Vorwürfe gegen Pfarrer aus Nordkirchen, Werne und Selm: Kommission stellt erste Ergebnisse vor

Missbrauchsskandal

Die vom Bistum Münster beauftragte Kommission stellt erste Ergebnisse der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche vor. Betroffen sind auch Nordkirchen, Selm und Werne.

Nordkirchen, Werne, Selm

, 03.03.2020, 13:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche arbeitet für das Bistum Münster gerade eine externe Expertenkommission auf. Sie lädt die Öffentlichkeit jetzt zu einer Info-Veranstaltung ein.

Den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche arbeitet für das Bistum Münster gerade eine externe Expertenkommission auf. Sie lädt die Öffentlichkeit jetzt zu einer Info-Veranstaltung ein. © picture alliance/dpa

Fast ein Jahr ist es her, da wurden die Vorwürfe bekannt: Mehrere Betroffene beschuldigen den 2002 verstorbenen Alfred Albeck in anonymen Briefen, sie als Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben. Er war Pfarrer im Dienste der katholischen Kirche - unter andrem von 1973 bis 1984 in Nordkirchen und von 1961 bis 1964 als Kaplan in der Gemeinde St. Konrad in Werne.

Nach der öffentlichen Bekanntmachung meldeten sich weitere Betroffene beim zuständigen Bistum Münster, gaben an, auch Opfer des katholischen Geistlichen geworden zu sein. Auch an die RN-Redaktion wandte sich ein Betroffener. Sein Fall fügt dem Skandal eine weitere Ebene hinzu.

Schon 2010 hatte er Kontakt mit dem Bistum, schilderte die schrecklichen Taten des Pfarrers, erhielt eine Entschädigungszahlung. Dokumente, die das belegen liegen der Redaktion vor. Dem Bistum allerdings nicht mehr, wie es auf Anfrage der Redaktion erklärt. In der Akte von Alfred Albeck waren diese Dokumente nicht mehr.

Wo sind sie hingekommen? Wie viele Kinder und Jugendliche Opfer von Pfarrer Albeck geworden? Wie konnte das alles passieren?

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Das Bistum Münster hatte im vergangenen Jahr angekündigt, dass eine Kommission aus externen Experten den Skandal um Pfarrer Albeck und vergleichbare Fälle aufarbeiten wird. Seit September 2019 beschäftigen sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vom historischen Seminar der Westfälischen Wilhelms-Universität mit den Missbrauchsfällen.

„Dabei geht es vor allem darum, Missbrauchsfälle aufzudecken, zu beschreiben sowie Strukturen zu rekonstruieren, die die Taten begünstigten oder ihre Aufdeckung verhinderten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni.

Erste Erkenntnisse teilt Kommission der Öffentlichkeit mit

Die Kommission lädt jetzt interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der auch erste Ergebnisse der historischen Aufarbeitung bekannt gegeben werden sollen. Sie findet statt am Mittwoch, 11. März, ab 18 Uhr im Hörsaal S1 im Erdgeschosses des Schlosses in Münster.

Auch ein Fall aus Selm findet sich auf der Liste der auszuarbeitenden Fälle des Bistums: Im Juni 2019 war bekannt geworden, dass es gegen Pfarrer Theo Wehren, der bis 1969 als Kaplan in St. Josef in Selm tätig war, ebenfalls Missbrauchsvorwürfe gibt.

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Besonders brisant an diesem Fall: In der Personalakte des Bistums findet sich die Abschrift eines rechtskräftigen Urteils des Amtsgerichts Bocholt vom November 1976. „Darin war der Pfarrers wegen mehrerer sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr – auf Bewährung – verurteilt worden.

Das Bistum hatte ihm damals die Beratung durch einen Therapeuten empfohlen. Inwieweit der Pfarrer dieser Empfehlung folgte und mit welchem Ergebnis, geht aus der Akte nicht hervor“, hieß es in der Pressemittelung im Juni. Bis 2006 war Theo Wehren als Pfarrer im Dienst, er starb 2011.

Der Pfarrer war vor allem in der Jugendarbeit tätig, in der Gemeinde Bocholt-Barlo, wo er von 1975 bis 2006 tätig war, organisierte er Jugendfreizeiten, sogar ein Spielplatz wurde nach ihm benannt. Entsprechend laut kam in dieser Gemeinde die Frage auf: Wie kann man einem wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen verurteilten Mann die Arbeit mit Kindern anvertrauen? Wie konnte er weiter im Dienst bleiben und Schutzbefohlene ausnutzen, die Eltern ihm in gutem Gewissen anvertraut hatten?

Auch das sind Fragen, mit denen sich das Bistum und die externe Kommission derzeit beschäftigt.

Sollte es weitere Betroffene geben, bittet das Bistum diese, sich bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs zu melden. Kontakt: Bernadette Böcker-Kock, Tel. (0151) 63404738, und Bardo Schaffner, Tel. (0151) 43816695.
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