Michael Nachtigall steht nicht mehr an der Seitenlinie von Westfalia Vinnum. © Sebastian Reith
Meinung

Überraschende Reaktion nach Nachtigall-Entlassung – jetzt ist das Team gefordert

Sportlich hatte Michael Nachtigall bei der Trennung von A-Ligist Westfalia Vinnum kaum noch Argumente auf seiner Seite. Nachdem der Trainer weg ist, muss nun das Team liefern, meint unser Autor.

Wenn sich Vereine im Amateurfußball von ihren Trainern trennen, erfolgt das fast immer „einvernehmlich“ – so lautet meist die Formulierung, die die Klubs in ihren Mitteilungen benutzen. Längst nicht immer laufen Trennungen ab, wie es der Anschein dieser Floskel hat.

Im Fall von A-Ligist Westfalia Vinnum scheint das aber anders zu sein. Sowohl der Sportliche Leiter Patrick Roser, als auch der entlassene Trainer Michael Nachtigall bedauerten die Entscheidung – das ist nicht unbedingt selbstverständlich.

Aber beide Parteien verloren kein schlechtes Wort über den anderen. Roser sprach davon, dass es „menschlich nicht schön sei und wehtue“, Nachtigall ebenfalls davon, dass die Trennung schmerzhaft gewesen sei, weil er eben „gerne hier gearbeitet“ habe. Eine schmerzhafte Trennung, ohne böse Worte also.

Michael Nachtigall bedankt sich bei Westfalia Vinnum

Die Mannschaft schloss sich den Worten vom Roser inhaltlich an. Aus ihr war zu hören, dass sie ebenfalls gerne die Zusammenarbeit fortgesetzt hätte und von der Entscheidung überrascht war. Bei der Mannschaft und auch der Reserve, die zuletzt immer wieder mit Spielern ausgeholfen hatte, bedankte sich Nachtigall – auch hier hinterlässt der Trainer einen guten Eindruck.

Sportlich hatte Nachtigall allerdings nur noch wenig Argumente auf seiner Seite. Die zuletzt fünf Liga-Niederlagen und der Absturz auf den vorletzten Platz der Tabelle schwächten die Position des Trainers – zumal perspektivisch ohnehin angedacht war Veränderungen in der ersten Mannschaften vorzunehmen, auch auf der Trainerposition. Nachtigall zeigte Verständnis dafür.

Patrick Roser nimmt die Mannschaft in die Pflicht

Roser nahm nach der Entlassung die Mannschaft in die Pflicht, es gäbe „keine Ausreden“ mehr. Neue Spieler kurzfristig zu verpflichten, ist nicht möglich, deswegen setzte die sportliche Leitung hier den einzigen, wenn auch schmerzhaften Hebel an, den sie hat. Immerhin hat der Verein jetzt durch die Liga-Unterbrechung ausreichend Zeit, die Nachfolge zu klären. Dennoch ist nun die Mannschaft gefordert, den Schlamassel der letzten Spiele zu korrigieren.

Am Ende sagte Nachtigall noch, dass er, sobald wieder gespielt werde, als Zuschauer zu Westfalia Vinnum zurückkehren zu wollen. Das zeugt von einem weiterhin intakten Verhältnis zwischen Klub und Ex-Trainer. Die „einvernehmliche“ Trennung zwischen Michael Nachtigall und Westfalia Vinnum ist wohl mehr als nur eine gebräuchliche Floskel.

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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