Streit um neues Baugebiet in Capelle fordert die Kommunalpolitiker

mlzBaugebiet

Die Gemeindeverwaltung hält ein neues Baugebiet in Capelle für zwingend erforderlich. Eine Initiative im Ort lehnt das kategorisch ab und kündigt eine Klage an. Jetzt ist die Politik am Zug.

Capelle

, 03.12.2018, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fragestunde für Einwohner fällt nicht selten „mangels Masse“ aus - es gibt halt keine Fragen an die Gemeindeverwaltung. Am Donnerstag wird das bei der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planen anders sein. Auf Anfrage dieser Zeitung kündigte das langjährige Ausschuss-Mitglied Meinhard Tegeler „20 bis 30 detaillierte Fragen“ zum geplanten neuen Baugebiet in Capelle an. Tegeler ließ zudem keinen Zweifel aufkommen, welches Ziel er und einige weitere engagierte Mitbürger verfolgen. Sie wollen das Baugebiet verhindern. Was sind die Streitpunkte?


Die Gemeinde habe Wohnbauflächen genug, behauptet Tegeler.
Er verweist auf die neuen Baugebiete in Nordkirchen. „Capelle braucht Zuzug für den Erhalt der Infrastruktur (Kindergarten, Grundschule) sowie für den Einzelhandel“, entgegnet Bauamtsleiter Josef Klaas. Unterstützung erfahre die Gemeinde auch von der Bezirksregierung, die die Ausweisung einer neuen Baufläche unterstütze.

Beim Baugebiet Kolpingstraße sei jedes zweite Grundstück an Nicht-Capeller gegangen, so der nächste Kritikpunkt. „Das stimmt“, sagt Klaas kurz und knapp. Die Gemeinde habe aber auch bei dem Baugebiet nicht den Ehrgeiz gehabt, Grundstücke nur an Capeller zu vergeben. Für das jetzt geplante Baugebiet solle es jedoch andere Regeln geben. Nur Leute aus dem Ort sollen sich bewerben dürfen. Ob sich das 1:1 umsetzen lasse, könne man derzeit noch nicht sagen. „Wir sind erst am Anfang des Verfahrens.“

Ein weiterer Kritikpunkt der Gegner ist die geplante Linksabbiegespur in das Baugebiet auf der Landstraße. Die Gemeindeverwaltung räumt ein, dass diese Maßnahme „sicher nicht zur Kostenminderung beiträgt.“ Allerdings habe diese Investition einen anderen Vorteil. Um die Abbiegespur bauen zu können, müsse die Straße ein Stück weit verschwenkt werden. „Das wird das Tempo auch auf dem Stück zwischen Bahnhof und Einfahrt ins Baugebiet reduzieren.“

Gegner des Baugebietes befürchten auch, dass der Abstand zwischen ihren und den neuen Häusern sehr gering sein wird. In der Sitzung am Donnerstag (Beginn 17.30 Uhr im Bürgerhaus, Am Gorbach 2) geht es erst einmal um die 23. Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes „Wohr“ nördlich der Bahnhofstraße. „Die Detailplanung und damit der Abstand zu den bestehenden Häusern wird erst im weiteren Verlauf der Planung ein Thema sein“, sagt Josef Klaas.

Haben die Gegner einen Plan für den Fall, dass die Politik grünes Licht für das neue Baugebiet gibt? „Wir werden anwaltlich begleitet“, sagt Meinhard Tegeler. Er berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion auch über ein Treffen mit Vertretern des Naturschutzes. „Der Rote Milan ist in dem nur 150 Meter entfernten FFH-Gebiet (spezielles europäisches Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) gesichtet worden. Ebenso Kiebitze“, so Tegeler. Er berichtet von rund 100 Bürgern, die ihre Unterschrift gegen das neue Baugebiet gegeben hätten. Im Kern seien es drei bis vier Bürger, die sich besonders stark engagieren.

Wie sehen die Baugebiet-Gegner die Zukunft Capelles? Capelle dürfe sich nur aus sich selbst entwickeln, sagen sie und lehnen grundsätzlich neue Baugebiete hier ab. Das sehe aus ihrer Sicht auch die Bezirksregierung so, die keine neuen ASB-Flächen (Allgemeine Siedlungsbereiche) ausweisen wolle. Für den jetzt entwickelten Plan „haben wir nur Nachteile gefunden.“

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