Was hat es auf sich Mit dem Räumungsverkauf von Sport Angersbach an der Kreisstraße? Christian Angersbach berichtet. © Günther Goldstein
Geschäftswelt

Selmer Sporthaus Angersbach erlebt Trauer und Chance durch Corona

„Räumungsverkauf“ steht am Schaufenster von Sporthaus Angersbach. Das Geschäft in der Selmer Altstadt schließt. Das ist aber nicht das Ende. Woanders geht es weiter - größer denn je.

Corona. Wenn Christian Angersbach (35) das Wort hört, denkt der Kaufmann nicht zuerst an Lockdown, Testpflicht und Umsatzeinbußen, sondern an seinen Vater, Werner Angersbach. Der Papa und Opa, der schmerzlich fehlt, noch immer.

Geschäftsgründer Werner Angersbach starb an Corona

Am 21. April 2020 war er im Alter von 68 Jahren gestorben. An Corona. Als einer der ersten von inzwischen 36 Selmerinnen und Selmern hatte er die Infektion mit dem Virus nicht überlebt. „Ein echter Schicksalsschlag“, sagt der Sohn. Für die Angehörigen sowieso. Aber auch für das Selmer Sportgeschäft, das Werner Angersbach mit Leidenschaft führte, obwohl er offiziell schon Rentner war. Weitermachen. Irgendwie. Das war vor einem Jahr die Parole. Jetzt gibt es eine neue.

„Räumungsverkauf“ steht auf den Plakaten im Schaufenster des Geschäfts an der Ludgeristraße. Davor und daneben leuchten Prozentzeichen: Hinweise auf die Rabatte bis 60 Prozent, die es zurzeit gibt. „Ja, wir schließen hier“, bestätigt Christian Angersbach am Telefon. Nach mehr als 26 Jahren an dem Standort in der Altstadt würden dort wohl am 19. Juni die Lichter ausgehen. „Eine Ära geht zu Ende“, ergänzt er. Dabei hört sich seine Stimme gar nicht traurig an, im Gegenteil. „Klar, denn es geht weiter“ – in Selm, aber an einem anderen Standort.

Zurück zu den Wurzeln: zur Kreisstraße

„Back to the roots“ – zurück zu den Wurzeln. Das sei das Motto, erzählt der 35-Jährige, der im Geschäft seines Vaters eine kaufmännische Ausbildung gemacht hatte, bevor er sich in der Modebranche auf eigene Füße stellte und heute Retail Manager eines französischen Kindermodeunternehmens für Deutschland ist: also jemand, der für die Planung, Organisation und Überwachung sämtlicher Geschäftsaktivitäten zuständig ist.

1977 hatte Opa Rolf das Geschäft in einer ehemaligen Eisdiele an der Kreisstraße eröffnet, nachdem er aufgrund einer Lungenkrankheit seine Bäckerei und Konditorei nicht weiterführen konnte. Vater Werner übernahm 1989 komplett. Bis dahin war er von früh morgens bis mittags noch als Bäcker tätig gewesen, und nachmittags im Sportgeschäft. Jetzt zieht der Sohn und Enkel wieder an die Kreisstraße. Genau gesagt: an die Kreisstraße 36.

„Das war ein Zufall“, sagt Angersbach. Bei einem Treffen der Kaufleute der Altstadt – „eine tolle Gemeinschaft“ – hatte er gehört, dass für den Tedi-Markt an der Kreisstraße ein Nachmieter gesucht werde: ein Ladenlokal, das mehr als viermal so groß ist wie das jetzige 120 Quadratmeter großes Geschäft.

„Wenn nicht jetzt, wann dann“, sagte sich der dreifache Familienvater und ergriff die Chance, von der auch ganz Selm profitieren könnte. Denn das, was Angersbach plant, soll auch Kundinnen und Kunden aus dem Umkreis anlocken.

18-Meter-Strecke zur Lauf- und Ganganalyse

Viel mehr Marken als zurzeit werden in dem Intersport-Geschäft vertreten sein: nicht nur Sport- und Freizeitmode, sondern auch Zubehör und Geräte. Von Wanderschuhen über Skates und Scooter bis zu Hula-Hoop-Reifen und Bikini. Der Clou, wie er sagt: eine 18 Meter lange Strecke zur genauen Lauf- und Ganganalyse. Neu wird auch ein Fußballraum sein, in dem sich Vereine ihre neue Kollektion aussuchen können.

Christian Angersbach, dessen Herz für Rot-Weiß Oberhausen und den BVB schlägt, kommt ins Schwärmen, wenn er von den neuen Waren spricht. Und von der neuen Ladeneinrichtung: eine trendige Kombination aus schwarzem Lack und unbearbeitetem Mauerstein. Neueröffnung soll am 24. Juni sein – mit dem bisherigen siebenköpfigen Mitarbeiterteam, einem neuen Filialleiter und Sportprominenz.

Dass es mutig ist, in der Krise durchzustarten, weiß Christian Angersbach. Klar, auch Sport Angersbach habe Umsatzrückgänge. Gleichzeitig hätten Fitness und Wellness in der Coronazeit einen neuen Stellenwert bekommen. Ob Papa Werner das neue Projekt wohl gefallen würde? Der Sohn schmunzelt nur. „Aber ich selbst kann es kaum erwarten.“

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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