Wohnhaus in Nordkirchen abgerissen: Fläche bereit für neues Wohnprojekt

mlzWohnprojekt „Mittendrin“

Auf dem Grundstück, auf dem das inklusive Wohnquartier „Mittendrin“ entstehen soll, ist das ehemalige Wohnhaus abgerissen worden. Das stößt nicht nur auf Verständnis.

Nordkirchen

, 01.10.2020, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gelände Am Gorbach ist eingezäunt und die Planierraupe ruht schon wieder. In den vergangenen Tagen hat das inklusive Wohnprojekt „Mittendrin“ auf dem Grundstück gegenüber der Gesamtschul-Sporthalle einen ersten sichtbaren Schritt gemacht. Auf dem rund 9500 Quadratmeter großen Grundstück ist das aus den 1960er-Jahren stammende Wohnhaus verschwunden.

Der Abriss ist nicht kritiklos vonstatten gegangen. In den Sozialen Medien haben die Grünen in Nordkirchen ihr Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht. „Auf den ersten Plänen davon sollte das Haus einen Mittelpunkt [des neuen Wohnquartiers, Anm. d. Red.] bilden“, schreiben die Grünen. Offensichtlich sei der Plan geändert und das Wohnhaus zum Abriss freigegeben worden, heißt es unter dem Instagram-Post weiter.

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Da ist er schon wieder: Der Abrissbagger. Diesmal zerlegt er ein Wohnhaus am Gorbach, Randlage Nordkirchen. In Kürze soll hier ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt entstehen. Auf den ersten Plänen davon, sollte das Haus einen Mittelpunkt bilden. Offensichtlich wurde der Plan geändert und das Haus zum Abriss freigegeben. Warum ist das interessant? Beachtenswert war das Haus selbst, das nur wenige wahrgenommen hatten, da es über die Jahre auf einem großen Grundstück hinter dichtem Grün verborgen lag. Der Bauherr hatte es dort in den 60 er Jahren von einem Freund, den er aus der Kriegsgefangenschaft in den USA kannte, erbauen lassen. Es war ein elegantes zurückhaltendes Haus im Stil der Moderne. Der Architekt war Harald Deilmann. Am 30.8.1920 geboren, wäre er vor wenigen Wochen 100 Jahre alt geworden. Als er 2008 in Münster starb hinterließ er ein umfassendes Schaffenswerk mit vielen geliebten und umstrittenen Bauten. Zahlreiche davon sind heute Baudenkmale, wie z.B. das Stadttheater in Münster. Er war eine Persönlichkeit der Nachkriegszeit und arbeitete mit zahlreichen namhaften Künstlern zusammen. Sein Rheinturm wurde zum Wahrzeichen der Stadt Düsseldorf. In Nordkirchen ist sein Werk nun verschwunden. Das BAUKUNSTARCHIV NRW widmet ihm demnächst eine Ausstellung: Harald Deilmann- Lebendige Architektur, 22. Januar 2021 - 11.April.2021 #baukunst #baukultur #baukulturnrw #baukunstarchivnrw #haralddeilmann #nordkirchen

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Leicht gefallen sei die Entscheidung, das Haus abzureißen nicht, macht Architekt Lothar Steinhoff im Gespräch mit der Redaktion deutlich. Das bestätigt auch der Nordkirchener Frank Austrup, der das Grundstück gemeinsam mit einem Partner gekauft hat, um hier das inklusive Wohnquartier „Mittendrin“ zu realisieren.

In den ersten Plänen war das Wohnhaus genau im Zentrum des Quartiers vorgesehen gewesen. Die hauptsächlich kubischen Wohngebäude waren in zwei Reihen drumherum angelegt. So wäre es auch Steinhoffs Wunsch gewesen. Denn dass das Haus durch seine ungewöhnliche Architektur Seltenheitswert hat, sei einer der Gründe gewesen, das Haus eigentlich bewahren zu wollen.

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Allerdings habe eine genaue Prüfung des Gebäudes ergeben, dass eine komplette Sanierung nötig wäre, um das Gebäude energetisch und auch technisch auf einen modernen Stand zu bringen. „Ich hing schon an dem Haus, aber das war am Ende nicht wirtschaftlich und nicht tragbar“, macht der Architekt deutlich.

Die Besonderheit an dem Haus, das der 2008 verstorbene Architekt Harald Deilmann entworfen hatte, sei die amerikanische Bauweise „unten Beton, oben Holz“ gewesen, wie Steinhoff erklärt. Deilmann hat unter anderem den Rheinturm in Düsseldorf und das Konzerthaus in Bochum entworfen.

Das Haus ist inzwischen Geschichte

Das Haus ist inzwischen Geschichte © Sabine Geschwinder

Nach dem Abriss sei das Grundstück jetzt hergerichtet, sagt Lothar Steinhoff. Die nächsten Schritte bestehen jetzt allerdings erst einmal aus viel Planung, denn ein einfaches Projekt ist das Quartier „Mittendrin“ nicht, das ein Mix aus Mehrgenerationen-Wohnen und betreutem Wohnraum für junge Menschen mit Behinderung werden soll.

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Wohnprojekt "Mittendrin" in Nordkirchen

Zurzeit führe Austrup Absprachen mit möglichen Partnern für das betreute Wohnen. Einen Namen, mit wem Gespräche laufen, nennt der 53-Jährige noch nicht, allerdings befinde er sich mit einer Einrichtung in fortgeschrittenen Gesprächen. Dann gelte es, sich mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) abzustimmen und die Gebäudeplanung an die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung anzupassen. „Das ist eine Mammutaufgabe“, fasst es Austrup zusammen.

Mit keinem Ton klingt dabei durch, dass der Nordkirchener die Idee des Wohnprojekts „Mittendrin“ für nicht umsetzbar hält. Allerdings ist ihm bewusst, dass es sich nicht mal eben umsetzen lässt.

Ziel ist ein Baustart in der zweiten Jahreshälfte 2021

Die weitere architektonische Planung für das Quartier sehe jetzt so aus, dass der Bebauungsplan jetzt vorbereitet wird, damit die Politik in der nächsten Ausschussrunde Ende dieses Jahres darüber abstimmen kann, erklärt Lothar Steinhoff. Anschließend würden die Pläne vier Wochen lang öffentlich ausliegen. Wenn dann keine grundlegenden Widersprüche von öffentlichen oder privaten Seiten eingingen, „kann es eigentlich losgehen“, sagt Steinhoff.

Ziel sei ein Baustart in der zweiten Jahreshälfte 2021. Klar sei allerdings auch, dass durch die komplizierte Planung der Baustart auch weiter nach hinten rutschen könnte.

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