Vorfälle bei Tönnies: „Das macht eine ganze Branche schlecht“

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Erst Probleme bei Westfleisch, dann der Skandal bei Tönnies. Die Fleischerei Angelkort aus Südkirchen distanziert sich klar von den Vorfällen. Bei ihnen sind die Bedingungen ganz andere.

Südkirchen

, 10.07.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In letzter Zeit kommen immer wieder Kunden in die Fleischerei Angelkort nach Südkirchen die wissen wollen: Woher kommt das Fleisch eigentlich genau und wo wird es geschlachtet? Nach den Corona-Skandalen bei Westfleisch in Coesfeld und dann auch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind die Menschen vorsichtiger geworden. Das merken auch die Mitarbeiter in der Fleischerei.

Doch Ulrich Angelkort kann beruhigen. Er ist Geschäftsführer der Fleischerei Angelkort und gleichzeitig Landwirt, Koch und Fleischermeister. „Wir kämen nie auf die Idee, als Handwerksbetrieb unter solchen Bedingungen zu schlachten“, erklärt er. Seit 1848 besteht die Fleischere Angelkort schon.

Geschlachtet wird im kleinen Schlachtbetrieb

Die eigenen Rinder und die Schweine vom Bauer Schulze Westerhoff in Harvixbeck werden in einem kleinen Schlachtbetrieb in der Nähe geschlachtet. Den Namen will Ulrich Angelkort nicht nennen. „Wir fahren dort mit unseren eigenen Mitarbeitern hin und bleiben auch bis zum Schluss da“, erklärt er. Denn dort würden keine Massen an Tieren geschlachtet, alles sei überschaubar.

„Außerdem haben wir jahrelange Mitarbeiter, die für uns arbeiten“, erklärt Angelkort weiter. Da bräuchten sie keine Werksverträge wie bei Tönnies oder Westfleisch. Doch darauf können sich Verbraucher nicht bei jedem kleinen Betrieb verlassen, erklärt Sabine Klein von der Verbraucherzentrale NRW.

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Sie hat sich auf das Thema Fleisch spezialisiert und weiß: „Nicht alle kleinen Betriebe schlachten selbst und kaufen manchmal auch bei Großhändlern Fleisch dazu.“ Dass da auch mal Fleisch von Tönnies und Co. dabei ist, sei wahrscheinlich. Schließlich gibt es eine extrem hohe Marktkonzentration: Die drei größten Schlachtbetriebe Deutschlands - Tönnies, Vion und Westfleisch - besitzen zusammen circa 60 Prozent des Marktanteils.

Bio sagt nichts über die Schlachtung aus

Gleiches gilt für Bio-Produkte. Auch die würden teilweise in großen Schlachtbetrieben geschlachtet, sagt Klein. Denn für Bio-Produkte gäbe es eine EU-Öko-Verordnung für die Haltung, Fütterung, den Transport und die Verarbeitung - nicht aber für die Schlachtung. Der Grund: „Die Tierschutz Schlachtverordnung hat schon sehr hohe Standards und wenn die in der Praxis auch umgesetzt würden, könnte man da nicht viel mehr tun“, erklärt Klein.

Dennoch weiß sie auch: In der Branche kann man nichts pauschalisieren. Einige Tricks gibt es aber, mehr über das Fleisch zu erfahren. Zum Beispiel über die Identitätskennzeichen bei abgepacktem Fleisch im Supermarkt. So könne man in einer Datenbank die letzte Station des Fleisches nachschauen und mit Glück stehe dort der Schlachtbetrieb. Außerdem rät sie: „Immer direkt nachfragen, wo das Fleisch herkommt“ - wie Kunden es bei Angelkort in Südkirchen tun.

Dort distanziert sich Ulrich Angelkort klar von den Vorfällen in Rheda-Wiedenbrück und Coesfeld. „Das macht eine ganze Branche schlecht“, sagt er und ist davon überzeugt, dass diese Problematik an den Schlachtbetrieben aufhören muss. Er würde sich deswegen wünschen, dass gerade die Handwerksbetriebe mehr geschützt werden.

Keine Preisfrage, sondern Vertrauensfrage

Und auch wenn die Preise bei ihm höher sind als in Supermärkten. Ulrich Angelkort findet: „Fleisch kaufen ist keine Preisfrage, sondern eine Vertrauensfrage.“ Das würden die Verbraucher schätzen. Denn über die Jahre ist der Andrang bei ihm größer geworden, besonders aber auch seit den Vorfällen bei Westfleisch und Tönnies.

Zukunftssorgen müsse er sich keine machen, so Angelkort. Gutes und leckeres Fleisch erkenne man sofort. „Wenn die Tiere bei der Schlachtung nicht gestresst sind, merkt man das sofort: Das Fleisch ist viel fester und hat eine andere Saftigkeit“.

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