Jule Hake berichtet über ihr persönliches Sportjahr 2020. © Patrick Schröer
Rückblick 2020

Mein Sportjahr: Kanutin Jule Hake und die drei Pläne gegen den Corona-Blues

Wie haben die Sportler das Jahr 2020 erlebt? Im Rückblick erzählen sie, wie sie die Zeit wahrgenommen haben. Kanutin Jule Hake erlebte für Corona-Verhältnisse ein fast schon normales Jahr.

Wenn ich den Blick auf andere Sportarten richte, sind wir Kanuten eigentlich ganz gut durch das Sportjahr gekommen. Klar, die Corona-Pandemie ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen, aber verglichen mit anderen Sportarten sind wir noch glimpflich davongekommen, denke ich.

Bei uns ist das Jahr relativ normal abgelaufen. Wir konnten die meiste Zeit durchtrainieren und mussten maximal ein paar Tage pausieren. Das liegt sicher auch daran, dass der Deutsche Kanu-Verband (DKV) frühzeitig reagiert und Maßnahmen getroffen hat. Im Prinzip hatte der DKV recht schnell gleich drei Pläne in der Schublade.

Normale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele

Plan A war eine normale Saisonvorbereitung und der Plan, im Sommer zu den Olympischen Spielen nach Tokio zu fahren. Dann kam aber Corona und darauf auch recht schnell der Lockdown. Der Verband hat es uns Kanuten aber ermöglicht, noch nach Kienbaum bei Berlin zu fahren, um uns dort weiter vorzubereiten.

Hier greift Plan B. Internationale Meisterschaften waren kaum noch möglich. Aber der DKV hat darauf reagiert, indem er interne Wettkämpfe durchgeführt hat. So konnten wir zumindest etwas Wettkampferfahrung sammeln.

Plan C war dann die Vorbereitung auf den schlimmsten Fall. In diesem hätten wir lediglich Trainingswettkämpfe durchführen können. Ich bin froh und denke, dass alle Kanuten von Glück reden können, dass dieser Fall ausgeblieben ist.

Es hätte schlimmer kommen können

Man sieht also: Die Coronakrise und der Lockdown hätten uns durchaus härter treffen können. Ein Stückweit haben wir da auch Glück, weil wir als Outdoor-Sportler weniger betroffen sind, als zum Beispiel die Athleten, die ausschließlich in der Halle unterwegs sind.

Na klar, auch bei uns Kanuten gab es einige Athleten, die sich mehr erhofft hatten. Ein paar Sportler hatten auch Motivationsprobleme – vor allem bei denjenigen, die etwas älter sind. Für sie hätte Olympia ein würdiger Abschluss sein können. Der fällt jetzt weg oder man muss sich eben noch ein weiteres, langes Jahr für den Kanusport quälen.

Im Prinzip war das schon relativ früh absehbar. Im Frühjahr waren wir im Trainingslager in Portugal. Wie waren etwa eine Woche da, dann wurde der Lockdown bekanntgegeben. Mit einem der letzten Flüge sind wir dann zurück nach Deutschland gekommen. Da dachten wir uns schon, dass nichts stattfinden würde und es wurde dann ja auch alles nach und nach abgesagt.

Mit Optimus Richtung Olympia

Da können wir froh sein, dass wir uns zumindest intern messen konnten. Allerdings fehlt der internationale Vergleich natürlich auch. Es ist schwierig einzuschätzen, wo wir stehen. Aber da geht es uns nicht anders, als den anderen Nationen. Von daher sind wir auf dem gleichen Level.

Jetzt gehe ich aber optimistisch ins neue Jahr. Ich versuche, so viel und so gut wie möglich zu trainieren, auch wenn das vielleicht nicht in jeder Einheit funktioniert. Aber ich versuche mit dem Kopf bei der Sache zu sein und immer mein Ziel vor Augen zu haben: die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Wenn es nicht klappt, wäre ich sehr enttäuscht. Damit es aber doch gelingt, werde ich alles dafür geben.

Zur Person: Kanutin Jule Hake startet für den KSC Lünen. Die 21-jährige Olfenerin will sich für die auf 2021 Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren.

Protokoll: Matthias Henkel

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