Training auf den Sportanlagen war nicht möglich, also galt es für Hammerwerfer Rik Amann zu improvisieren. © Rik Amann
Rückblick 2020

Mein Sportjahr: Eine Saison zum Abschreiben – und auch das neue Jahr wird nicht normal

Wie haben die Sportler das Jahr 2020 erlebt? Im Rückblick erzählen sie, wie sie die Zeit wahrgenommen haben. Hammerwerfer Rik Amann vom SuS Olfen glaubt, dass dieses Jahr Nachwirkungen zeigen wird.

Nicht nur sportlich gesehen war das Jahr 2020 ein etwas anderes Jahr. Was Anfang Januar niemand wirklich erwartet hatte, wurde dann von Zeit zu Zeit immer deutlicher. Dieses Jahr wird anders.

Die Wintersaison begann zunächst ganz normal. Viele Krafteinheiten und Würfe in der Kälte standen auf dem Programm. Die ersten Wettkämpfe des Jahres gab es mit den NRW-Meisterschaften auch schon im Januar. Doch hätte man mir da gesagt, dass dies auch meine letzten NRW-Meisterschaften in diesem Jahr werden sollten, hätte ich dies vermutlich nicht geglaubt.

Das Jahr 2020 war für mich das zweite Jahr in der Altersklasse U20 und damit das letzte Jahr im Jugendbereich. Eigentlich ist das zweite Jahr in einer Jugendklasse immer das bessere, denn da ist man der ältere Jahrgang und wirft schon ein Jahr mit dem aktuellen Gewicht des Hammers.

Mit großen Erwartungen ins neue Jahr

Dementsprechend erwartungsvoll bin ich diese Saison auch angegangen. Mein letztes Jahr in der Jugend, das muss doch noch mal ein gutes Jahr werden. Mein Training lief auch den ganzen Winter über gut und so konnte ich neben meinem NRW- und Westfalenmeistertitel auch einen guten neunten Platz bei der Jugend-Winterwurf-DM in Neubrandenburg erreichen.

Doch als mein Trainer Franz-Josef Sträter und ich Mitte Februar in Neubrandenburg waren, konnte man aufgrund erster Corona-Fälle in Deutschland schon ahnen, dass dieses Jahr ein wenig anders werden wird.

Einige Wochen später war es dann auch soweit. Noch bevor die Saison so richtig starten konnte, wurden in ganz Deutschland Sportstätten und Sporteinrichtungen geschlossen. Somit konnten wir nicht mehr trainieren und an Wettkämpfe war auch nicht zu denken.

Um sich ein wenig fit halten zu können, war ich das ein oder andere Mal Laufen und konnte mit Medizinbällen auf einem Parkplatz ein paar Würfe absolvieren. Doch in einer Disziplin wie dem Hammerwerfen, in der Technik so wichtig ist, war schnell klar: Diese Saison musste man abschreiben, an große Verbesserungen war nicht mehr zu denken.

Training unter Coronabedingungen

Nach einiger Zeit war dann wieder, wenn auch nur eingeschränkt, ein wenig Training möglich. Mit Abstand in kleinen Gruppen und mit vielen weiteren Hygieneauflagen konnten wir wieder trainieren.

Doch die Zwangspause war spürbar. Die ersten zwei, drei Wochen habe ich ausnahmslos jeden Trainingswurf in das Schutznetz um den Ring gesetzt. Man braucht eben einige Wochen, um wieder einen normalen Rhythmus aufzubauen.

Doch auch in diesem Jahr hat es die Leichtathletik geschafft, einige Wettkämpfe zu organisieren. Natürlich mit Abstand und Hygieneregeln.

So steht für mich am Ende des Jahres eine Bestweite von 53,12 Metern zu Buche. Angesichts dieser Umstände natürlich eine gute Leistung. Wenn man aber weiß, was in einem „normalen“ Jahr möglich gewesen wäre, so betrachtet man dies natürlich immer mit ein bisschen Wehmut.

Auch die Deutschen Meisterschaften dieses Jahr sind zwar nicht ausgefallen, aber doch stark eingeschränkt durchgeführt worden. So haben sich mein Trainer und ich sowie einige andere Athleten gegen eine Teilnahme entschieden. Und das in einem Jahr, in dem unter normalen Bedingungen noch mal ein Finaleinzug und damit ein Platz unter den ersten acht möglich gewesen wäre.

Immerhin der Jahresabschluss ist ein wenig versöhnlich

Ein schöner Abschluss der Jugendklassen war für mich dann noch, dass ich in diesem Jahr trotz der widrigen Umstände zum Kreis-Leichtathleten des Jahres im Kreis Ahaus/Coesfeld wurde. So kann ich das Jahr mit dieser Auszeichnung, einem NRW- und zwei Westfalenmeistertiteln doch noch als erfolgreich betrachten, auch wenn man gerne gezeigt hätte, was möglich gewesen ist.

Mit Blick auf das nächste Jahr kann man sagen, dass auch wenn wieder mehr Wettkämpfe und Meisterschaften möglich sein sollten, es für uns Werfer kein normales Jahr werden wird. Denn das wichtige Kraft- und Techniktraining, welches uns jetzt schon fehlt, ist für den Sommer kaum noch aufzuholen.

Zur Person: Rik Amann ist Hammerwerfer bei der Leichtathletik-Abteilung des SuS Olfen. Der 19-Jährige wurde nach 2018 bereits zum zweiten Mal zum Kreis-Leichtathleten des Jahres ausgezeichnet.

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