Claudia Krogul feiert Weihnachten dieses Jahr ganz klein - gemütlich auf der Couch. Aber sie macht das Beste aus ihrer Situation. © Sabine Geschwinder (Archiv)
Coronavirus

Weihnachten als Risikopatientin: „Ich habe alles abgesagt“

Claudia Krogul aus Nordkirchen hat vor acht Jahren eine Lungentransplantation erhalten - sie ist Risikopatientin. Deshalb hat sie für Weihnachten alle Treffen abgesagt - doch sie ist optimistisch.

„Ich bin froh, wenn ich dieses Jahr überlebe und Weihnachten feiern kann“, das hatte Claudia Krogul aus Nordkirchen im März gesagt, als sie mit unserer Redaktion über ihre Angst vor dem Coronavirus gesprochen hatte.

Nun steht Weihnachten vor der Tür und Claudia Krogul erinnert sich noch genau an diesen Satz. Dementsprechend meldet sie sich am Telefon mit den Worten „Ich lebe noch.“ Anschließend lacht sie, wie sie es gerne tut.

Für Claudia Krogul ist das Coronavirus gefährlicher, als für viele andere. Sie gehört zur Riskogruppe, obwohl sie erst 41 Jahre alt ist. 2012 wurde ihr eine neue Lunge transplantiert. Claudia Krogul leidet an Mukoviszidose, einer Krankheit, die die Lunge mit Schleim verstopft. Jedes Jahr ist für sie ein kleines Wunder, schließlich hatte man ihren Eltern einst gesagt, dass ihre Tochter nicht älter als 18 Jahre werden würde. Dementsprechend war die Nordkirchenerin schon im März äußerst vorsichtig, ging nur selten vor die Tür und wenn dann mit Maske – bevor die Maske für alle Pflicht wurde.

Claudia Krogul hat schon immer gerne genäht. Dieses Jahr hat sie vor allen Dingen Masken genäht. © Sabine Geschwinder (Archiv) © Sabine Geschwinder (Archiv)

Im März hat Claudia Krogul begonnen, viele Masken zu nähen. Masken wurden gebraucht und Claudia Krogul brauchte irgendetwas, was sie tun kann. Also hat sie genäht und später sogar ein kleines Gewerbe angemeldet. Als die ersten Coronafälle kamen, waren auch Menschen, die sie gut kannte, betroffen. „Ich habe wirklich teilweise hier gesessen und Angst gehabt“, erzählt sie.

Weihnachten zu zweit

Der Sommer brachte dann – wie für viele andere – etwas mehr Freiheiten. In dieser Zeit ist Claudia Krogul viel Fahrrad gefahren, etwa 1000 Kilometer hat sie mit ihrem E-Bike über den Sommer zurückgelegt, berichtet die Nordkirchenerin. „100 Kilometer am Tag waren nichts.“ Doch jetzt, während der zweiten Welle verbringt sie wieder viel Zeit zu Hause und vermeidet Kontakte. Das gilt auch für das Weihnachtsfest.

„Ich habe alles abgesagt“, erzählt Claudia Krogul. Ein Besuch bei der Schwiegermutter? Geht nicht. Auch mit der eigenen Mutter wird sie nicht feiern und auch das Patenkind wird keinen Weihnachtsbesuch erhalten. Stattdessen wird es ein Weihnachten mit ihrem Ehemann auf der Couch. Nicht jeder hätte dafür direkt Verständnis, erzählt sie.

„Sonst werden wir das Coronavirus nicht besiegen“

„Ich habe aber gesagt, wenn ihr wollt, dass ich nächstes Jahr noch da bin, dann akzeptiert das“, berichtet sie. Auch sie hätte ja gerne Zeit mit ihren Lieben verbracht, „aber die Welt ist ja auch nicht am 1. Januar zu Ende“, sagt Claudia Krogul. Man werde sich wiedersehen, irgendwann, wenn genug Leute geimpft sind. Das ist auch ihr Wunsch für das nächste Jahr: Dass sich 75 Prozent der Menschheit tatsächlich impfen lässt, damit es eine Herdenimmunität gibt. „Denn sonst werden wir das Coronavirus nicht besiegen“, sagt sie.

Ob es einen Weihnachtsbaum gibt, das weiß sie noch nicht. Selbst Geschenke wird es nicht geben. „Mein Mann und ich haben uns vorher etwas geschenkt“, sagt sie.

Bedauerlich findet die Nordkirchenerin das Weihnachtsfest im kleinen Rahmen aber nicht – eher im Gegenteil: „Ich freue mich schon darauf“, sagt Claudia Krogul.

Drei Tage ohne Stress und einfach nur auf der Couch sitzen, Filme gucken und gut essen. Das sei eigentlich etwas, was sie schon immer mal tun wollte. „Man muss es positiv sehen“, sagt Claudia Krogul. „Es ist ein besonderes Weihnachten. Und so eines wird es bestimmt die nächsten 100 Jahre nicht mehr geben“, denkt sie. Sie ist eine Optimistin und sagt: „Man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren.“ „So viel Zeit wie dieses Jahr hat man schließlich für sich und seine Familie selten.“

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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