Noch teilen sich Mitglieder des SC Capelle und der Feuerwehr das Umkleidegebäude. Das könnte sich bald ändern. © Günther Goldstein
Ortsentwicklung Capelle

Wohnen statt kicken: Gemeinde plant Bebauung auf dem Rasenplatz Capelle

Die Tage des Rasenplatzes des SC Capelle scheinen gezählt zu sein. Da, wo heute noch gekickt wird, könnten Wohnhäuser entstehen. Der SC bekäme im Gegenzug nicht nur einen Kunstrasenplatz.

Südkirchen und Nordkirchen haben bereits jeweils einen Kunstrasenplatz. Capelle soll folgen, das ist längst beschlossene Sache. Jetzt geht es um die Details. Denn eines ist klar. „Zwei Fußballplätze werden nicht mehr nötig sein, wenn der Kunstrasenplatz fertig ist. Da können die Capeller noch so viel Sport treiben“, sagte Bauamtsleiter Josef Klaas augenzwinkernd während der Sitzung des Ausschusses für Klima, Umwelt und gemeindliche Entwicklung. Auch wenn er unterm Strich etwas verliert, könnte der SC Capelle nach der Umsetzung der Pläne am Ende als Gewinner vom Platz gehen.

Auf dem Rasenplatz in Capelle könnte es bald eine Wohnbebauung geben. Die Pläne dazu hat die Gemeinde jetzt erstmals veröffentlicht.
Auf dem Rasenplatz in Capelle könnte es bald eine Wohnbebauung geben. Die Pläne dazu hat die Gemeinde jetzt erstmals veröffentlicht. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Dabei geht es nicht nur um die Interessen der Sporttreibenden im Ortsteil. Die Pläne, die die Verwaltung erstmals öffentlich gemacht hat, betreffen auch die Feuerwehr und Menschen, die in Capelle ein neues Zuhause suchen. Wie sich die unterschiedlichen Interessen am besten unter einen Hut bringen ließen, zeigt eine Skizze, die Klaas anfertigen ließ. Die zeigt – verglichen mit dem heutigen Ist-Zustand – verkehrte Welt: aber eine schöne neue Welt, wie die Politik in einer ersten Reaktion befand.

Kleines Wohngebiet auf dem Rasenplatz

Der Aschenplatz des Tennenplatzes ganz im Süden der heutigen Sportanlage ist grün statt rot: der künftige Kunstrasenplatz. Und der Rasenplatz nördlich davon – also direkt unterhalb des derzeitigen Feuerwehr- und Sportumkleidegebäudes – ist dafür nicht mehr grün, sondern rot gemustert.

Eine erste Entwurfsskizze hat Josef Klaas, der Bauamtsleiter, vorgestellt. Sie zeigt im Norden den künftigen Kunstrasenplatz und darüber das kleine Wohngebiet. Das ist der Vorschlag, den die Politik zurzeit favorisiert, aber noch nicht mehr. © Gemeinde Nordkirchen © Gemeinde Nordkirchen

Die acht roten Quadrate und Rechtecke auf der Fläche zeigen, wo Wohnhäuser entstehen könnten: Einfamilienhäuser, Doppelhäuser – ein 7000 Quadratmeter großes Wohngebiet mit etwa sechs einzelnen Häusern und zwei Doppelhäusern. Die Erschließung würde über die Gorfeldstraße – heute nur ein Wirtschaftsweg – erfolgen, die bis zur Zufahrt zum Kunstrasenplatz ausgebaut werden würde.

Das Problem: Das neue Wohngebiet durchschneidet künftig den Weg zwischen Umkleidegebäude und Sportplatz. Damit die Kicker auf dem Weg zur Dusche nicht durch die künftigen Vorgärten laufen müssen, ist eine Verlegung des Umkleidegebäudes nötig. Darauf verweist der rote Gebäuderiegel im Süden der Planskizze, gleich unterhalb eines Lärmschutzwalls zum neuen Baugebiet.

Erst Südkirchener Gerätehaus, dann Capelle

Das jetzige Feuerwehr- und Sportumkleidegebäude würde nach dieser Entwurfsidee künftig ausschließlich der Feuerwehr dienen. „Dabei wird die jetzige Fahrzeughalle und ein Teil des niedrigeren Gebäudeteiles abgebrochen und die Fahrzeughalle in vergrößerter Form neu angebaut“, schreibt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage. Das ist aber nur ein Vorschlag. „Wir werden jetzt mit der Feuerwehr über die Frage der Modernisierung des Feuerwehrgerätehauses an dieser Stelle oder einen Neubau an anderer Stelle im Ort sprechen“, sagt Bauamstleiter Klaas wenige Tage nach der Sitzung. „Erst einmal ist aber das Feuerwehrgerätehaus in Südkirchen vorrangig weiter zu bearbeiten.“

Es gibt zwei Gründe, warum Politik und Verwaltung favorisieren, dass der Tennenplatz, also der Aschenplatz, Kunstrasenplatz werden sollte:

1. Der Unterbau dieses Platzes ist im Unterschied zum Naturrasenfeld DIN-gerecht aufgebaut, wie Klaas betonte. Das erlaube eine kostengünstigere Herstellung des Kunstrasenfeldes.

2. Der Aschenplatz liegt tiefer als der Rasenplatz. Aktive Schallschutzmaßnahmen sind in diesem Fall wegen des Höhenversatzes im Gelände und des größeren Abstandes zur Wohnbebauung nicht nötig.

Den jetzigen Tennen- oder Ascheplatz favorisiert die Gemeindeverwaltung als Fläche, wo zukünftig der Kunstrasenplatz entstehen soll.
Den jetzigen Tennen- oder Ascheplatz favorisiert die Gemeindeverwaltung als Fläche, wo zukünftig der Kunstrasenplatz entstehen soll. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Die Verwaltung rechnet mit 650.000 Euro für den Kunstrasenplatz mit Beleuchtung und 700.000 Euro für die neue Umkleide. Der Umbau und die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses schlagen mit 1,2 Millionen Euro zu Buche: unterm Strich 3,6 Millionen Euro. Der Verkauf der Baugrundstücke könnte 1,2 Millionen Euro Erlöse erzielen.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.