Wie es sich in dem provisorischen Containerblock und mit dem vielen Lernen für das FHF Studium leben lässt, berichtet der frisch gebackene Student Dennis Tölle.

von Mona Wellershoff

Nordkirchen

, 21.01.2019, 11:52 Uhr / Lesedauer: 4 min

Mächtig und wunderschön ragt das Schloss Nordkirchen aus der Mitte der weitläufigen, prächtigen Schlossanlage empor. Ein Gebäude, wie es im Märchenbuch stehen könnte. Es gibt ein exquisites Restaurant, prunkvolle Hochzeiten werden hier gefeiert, der Schlossturm beinhaltet eine Kegelbahn und kann für Feste gemietet werden.

Studenten im Schloss

Es gibt allerdings etwas, was dieses Schloss außergewöhnlich macht – es wimmelt auf dem Gelände nur so von Studierenden, denn seit dem Jahr 1950 beherbergen die alten Schlossmauern nicht nur alle möglichen Festlichkeiten, sondern auch den Hauptsitz der Fachhochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen. Und seit September 2018 studiert auch Dennis Tölle hier. Der 18-Jährige kommt ursprünglich aus Dortmund und erlaubt unserer Redaktion einen Einblick in das Leben als Student in Nordkirchen.

Fürs Erste wird nicht im Schloss studiert

Anstatt in die Schlossanlage selbst, oder den Wohn- und Lehrkomplex „Sundern“ führt Dennis Weg schnurstracks an der Anlage vorbei und auf die mobilen Wohneinheiten (kurz Container) zu, die 2017 als zusätzliche Wohnanlage gebaut wurden. Wer in das Wohn- und Lehrgebäude und wer in die Container zieht, das sei per Los entschieden worden. Im weiteren Verlauf des dualen Studiengangs hätte man dann auch die Chance, im Schloss zu wohnen, dessen kleinere Räume in den oberen Etagen als Wohn- und Studierzimmer genutzt werden.

Dennis hat alle seine Vorlesungen in dem Komplex „Sundern“. Nur die erste Klausur hat er im Schloss selbst geschrieben. „Da drin sieht es schon echt schön aus mit den tollen Gemälden und Bildern an den Wänden“, erinnert der Student sich, aber auch mit seiner jetzigen Wohnsituation scheint der 18-Jährige gar nicht so unglücklich zu sein, trotz der ungewöhnlichen Umstände.

Zwischen Schlossanlage und Container – Student gibt Einblicke in das Leben an der FHF

In einem dieser Container wohnt Dennis. © Mona Wellershoff

Das Leben in den Containern

Sein Weg führt ihn in den ersten Container links, Dennis wohnt auf der unteren von insgesamt zwei Etagen. „Wir leben jeweils mit 40 Leuten in einem Container. Je zehn Mädchen und Jungs oben und unten. Sanitäranlagen teilt man sich zu Zehnt, aber ein eigenes Zimmer hat jeder“, zählt er auf, als er den Schlüssel einmal im Schloss dreht und so in sein eigenes Reich gelangt. „Wir haben drei Container hier, also circa 120 Studierende.“

Vor den Gebilden stehen zahllose Fahrräder, Dennis hingegen läuft allerdings lieber. „Das sind so fünf bis zehn Minuten zu Fuß und die Anlage ist schön, da tut das Laufen ganz gut.“

Die Container seien allerdings nur übergangsweise. Die Finanzämter haben mehr Studierende aufgenommen – und zwar im Vorgriff auf die zu erwartenden Altersabgänge. Man baue allerdings schon einen weiteren Wohnkomplex neben dem „Sundern“-Komplex.

Zwischen Schlossanlage und Container – Student gibt Einblicke in das Leben an der FHF

Hier entsteht ein neuer Wohnkomplex. © Mona Wellershoff

„Wir haben hier selbstverstellbare Heizungen“, zählt der 18-Jährige einen Vorteil gegenüber der größeren Wohnanlage auf, „außerdem mag ich die Atmosphäre hier sehr gerne. Die Leute kommen aus ganz NRW und abends trifft man sich meistens und sitzt einfach noch ein wenig zusammen.“ Von Dortmund aus zu pendeln, wäre für ihn keine Option gewesen. „Von mir Zuhause aus fährt man 45 Minuten. Unterrichtsbeginn ist um 7.30 Uhr morgens. Das ist mir das frühe Aufstehen und die hohen Spritkosten nicht wert. Außerdem bin ich jedes Wochenende Zuhause. Das machen die meisten hier so, denn am Wochenende ist hier eher selten etwas los.“

Das Finanzwesen liegt in der Familie

Der Weg zum Finanzbeamten war für ihn gewissermaßen Familiensache. „Mein Vater ist Steuerberater und meine Mutter war Steuerfachangestellte, es liegt also wohl ein wenig in der Familie. Außerdem ist es eine Ausbildung mit Perspektive und Sicherheit und er ist gut angesehen“, erklärt Dennis seine Wahl. Voraussetzungen in Form eines NCs gab es nicht, allerdings werden gute Mathematik- und Deutschkenntnisse vorausgesetzt.“ Dennis selbst habe Mathe als Leistungskurs gehabt und im Abitur eine zwei plus geschafft, Deutsch sei da etwas verbesserungsfähig gewesen, gibt er lachend zu.

Am 3. September 2018 sei es dann also losgegangen mit der dualen Ausbildung. Die ersten Eindrücke des frisch gebackenen Studenten: „Bis jetzt läuft es ganz gut“, sagt er. „Außerdem kann man am Ende etwas sehr Gutes vorzeigen. Das ist meiner Meinung nach nicht so wie ein Studium, was jeder zweite abbricht.“ Das Ziel: Diplom-Finanzwirt (FH) und eine Anstellung beim Finanzamt. „Das hat zum Teil auch finanzielle Gründe.“ Sonst müssten Bezüge anteilig zurückgezahlt werden. Die Anwärter bekommen eine monatliche Ausbildungsvergütung von 1255 Euro. „Für Verpflegung und Unterkunft müssen wir monatlich nur 150 Euro bezahlen. Das ist wirklich toll!“, findet Dennis.

Zwischen Schlossanlage und Container – Student gibt Einblicke in das Leben an der FHF

Modern und vielversprechend, die neue Mensa ist ein Erfolg. © Mona Wellershoff

Die neue Mensa punktet mit Vielfalt und Qualität

Zu dieser Verpflegung gehört auch die erst kürzlich errichtete neue Mensa, von der der 18-Jährige nur Gutes zu berichten weiß: „Das Essen dort ist gefühlt auf Restaurant-Qualität. Von Fleisch bis hin zu vegetarischen, veganen oder glutenfreien Gerichten ist alles dabei. Das Salatbuffet ist ein Highlight und es gibt drei Mahlzeiten am Tag. Zugegeben, anfangs hat es etwas gedauert, bis alles organisiert und das Personal und die Studenten sich an die neue Mensa gewöhnt haben. Die Schlange ging weit aus dem Gebäude hinaus, aber mittlerweile hat sich das eingerenkt.“

Das Beste am Studium sind für Dennis allerdings die kleinen Kurse - in seinem Fall sind es 28 Leuten. „In der Uni zu sitzen, wäre nichts für mich. Hier ist das fast wie in der Schule und das gefällt mir ganz gut. Außerdem fühlt die Atmosphäre sich so an, wie in diesen typischen amerikanischen Filmen in den Wohnheimen und Studentenverbindungen. Man trifft sich abends zum FIFA spielen, oder geht nach dem Unterricht zusammen essen.“

Die harte Arbeit wird mit Spaß belohnt

Außerdem gebe es auch vielseitige Aktivitäten neben dem Studium. Sport könne man zum Beispiel beim Fußballverein Nordkirchen machen, im Fitnessstudio, oder beim Joggen über die schöne Schlossanlage. Auch zum Feiern kennt der Student ein paar Tipps: „Im ‚Bistro Sundern‘ gibt es einen Partykeller, da gehen viele Studenten hin. Meine Freunde und ich gehen allerdings lieber in die Kneipe ‚Schlossstuben‘. Früher waren wir fast jede Woche dort, jetzt allerdings das letzte Mal vor einem Monat, da es immer mehr zu tun gibt.

Zwischen Schlossanlage und Container – Student gibt Einblicke in das Leben an der FHF

Dennis Tölle vor seinem Studienplatz, dem Schloss Nordkirchen. © Mona Wellershoff

Nach den ersten Klausuren war ich aber mit vier Leuten aus meinem Amt zusammen in Dortmund feiern im ‚Bierkönig‘.“ Denn die ersten Klausuren zurück zu bekommen, sei für ihn ein Grund zum Feiern gewesen: „Da merkt man, dass sich das Lernen gelohnt hat und Erfolg für harte Arbeit zu ernten ist ein schönes Gefühl.“

Das Studium an der FHF
  • Der Studiengang an der FHF umfasst Fachstudien in einem Grund- und Hauptstudium von 21 Monaten Dauer und berufspraktische Studienzeiten von 15 Monaten Dauer.
  • Fachstudien und berufspraktische Studienzeiten bilden eine Einheit. Das Grundstudium beginnt spätestens einen Monat nach Eintritt in den Vorbereitungsdienst und dauert mindestens zwölf Monate. Es kann geteilt werden.
  • Das Hauptstudium dauert mindestens sechs Monate, es kann ebenfalls geteilt werden.

Außerdem habe es zwei Fahrten nach Münster gegeben, organisiert von zwei Stundenten, und auch einen großen Ball zu Nikolaus, vom Studentenparlament. „Die Karten haben zwar stolze 40 Euro gekostet, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es war im Schloss und sehr festlich und alle kamen in Kleidern und Anzügen“, erinnert sich Dennis.

Eine Ausbildung mit vielen Vorteilen

Allgemein würde Dennis die Ausbildung an der Fachhochschule für Finanzen weiterempfehlen. „Man lernt etwas Sinnvolles. Außerdem genießt man dadurch, dass man Beamter ist, gewisse Sicherheiten und ein Einkommen schon während des dualen Studiums.

Man kann dann später im Amt arbeiten, oder als Dozent. Es gibt da ganz viele Möglichkeiten. Aber die duale Ausbildung ist natürlich auch nicht für jeden etwas, da sie sehr viel Theorie hat und man sich viel mit Gesetzesstrukturen beschäftigt. Bis jetzt macht es mir allerdings Spaß.“

Soll der junge Student sein Studium in nur drei Worten beschreiben, sind diese schnell gefunden: „sinnvoll, zeitintensiv, Spaß“.

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