Missbrauch

Sexueller Missbrauch im Bistum Münster: 237 Meldungen eingegangen

237 Meldungen von sexuellen Übergriffen hat es beim Bistum Münster bis Ende Juli 2021 gegeben. Auch in Selm, Werne und Nordkirchen sind in den vergangenen Jahren Fälle bekannt geworden.
Die AfD fordert von der Landesregierung ein Lagebild zu den Missbrauchsfällen im Einflussbereich der katholischen Kirche. (Symbolbild) © picture alliance/dpa

Alle Glaubwürdigkeit verspielt habe das Bistum Münster mittlerweile beim Thema sexueller Missbrauch. Das sagte Peter Frings, der Interventionsbeauftragte des Bistums, bei einer Info-Veranstaltung am 16. September in Coesfeld. „Das ist die Folge davon, dass das Thema Jahrzehnte ‚weggedrückt‘ wurde und die Betroffenen missachtet wurden“, erklärte er. Jetzt, so sagte er weiter, ginge es darum, sich der eigenen Verantwortung – und dem eigenen Versagen – zu stellen.

Das gilt auch in den Orten Selm, Werne und Nordkirchen: Hier waren in den vergangenen Jahren mehrere Vorwürfe gegen zwei Pfarrer bekannt geworden. Mehrere Betroffene beschuldigen so den 2002 verstorbenen Pfarrer Alfred Albeck, sie als Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Er war Pfarrer im Dienste der katholischen Kirche – unter anderem von 1973 bis 1984 in Nordkirchen und von 1961 bis 1964 als Kaplan in der Gemeinde St. Konrad in Werne. Gleiche Vorwürfe gibt es gegen den Pfarrer Theo Wehren, der ebenfalls bereits verstorben ist und von 1966 bis 1969 Kaplan in St. Josef in Selm war.

Zwei prominente Fälle aus der Region – aber längst nicht alle im Bistum Münster. „Bis Ende Juli dieses Jahres gab es beim Bistum 237 Meldungen von sexuellen Übergriffen mit Anträgen auf Leistungen in Anerkennung des Leids. Gezahlt wurden seitens des Bistums 1,4 Millionen Euro. Zusätzlich wurden bisher Therapiekosten in Höhe von gut 275.000 Euro übernommen. In einem neuen Verfahren, das seit Jahresbeginn gilt, können Betroffene zudem Folgenanträge stellen. Das ist in 142 Fällen schon erfolgt“, erklärt das Bistum in einer Pressemitteilung.

Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft

Im Bistum, so betonte Frings jetzt bei der Info-Veranstaltung, gebe es inzwischen eine Haltung „der Nulltoleranz“. „Voraussetzung zum Handeln ist aber immer, dass die Betroffenen den Missbrauch offen machen“, sagte er. Wenn das geschehe, gebe es seitens des Bistums eine uneingeschränkte Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft: „Sachverhalte werden weitergeleitet und zur Anzeige gebracht“, sagte der Interventionsbeauftragte. Allerdings nie gegen den Willen der Betroffenen.

Seit 2019 hat das Bistum eine unabhängig arbeitende Historikerkommission der Universität Münster eingesetzt, die sich um die Aufarbeitung der Fälle kümmert. „Im Unterschied zu den Gutachten in Aachen und Köln – dort fand eine rein juristische Bewertung der Vergangenheit statt – geht das Projekt in Münster umfassender vor; denn eine rein juristische Bewertung der Vorkommnisse der Vergangenheit greift eindeutig zu kurz“, erklärte Frings.

Sollte es weitere Betroffene geben, bittet das Bistum diese, sich bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs zu melden. Kontakt: Bernadette Böcker-Kock, Tel. (0151) 63404738, und Bardo Schaffner, Tel. (0151) 43816695.

Weitere Informationen gibt es auf: www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch

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