Was die Schlacht von Waterloo mit dem Schloss in Nordkirchen zu tun hat

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Was hat die berühmte Schlacht von Waterloo mit Nordkirchen zu tun? Eine ganze Menge, hat der Autor Dr. Dirk Ziesing herausgefunden. Nach der Schlacht war für einen Mann „vor dem Schloss“.

Nordkirchen

, 02.11.2020, 17:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Familie stammt aus Hagen, doch Engelbert Morsbach sollte eine wichtige Rolle in der Geschichte des Nordkirchener Schlosses spielen. Aber dafür musste der Spross einer Familie hoher Bergbeamter erst in die heute so berühmte Schlacht von Waterloo ziehen.

Der 1795 geborene Morsbach meldete sich als Gymnasiast freiwillig zur westfälischen Landwehr, die Ende 1813 aufgestellt worden war, wurde Offizier und kämpfte für die Preußen in der Schlacht nahe des belgischen Ortes Waterloo gegen Napoleons Truppen. Anschließend holte er sein Abitur nach und studierte dann in Halle an der Saale und in Göttingen.

„Danach hat man ihn zum Vermögensverwalter der damals minderjährigen Schlossherrin von Nordkirchen bestellt, einer Gräfin zu Plettenberg“, so Autor Dr. Dirk Ziesing. Offenbar konnte der Waterloo-Veteran gut mit Geld umgehen, er war Treuhänder mit Generalvollmacht und sanierte das Schloss und die zugehörigen Ländereien.

Aufwändige Recherchen

Seine Geschichte steht nun in einem Buch, das Ziesing geschrieben hat.

Hauptberuflich Ingenieur, interessiert sich der gebürtige Hammer schon lange für historische Themen. Nach aufwändigen Recherchen schrieb er inzwischen schon vier Bücher über die westfälische Landwehr, vor allem, um an die Opfer dieser kriegerischen Zeiten zu erinnern.

Dr. Dirk Ziesing setzt mit seinen Büchern den Menschen aus der Region ein Denkmal, die bei Waterloo auf den Seiten der Preußen gekämpft haben.

Dr. Dirk Ziesing setzt mit seinen Büchern den Menschen aus der Region ein Denkmal, die bei Waterloo auf den Seiten der Preußen gekämpft haben. © Ziesing

Ziesing schildert die Einzelschicksale und weiteren Lebenswege zahlreicher Kriegsteilnehmer. „Dabei spannt sich der Bogen von bekannten Familien des Adels sowie der Beamten- und Kaufmannschaft bis hin zu den Söhnen einfacher Bauern, Handwerker und Tagelöhner,“ so der Autor, der seit vielen Jahren als Historiker und Sachverständiger in der Militärgeschichte und der Waffentechnik tätig ist.

Im vierten Band geht es um die Münsterländer und somit auch um Männer aus Nordkirchen, die bei Waterloo kämpften.

So wie Engelbert Morsbach, der zweimal verheiratet war - in zweiter Ehe gab er der Schwester seines Kriegskameraden Wünnenberg das Ja-Wort. „Das kam häufiger vor, denn die Veteranen haben ihre Seilschaften auch lange nach Waterloo aufrecht erhalten“, erfuhr Ziesing bei seinen Recherchen. Der Zusammenhalt half so manchem Veteranen auch in schwierigen Situationen.

Aus dem Rahmen der meist jungen Männer, die in der Landwehr kämpften, fiel der Friedensrichter Wilhelm Gützloe aus Nordkirchen. Der Vater von fünf Kindern meldete sich auch freiwillig, wurde Hauptmann und Kompaniechef. Der 1775 geborene Mann war rund 20 Jahre älter als die meisten anderen Soldaten, brachte es bis zum Major, wurde später Land- und Stadtrichter in Lüdinghausen und starb 1850 in Nordkirchen.

Blücher und Wellington auf dem Schlachtfeld bei dem belgischen Ort Waterloo im Jahr 1815.

Blücher und Wellington auf dem Schlachtfeld bei dem belgischen Ort Waterloo im Jahr 1815. © Archiv Ziesing

Viele Informationen für Ziesings Werke stammen aus Kirchenbüchern. Das Bistum Münster hat im vergangenen Jahr alle Kirchenbücher online zur Verfügung gestellt. „So war es einfacher, die 155 Gemeinden zu durchforsten, sonst hätte ich mich wahrscheinlich monatelang im Archiv einschließen müssen“, so Ziesing.

Acht Jahre Arbeit

Der Autor entdeckte die gesamte Bandbreite - vom gefallenen Soldaten über Männer, die die Schwindsucht dahin gerafft hat, bis zu Veteranen, die ein gesegnetes Alter erreichten.

Acht Jahre arbeitete Ziesing an den vier Bänden: „Man wird im Laufe der Zeit beim Recherchieren immer schneller.“ Das erste bis dritte Regiment hatte einen hohen Anteil an Freiwilligen. Bei den Münsterländern gab es viel weniger Freiwillige. Das hatte einen Grund: Als die Franzosen kamen, dachten die Leute im Münsterland, dass sind endlich wieder Leute, die mit uns in die katholische Kirche gehen. Die Preußen waren Protestanten und nicht viele Münsterländer konnten sich vorstellen, für sie zu kämpfen.

Ziesings Bücher lesen sich teilweise wie historische Romane, weil er sich um die spannenden Schicksale kümmert. Auch um diejenigen, die auf dem Schlachtfeld gefallen sind und denen auf Gedenktafeln in ihren Heimatkirchen gedacht wurde. Diese Tafeln sind jedoch mittlerweile fast alle verschwunden, auch die in Nordkirchen.

Die Bücher von Dirk Ziesing erschienen im agenda Verlag in Münster.
  • Mit Gott für König und Vaterland - Geschichte des 1. Westfälischen Landwehr-Infanterie-Regiments 1813-1815, 390 S., 29,80 Euro, ISBN: 978-3-89688-534-0, erschienen 2015
  • Das Münsterländer Landwehr-Infanterie-Regiment (4. Westfälisches) in den Befreiungskriegen 1813-1815, 406 S., 29,80 Euro, ISBN: 973-3-89688-639-2, erschienen 2019.
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