Womit darf auf der Brust geworben werden? Nicht alles ist erlaubt.
Fußball

Trikotsponsoring im Amateurfußball: Was erlaubt ist – und was verboten ist

Dass Fußballspieler auf ihren Trikots Werbung für Firmen und Unternehmen machen, ist längst normal - auch im Amateurbereich. Bei den Klubs aus der Region geht es aber nicht um Millionengeschäfte.

Die Bank aus dem Ort, die Apotheke um die Ecke und das Unternehmen aus der benachbarten Stadt – auf den Trikots der westfälischen Amateurfußballer bekommen die verschiedensten Sponsoren eine Plattform. Es geht um Sichtbarkeit, um Werbung, um neue Kunden, die akquiriert werden sollen. Doch im Gegensatz zu den Profivereinen, die mit großen Firmen wie Red Bull, Telekom und Postbank auflaufen und viel Geld damit einnehmen, geht es in der Bezirks- oder Kreisliga eine ganze Nummer kleiner und persönlicher zu.

Die Amateurfußballvereine in der Region gehen bei dem Thema Trikotwerbung ganz unterschiedliche Wege. Bei den Senioren des SuS Olfen gibt es beispielsweise insgesamt vier Hauptsponsoren. Die erste Mannschaft kooperiert schon seit etlichen Jahren mit der Volksbank Lüdinghausen-Olfen und die zweite und dritte Mannschaft haben sich für die „Provinzial Versicherung André Brüse“ entschieden.

Und das soll in Zukunft auch erst einmal so bleiben, weiß Vorstandsmitglied Andreas Huelk. „Solange da alles in Ordnung ist und man mit dem Sponsor gut fährt, denken wir auch nicht über einen Wechsel nach.“ Die Damen haben dieses Jahr mit Pinky Gloves, einer Olfener Firma, die Hygienehandschuhe für Tampons herstellt, einen neuen Hauptsponsor gefunden.

Vereine gehen verschiedene Wege

Bei Eintracht Werne und Westfalia Wethmar geht man einen anderen Weg und setzt auf mehrere Sponsoren gleichzeitig. Meist haben die Mannschaften dann zwei bis drei Trikotsätze, die abhängig vom Spielort zum Einsatz kommen, sodass jeder Werbende auch den entsprechenden Effekt hat. Bei Heimspielen sind beispielsweise Werner oder Lüner Firmen auf den T-Shirts zu sehen, wenn in Hamm gespielt wird, ein dort ansässiges Unternehmen.

Gewechselt werden in Wethmar die Trikotsätze meist nach zwei bis drei Jahren und damit auch der Sponsor. „Man will ja auch mit der Zeit gehen“, erklärt Heinz-Werner Krause, Vorsitzender des Fußballvorstandes. Wie schwer und wie einfach das neue Anwerben ist, hängt auch von der Liga ab. Denn in der Landesliga gebe es nun mal eine höhere Sichtbarkeit als in der Kreisliga. Und damit auch einen erhöhten Werbeeffekt.

Wer in Westfalen der Vorreiter in Sachen Trikotwerbung ist, lässt sich aber nicht in Zahlen ausdrücken. Rein von der Beobachtung der Anträge, die beim Verband eingehen, seien es aber die üblichen Verdächtigen, also lokale Sponsoren, erklärt FLVW-Mitarbeiter Christian Schubert. Für Andreas Huelk sind dabei besonders Banken und Versicherungen ganz weit vorne, wenn er sich neben der eigenen Trikotwerbung auch die der Gastmannschaften des SuS Olfen anschaut.

Persönliche Beziehung enorm wichtig

Vor allem der Bezug zu den jeweiligen Firmen und Unternehmen spielt für die Verantwortlichen in der Region eine große Rolle. „Es geht immer um persönliche Beziehungen. Wenn man sich schon länger kennt, ist die Aussicht auf Erfolg und einen mehrjährigen Werbevertrag viel größer“, erklärt Harald Wohlfahrt, Vorsitzender bei Eintracht Werne. Man wolle deswegen auch mit Menschen aus Werne und Umgebung zusammenarbeiten und sich mit den Sponsoren identifizieren können, fügt Geschäftsführer Sascha Hillmer hinzu.

Auch beim SuS Olfen setzt man auf den engen Bezug zu den Trikotwerbenden, die beispielsweise selbst Mitglied im Verein sind oder lange im Vorstand tätig waren. „Das sind einfach kurze Wege, weil man sich kennt und niemand Fremdes zu sich holt“, erklärt Andreas Huelk.

Grundsätzlich machen die Vereine selbst den ersten Schritt, wenn es um neue Trikotsponsoren geht. Hinzu kommt aber auch die Unterstützung der Eltern oder Trainer, die oftmals guten Kontakt zu Firmen oder Unternehmen haben, sodass dort am Ende ebenfalls Sponsoring entsteht. Ein wirkliches Plus in der Kasse, wie beispielsweise bei den Bundesliga-Klubs, haben die Amateurfußballvereine in der Region durch ihre Trikotwerbung aber nicht zu verzeichnen.

Zwar nimmt das Sponsoring einen großen Teil der Einnahmen ein, jedoch werden die Gelder oftmals direkt für das neue Equipment der Spieler ausgegeben. „Wir profitieren nicht zusätzlich davon“, betont etwa Heinz-Werner Krause von Westfalia Wethmar. Vielmehr geht es darum, Kosten abzudecken.

Klare Vorgaben durch Verband und DFB

Egal welche Trikotwerbung auf die T-Shirts der Spieler in Werne, Wethmar und Olfen gedruckt wird, vorher muss der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) einen Blick darauf werfen. Bis zum 15. September haben die Verantwortlichen der Vereine jedes Jahr Zeit, ihre Anfragen zur Genehmigung vorzulegen. Dann wird geprüft, ob gegen die „Durchführungsbestimmungen“ verstoßen wird oder nicht.

Dieses Regelwerk beinhaltet neben Größenangaben für die Werbung auch klare inhaltliche Vorgaben. Im Allgemeinen dürfen die Vereine nicht gegen die „im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral verstoßen“, heißt es in dem Papier. Verboten ist außerdem die Werbung für Tabakwaren, starke – bei Jugendmannschaften jegliche – Alkoholika sowie Werbung für politische Gruppierungen und mit politischer Aussage.

In den Durchführungsbestimmungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird noch ein weiterer Punkt aufgemacht: das Verbot von Werbung für Glücksspiel und Sportwetten in der Jugend. Für den Seniorenbereich gibt es keine klaren Richtlinien.

Die Realität zeigt aber, dass es im Amateurfußball nicht gerne gesehen wird, wenn auf den Trikots beispielsweise mit „Tipico“, einem privaten Sportwettenanbieter, geworben wird. Bei den Profis sieht das ganz anders aus. Von den 56 Klubs der oberen drei deutschen Ligen werben bis auf wenige Ausnahmen alle für einen Glücksspielanbieter, heißt es in einem Artikel der Tageschau aus dem Jahr 2019.

Geduldet durch rechtliche Grauzone

Vereine wie der BVB oder FC Bayern München verdienen extrem an solchen Verträgen. Eine Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmen Nielsen Sports zeigt, dass diese Saison die Klubs aus der Bundesliga, der Premier League (England), der Ligue 1 (Frankreich), der Serie A (Italien), der Primera Divison (Spanien) und der Eredivise (Niederlande) ganze 1,449 Milliarden Euro für Werbung auf ihrer Spielkleidung einnehmen.

Vor dem Gesetz wird die Werbung für Sportwettenanbieter aber nur geduldet, weil es sich um eine rechtliche Grauzone handelt. Angebote wie staatliche Spielbanken und Lotterien sowie Spielautomaten besitzen eine Glücksspiel-Genehmigung und sind damit legal. Fast alle Angebote für Sportwetten sind jedoch illegal, werden aber geduldet, heißt es in einem Artikel von „Deutschlandfunk-Kultur“ aus dem Jahr 2019. Durch die Werbung auf der Spielerkleidung beispielsweise im Fußball wird das Glücksspiel somit auch öffentlich stark beworben. Das steht vor allem in Bezug auf Spielsucht stark in der Kritik.

Nicht immer kommerzielle Werbung

Eintracht Werne wollte vergangenes Jahr mit von der Partie sein. Die erste Mannschaft hatte sich selbst ein Satz Trikots mit der Aufschrift „Tipico“ besorgt, leider ohne Absprache mit dem Vorstand, erklärt Heinz-Werner Krause. Der positioniere sich klar gegen die Werbung von Sportwettenanbietern. Im kommenden Jahr werde aller Voraussicht nach nicht mehr mit diesen T-Shirts gespielt.

Dass es am Ende nicht immer eine kommerzielle Trikotwerbung sein muss, zeigt die Jugend des SuS Olfen. Die Spieler werben weder für eine Firma noch für ein Unternehmen. Seit 1988 gibt es nämlich die Kooperation mit SOS Kinderdorf. Damals hatte man beschlossen, auf kommerzielle Werbung zu verzichten und legte somit den Grundstein für die bis heute geltende Partnerschaft.

Mit dieser Entscheidung und dem Slogan „Wir werben für SOS Kinderdorf“ geht aber auch die Schwierigkeit seitens der Finanzierung einher. Verschiedene Firmen unterstützen deswegen die Jugendlichen des SuS Olfen in anderer Sache, sponsern etwa Trainingsanzüge, Sweatshirts oder Taschen, erklärt Vorstandsmitglied Andreas Huelk.

Einen ähnlichen Weg ist man auch schon bei Westfalia Wethmar gegangen. Seit etwa zehn Jahren gibt es im Verein den Slogan „Wir sind TuS“, der es bis auf die Trikotsätze geschafft hat. Diese werden vom Förderverein gesponsert, denn manche Förderer geben nur eine Geldspende. Ganz ohne eine Forderung auf Gegenleistung in Form von Werbung auf dem Trikot, erklärt der Vorsitzende der Fußballabteilung.

Verluste durch das Coronavirus

Das Coronavirus und die aktuellen Einschränkungen im Amateurfußball haben auch Einfluss auf die Trikotwerbung. Eintracht Werne hatte beispielsweise zwei Gastronomen als Sponsor angeworben. Durch die Schließungen und den damit verbundenen Umsatzeinbußen können sie die laufenden Verträge aber nicht mehr einhalten.

„Solche Sponsoren sind dann einfach weg. Wir können ihnen ja auch schlecht etwas in Rechnung stellen, da sie ja keinen Werbeeffekt mehr haben“, erklärt Harald Wohlfahrt. Die dementsprechenden Verluste muss der Verein dann kompensieren. Beim SuS Olfen hatte man Glück, da dort bisher kein Partner seinen Rückzug angekündigt hat.

Neben der aktuellen Lage können auch andere Faktoren die Trikotwerbung und die damit verbundenen Gelder im Amateurfußball negativ beeinflussen. Wohlfahrt führt beispielsweise den Geschäftsführer-Wechsel in einer Firma an, mit der man einen Sponsorenvertrag abgeschlossen hat. „Wenn man von auswärts kommt und keinen Bezug zu Werne hat, wird die Trikotwerbung vielleicht gekündigt.“ Grundsätzlich beobachten die Verantwortlichen, dass es immer schwieriger wird, die passenden Sponsoren anzuwerben – etwa durch Firmenkonzentrationen, die Preissteigerung der Trikotsätze oder aber die Vergrößerung der einzelnen Kader.

Ständig auf der Suche

Eintracht Werne habe jedes Jahr Abgänge von Firmen zu verzeichnen, die entweder Werbung auf den Trikots geschaltet oder anderweitig Spielerkleidung gesponsert haben. „Manche kommen und manche gehen eben. Es muss sich aber die Waage halten“, betont Harald Wohlfahrt. Wie oft genau die Sponsoren sowohl in Werne als auch in Wethmar wechseln, lasse sich pauschal nicht sagen, so die Verantwortlichen. Auch der FLVW führt keine Statistik über die Anzahl der jährlichen Anfragen seitens der Fußballklubs in Westfalen.

Die Verantwortlichen bei Eintracht Werne sind aber ständig auf der Suche nach neuen Sponsoren für die Spielerkleidung. „Damit darf man nie aufhören. Am Ende freuen wir uns über jeden Euro, den wir zur Verfügung gestellt bekommen, von Privatpersonen oder Geschäftspartnern“, so Wohlfahrt.

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