem ersten Fahrgast. Anna Karthaus pendelt einmal pro Woche aus Dortmund nach Werne und sagt mir, auch in der Eurobahn sei zuvor erschreckend wenig los gewesen.

20 Minuten mehr Zeit einplanen

Klaus Haagen sitzt ebenfalls im Bus. Er kommt aus Dortmund-Derne und ist mit dem Auftakt des Schienenersatzverkehrs am Montagmorgen zufrieden - auch wenn er dadurch ab sofort 20 Minuten länger braucht für seinen Arbeitsweg nach Werne.

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Er bleibt locker. „Morgens einen Kaffee weniger, dann passt das schon“, sagt er mit einem Lachen. Und er erzählt, dass es nun viel besser klappe mit dem Schienenersatzverkehr als beispielsweise noch im Dezember des vergangenen Jahres: „Da hat es hier ja auch eine Bahn-Sperrung gegeben. Und die Busse sind teilweise ausgefallen. Das war eine Katastrophe. Dieses Mal haben sie es aber im Griff.“

Mit vier Minuten Verspätung in Werne

Im Griff hat auch der Busfahrer seine Route. In Werne treffen wir mit vierminütiger Verspätung ein, ein Fahrgast ist zuvor bereits am Stadthaus ausgestiegen, ein neuer dazugekommen.

9.40 Uhr - wir sind in Capelle. Zwei Personen steigen noch dazu. Die meisten Plätze im Bus bleiben aber weiterhin frei. Ich unterhalte mich mit Alex Kötter, der auf dem Weg nach Münster ist - so wie jeden Montag um diese Zeit. „Normalerweise ist der Zug immer voll“, sagt er mir. Daher sei er auch sehr überrascht, dass im Bus so wenig los sei.

Er selbst wurde vom Schienenersatzverkehr „überrascht“, wie er sagt: „Ich wusste davon nichts.“ Nächste Woche werde er lieber mit dem Zug über Hamm nach Münster fahren, statt erneut in den Ersatzbus zu steigen. „Die Busfahrt über die Dörfer dauert mir zu lange“, sagt er.

Pünktlich in Davensberg - Positives Fazit

Um Punkt 10 Uhr erreichen wir den Bahnhof in Davensberg. Ohne Sperrung wäre er schon um 9.16 Uhr in Davensberg. Ich bin also mit Umstiegszeit knapp eine Dreiviertelstunde später dran. Die petrolfarbene Eurobahn steht schon am Gleis bereit zur Weiterfahrt nach Münster. Ein Mitarbeiter der Eurobahn wartet auf die Pendler und weist ihnen den Weg zur Bahn und beantwortet einem Fahrgast noch ein paar Fragen.

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Am Ende meiner Tour halte ich fest: Die einstündige Bustour mit der Linie A von Lünen nach Davensberg lief ziemlich reibungslos. Bis auf die Startschwierigkeiten mit der Wegsperre durch andere Busse hat alles gepasst und wir sind trotzdem noch pünktlich in Davensberg angekommen. Von verärgerten oder genervten Fahrgästen war überhaupt nichts zu sehen.

Mein persönliches Fazit fällt daher positiv aus. Einzig das Fehlen der Informationen über die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Ersatzbusse auf den elektronischen Anzeigetafeln an den Bahnhöfen stieß nicht nur mir negativ auf. Um das aber künftig noch einzustielen, hat die Eurobahn ja noch ausreichend Zeit.

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