Warum viele Fichten in Nordkirchen krank sind und wie sich das auf die Wälder auswirkt

mlzWälder in Nordkirchen

Den Fichten in NRW geht es gar nicht gut. Hohe Temperaturen und der Borkenkäfer setzen den Bäumen immer mehr zu. Ein Experte sagt: „Der Kampf gegen den Borkenkäfer ist bereits verloren.“

Nordkirchen

, 10.08.2019, 08:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Borkenkäfer setzt die heimischen Fichtenbestände immer stärker unter Druck. Das bestätigt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW auf Anfrage dieser Redaktion. Schuld an dieser Entwicklung ist der Borkenkäfer im Zusammenspiel mit den gestiegenen Temperaturen im Sommer, wie Daniel Hook, Leiter des Forstbetriebsbezirks Tiergarten, zu dem auch Nordkirchen gehört, erklärt.

Allerdings ist der Fichtenbestand in der Schlossgemeinde sehr gering. Hook schätzt ihn auf unter fünf Prozent des gesamten Baumbestands für den der Förster in Nordkirchen zuständig ist.

Fichten-Anteil ist insgesamt gering

Im gesamten Bereich, für den das Regionalforstamt Münsterland zuständig ist, liege der Anteil der Fichten lediglich bei etwa acht Prozent von insgesamt rund 100.000 Hektar Fläche, wie Adalbert Koch, stellvertretender Leiter des Forstamtes auf Anfrage sagt.

Und: Die Fichte gehört nicht zur potenziell natürlichen Vegetation im Münsterland. Gemeint mit dem Ausdruck ist die Vegetation, die sich natürlich ansiedeln würde, wenn es keinen Einfluss durch den Menschen gäbe. In diesem Fall würde sich - wie jetzt auch schon zu einem großen Anteil vorhanden - eher die Eiche hier niederlassen.

Der Nadelbaum ist eigentlich widerstandsfähig

Der bevorzugte Lebensraum der Fichte beginne erst in höheren Lagen, wie Koch erklärt. Dass es die Fichte hierzulande überhaupt gibt, habe wirtschaftliche Gründe. Vor etwa 100 Jahren wurde die Fichte auch im Münsterland als Nutzholz eingeführt.

Das Holz werde in der Industrie, zum Beispiel beim Hausbau für Dachstühle, verwendet. Außerdem sei die Fichte eigentlich ein sehr robuster Baum. „Wenn man ihn nicht mit den Wurzeln nach oben einpflanzt, kann man eigentlich wenig damit falsch machen“, sagt Koch mit einem Augenzwinkern.

Also alles doch nicht so schlimm für die Fichte? Ja und nein.

Kampf gegen den Borkenkäfer ist verloren

Was den Borkenkäfer angeht, sei der Kampf im Grunde schon verloren, erklärt der stellvertretende Forstamtsleiter. Dass die Fichte ganz und gar aus dem Münsterland verschwinden wird hält er allerdings für unwahrscheinlich. „Vor allem sind jetzt die Altbestände, also Bäume, die 50, 60 oder 70 Jahre alt sind, betroffen“, beschreibt er. Aber dort, wo alte Bäume sterben und aus dem Wald geholt werden, würde Platz für neue entstehen.

Und im Boden würden eben doch noch viele Samen der Fichte stecken, aus denen wieder junge Triebe wachsen, so Koch. Rein ökologisch betrachtet sind die Auswirkungen des Fichten-Leidens überschaubar. Diese seien eher wirtschaftlich, sagt Koch.

Ein Gegenmittel gebe es ohnehin nicht. Auch Daniel Hook erklärt, dass vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald geholt würden. Insektizid-Einsätze seien selten.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt