Wegen des heißen Sommers: Gebäude an Kinderheilstätte hat Risse und ist abgesackt

mlzRisse an Gebäude

Bei einem Gebäudeteil an der Maxischule in Nordkirchen ist das Gebäude leicht abgesackt und hat Risse in der Wand. Der Grund: der heiße Sommer. Ein Problem auch für andere Hausbesitzer?

Nordkirchen

, 09.02.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für hitzeempfindliche Menschen und für Landwirte war der trockene, heiße Sommer ein Graus. Doch auch bei Häusern kann sich der heiße Sommer bemerkbar machen - jedenfalls wenn sie, wie die Kinderheilstätte in Nordkirchen, auf mergelhaltigem Boden stehen.

Keine Gefahr für die Statik

Thomas Pliquett, der kaufmännische Leiter der Kinderheilstätte, steht an diesem Freitagmorgen in Haus Nummer 11, das zur Maxischule gehört, und zeigt die verschiedenen Risse, die im Inneren des Gebäudes aufgetreten sind. Deshalb laufen gerade Arbeiten, um das Problem zu beheben.

„Wir haben vorher Statiker hinzugezogen“, sagt Pliquett. Diese hätten ihm versichert, dass keine Gefahr bestehe. Die nun laufenden Arbeiten würden lediglich ausgeführt, um die Risse zu verringern und das Gebäude wieder anzuheben - und sind eine Investition für die Zukunft.

Die Arbeiter spritzen nämlich Harz unter den Boden. „Damit sind die naturbedingten Probleme behoben“, sagt Thomas Pliquett. Soll heißen: wenn die Sommer in den nächsten Jahren ebenfalls so heiß werden, hat das keine Auswirkungen mehr auf das im Jahr 2002 gebaute kellerlose Gebäude.

Auch bei anderen Bauten der Kinderheilstätte sei diese Technik in der Vergangenheit bereits angewendet worden, so der kaufmännische Leiter.

Wie bei Montageschaum

Bauleiter Thorsten Gerdes erklärt die Arbeiten genau: Zunächst werden kleine Stäbe, so genannte Lanzen, in den Boden gesteckt; dort wird gebohrt. In den Boden wird dann das Harz gespritzt.

„Das müssen Sie sich vorstellen wie Montageschaum“, sagt Gerdes. Wenn alles verpresst ist, sorgt das dafür, dass das Gebäude wieder angehoben wird und die Risse schmaler werden. Und so ist es gekommen, seit die Arbeiten am Donnerstag gestartet sind: Das Gebäude habe sich schon wieder gehoben und die Risse sich verschmälert.

Wegen des heißen Sommers: Gebäude an Kinderheilstätte hat Risse und ist abgesackt

Dieses Messgerät zeigt, wie sich die Risse nach Auffüllung verändern. © Sabine Geschwinder

Die Firma mit Hauptsitz in Mülheim, für die Gerdes verantwortlich ist, ist auf solche Arbeiten spezialisiert. „Wir sind bundesweit unterwegs“, erklärt Gerdes - und der Bedarf wegen des heißen Sommers sei auf jeden Fall vorhanden. „Wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hinfahren sollen“, sagt er.

Risse zunächst nicht dramatisch

Aber ist das Problem eines, das nur die Kinderheilstätte betrifft? „In Nordkirchen ist dieses Problem nicht fremd“, erklärt Josef Klaas, Bauamtsleiter der Gemeinde Nordkirchen.

Das Problem sei, dass der Boden bei der Hitze austrockne und sich dann zusammenziehe. „Wenn Häuser nicht gut fundamentiert sind, dann sacken sie teilweise ab“, erklärt Klaas. Ein Problem könne auch entstehen, wenn das Haus auf zwei verschiedenen Böden läge. Die Bodenverhältnisse in der Gemeinde seien unterschiedlich. Zu einem großen Teil komme Mergelboden vor, aber auch Lehm und Sand.

„Die Risse an sich sind nicht dramatisch, solange sie nicht wirklich eine Gefahr darstellen“, so Klaas. Üblicherweise sei das aber nicht der Fall. Wenn Fenster sich nicht mehr schließen lassen oder Leitungen reißen, sollte man auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate ziehen, so Klaas.

Gesperrte Kirche in Südkirchen

Auch Ludger Brinkmann vom Bauamt des Kreises Coesfeld sagt: „Bei normal gegründeten Gebäuden mit einem etwa 50 Zentimeter tiefem Baufundament tritt so ein Problem in der Regel nicht auf.“ Beim Kreis habe es bisher auch noch keine Meldungen zu dem Thema gegeben. Dort war der Fall aus Nordkirchen aber ebenso wenig bekannt wie der aus Südkirchen.

Dort ist der alte Gebäudeteil der St.-Pankratius-Kirche seit September 2018 gesperrt. Aus Sicherheitsgründen. Auch bei der Kirche in Südkirchen waren wegen des vom Sommer gehärteten Bodens zahlreiche Risse aufgetreten. Um kein Risiko einzugehen, war die Kirche gesperrt worden. Die Arbeiten dort sollen 2020 abgeschlossen sein.

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