Um diese Projekte kümmert sich der Lippeverband jetzt beim Nordkirchener Abwassernetz

Abwasser-Deal

Die Gemeinde Nordkirchen hat am Mittwoch offiziell die komplette Abwasserbeseitigung an den Lippeverband übertragen. Die ersten Investitionen ins Kanalnetz stehen jetzt unmittelbar an.

Nordkirchen

, 10.01.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Um diese Projekte kümmert sich der Lippeverband jetzt beim Nordkirchener Abwassernetz

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbands (r.) und Bürgermeister Dietmar Bergmann haben am Mittwoch das Dokument unterschrieben, mit dem die Abwassernetz-Übertragung abgeschlossen ist. © Karim Laouari

Zwei Unterschriften haben noch gefehlt, um das Abwassernetz der Gemeinde Nordkirchen an den Lippeverband offiziell zu übertragen. Diese beiden Unterschriften sind seit Mittwochabend getrocknet. Sie stammen von Dietmar Bergmann, Bürgermeister der Gemeinde Nordkirchen, und Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbands.

Seit dem 1. Januar kümmert sich der Lippeverband bereits um die 81 Kilometer Kanäle, 16 Kilometer Druckrohrleitungen, 31 Pumpwerke und 24 sogenannte Regenwasserbehandlungsanlagen, wie Regenrückhaltebecken.

45 Treffen zwischen Lippeverband und Gemeinde Nordkirchen

Ziemlich genau vor zwei Jahren, am 17. Januar 2017, hätten sich Gemeinde und Lippeverband zum ersten Mal zusammengesetzt, um die Übertragung des Abwassernetzes vorzubereiten, erklärte Dietmar Bergmann bei dem Pressetermin am Mittwoch. 45 Treffen seien danach gefolgt. „Das zeigt, wie viel Arbeit dahinter steckt“, so Bergmann. Bereits seit den 1980er-Jahren arbeiten Gemeinde und Lippeverband eng zusammen. Seitdem betreibt der Verband unter anderem das Klärwerk in Nordkirchen. Auf dieser Grundlage machten beide Seiten am Mittwoch deutlich, dass auch die jetzt noch größer gewordene Partnerschaft gut funktionieren werde.

Um diese Projekte kümmert sich der Lippeverband jetzt beim Nordkirchener Abwassernetz

Die Übertragung der Abwasserbeseitigung ist abgeschlossen. © Karim Laouari

Für die Gemeinde Nordkirchen hätten mehrere Argumente für die Übertragung gesprochen, machte der Bürgermeister noch einmal deutlich. Der Aufwand, das kilometerlange Kanalnetz zu unterhalten sei schon jetzt groß und werde in Zukunft noch weiter wachsen. Das technische Know-How dafür hätte der Lippeverband. In Nordkirchen hat dieses Know-How ab sofort auch einen Namen und ein Gesicht: Dennis Brüninghoff, Mitarbeiter des Lippeverbands, wird in Zukunft ausschließlich für Nordkirchen zuständig sein und Heinz-Josef Tepper, der für die Kläranlage zuständig ist, unterstützen.

Ein Hauptargument für den Lippeverband

Für den Lippeverband sei die Übernahme der kompletten Abwasserbeseitigung „die einzige Möglichkeit, eine Wasserwirtschaft aus einer Hand umzusetzen“, erklärte Thomas Fock, Geschäftsbereichsleiter Kunde und Recht des Lippeverbandes. Damit werde eine Schnittstelle bei der Abwasserbeseitigung aufgelöst, so Fock weiter.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gemeinde sich mit dem Thema Abwasser nicht mehr beschäftigen wird. Die Gemeinde und auch der Nordkirchener Rat werden weiterhin am Abwasserbeseitigungskonzept arbeiten, beziehungsweise es beschließen. Das ist fünf Jahre wirksam und hat aktuell ein finanzielles Volumen von rund 760.000 Euro pro Jahr, so Dietmar Bergmann.

Diese Projekte stehen jetzt an

Der Bürgermeister gab in diesem Zusammenhang auch bereits einige Investitionen ins Kanalnetz an, die für die Gemeinde und den Lippeverband in naher Zukunft anstehen:

Beim Baugebiet Große Feld III, das neben der Weischerstraße erschlossen wird, haben in diesen Tagen die vorbereitenden Arbeiten am Kanalausbau begonnen. Die Kosten liegen bei 413.000 Euro. Das sei sogar weniger, als ursprünglich angesetzt. Zunächst waren rund 600.000 Euro eingeplant.

Das Gewerbegebiet V in Nordkirchen an der Umgehungsstraße müsse dringend erweitert werden. Einige Unternehmen würden bereits darauf warten, dass sie auf ihren Grundstücken loslegen könnten, so der Bürgermeister. Von einem „zügigen Kanalausbau“ sprach er und nannte dafür eine Summe von 175.000 Euro.

Für 2020/2021 sei die neue Druckrohrleitung zwischen Capelle und Südkirchen vorgesehen, die in Nordkirchen am Gorbach ankomme. Dafür sei eine Summe von rund 600.000 Euro nötig. Das seien die ersten Investitionen, die der Lippeverband trägt.

Für die Gemeinde hat die Aufgabenübertragung auch einen weiteren finanziellen Effekt: die 40 Millionen, die die Schlossgemeinde als Ausgleichszahlung bekommt und damit schuldenfrei ist. „Mit diesem Geld werden wir konservativ umgehen“, betonte Bergmann am Mittwoch noch einmal.

Hintergrund zum Lippeverband
  • Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen.
  • Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung.
  • Dem Lippeverband gehören zurzeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an.
  • Die Mitglieder finanzieren den Verband durch einen allgemeinen Beitrag und das sogenannte Sonderinteresse. Das sind Aufgaben, deren „Wahrnehmung dem ausschließlichen Vorteil eines einzelnen Mitglieds dient“ (Satzung für den Lippeverband, § 3a).
  • Die Gemeinde Nordkirchen zahlt zum Beispiel 600.000 Euro jährlich als allgemeinen Beitrag an den Lippeverband.
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