150 Jahre: Der Olfener Kirchenchor feiert dieses Jahr einen besonderen Geburtstag

mlzKirchenchor Olfen

150 Jahre: So alt wird der Olfener Kirchenchor in diesem Jahr. Die Sängerinnen und Sänger feiern das mit einem Jubiläumsgottesdienst - und blicken zurück auf eine vielfältige Geschichte.

Olfen

, 13.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Das Jahr 1869: Nach zehn Jahren Bauzeit wird der Suezkanal mit Wasser befüllt und eingeweiht, in Eisenach legen August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Grundstein zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, aus der später die SPD hervorgeht, und in Brasilien kommt einer der ersten Comics der Welt auf den Markt. Auch in der kleinen Stadt Olfen an der Stever wird in diesem Jahr Geschichte geschrieben. 1869 - vor genau 150 Jahren - gründet sich der Kirchenchor der Gemeinde St. Vitus.

150 Jahre: Der Olfener Kirchenchor feiert dieses Jahr einen besonderen Geburtstag

Das erste Foto des Olfener Kirchenchores St. Vitus stammt aus dem Gründungsjahr 1869. © Kirchenchor/ Bearbeitung Reinkober

Damals, das fällt gleich auf, wenn man einen Blick auf das erste Foto des Chores wirft, bestand der Kirchenchor noch ausschließlich aus Männern. Beziehungsweise Jungen. In feinen Anzügen stehen und sitzen die Sänger stramm gestaffelt vor der Kirche: 32 sind es, alle gekleidet mit hohem Kragen und Schlips, viele mit damals modischem Scheitel und Schnurrbart.

In 150 Jahren Chorgeschichte hat sich viel geändert

Seitdem dieses Foto vor 150 Jahren entstanden ist, hat sich viel getan. Das erzählen Walburga Borrmann, Mechthild Breuer und Margret Reinkober, während sie gut gelaunt an einem Tisch voller Fotos, Dokumente und anderer Erinnerungsstücke an 150 Jahre Geschichte sitzen. Die drei sind aktuell Sängerinnen im Chor und bereiten gemeinsam mit anderen aus dem Team die Feier zum Jubiläum vor. Man sieht: Mittlerweile spielen Frauen eine große Rolle in dem Chor.

„Das ist seit dem Ende des Ersten Weltkrieges so“, erklärt Walburga Borrmann, die die Chronik des Chores, die zum 125. Bestehen herausgegeben wurde, gut kennt. Darin heißt es als Erklärung für die Aufnahme von Frauen: „Der Erste Weltkrieg ließ den Chor nach und nach zu einem kleinen Häuflein zusammenschmelzen. (...) Der Versuch, die Qualität der gesanglichen Darbietung durch die Hereinnahme von Knabenstimmen zu sichern, schlug fehl, da es sich sehr bald als unmöglich erwies, die Knaben außerhalb der Schulzeit zu einem pünktlichen und vollzähligen Erscheinen an den Übungsstunden zu veranlassen. Um dennoch den Fortbestand des Chores sichern zu können, entschied man sich nunmehr unmittelbar nach dem Ende des Krieges, den bisherigen Männerchor zu einem gemischten Chor mit Frauenstimmen zu erweitern.“

150 Jahre: Der Olfener Kirchenchor feiert dieses Jahr einen besonderen Geburtstag

Das erste Foto aus dem Archiv des Kirchenchores, auf dem auch singenden Frauen zu sehen sind. © Kirchenchor / Bildbearbeitung Reinkober

Das geschah sehr zur Freude der Frauen, wie Ludwig Pago und Eduard Krursel, die die Chronik verfasst haben, beschreiben: Sofort fanden sich weibliche Stimmen, um den Chor zu bereichern. „Ein Foto von dieser Zeit haben wir leider nicht“, sagt Margret Reinkober, die auch Vorsitzende des Chores ist, bedauernd. Das erste Foto mit Sängerinnen darauf stammt aus dem Jahr 1952.

Inzwischen mehr Sängerinnen als Sänger im Chor St. Vitus

Jeweils etwa in gleicher Anzahl stehen da Sängerinnen und Sänger mit ihren Noten im Altarbereich der Kirche. Das Verhältnis der Geschlechter hat sich seitdem deutlich gewandelt. „Schauen Sie sich auf diesem Foto doch mal die Anzahl der langen grünen Schals und die der grünen Krawatten an“, sagt Walburga Borrmann mit einem Blick auf das aktuelle Bild des Chores, das auch die Einladung zur Jubiläumsveranstaltung am Sonntag, 14. Juli, ziert. Frauen (oder lange grüne Schals) sind da klar in der Überzahl.

150 Jahre: Der Olfener Kirchenchor feiert dieses Jahr einen besonderen Geburtstag

Das aktuelle Bild vom Kirchenchor ziert auch die Einladung zur Jubiläumsveranstaltung. © Kirchenchor / Reinkober

„Jeder Chor“, so erklärt es Margret Reinkober, „ringt um Männerstimmen.“ So richtig erklären könne sich das keiner. Im Gegensatz zu anderen Chören befinde sich der Olfener Kirchenchor aber ganz und gar nicht in einem Überlebenskampf. 55 aktive Sängerinnen und Sänger gibt es derzeit. Und ganz offensiv arbeiten die Musiker jedes Jahr daran, dass sie Zuwachs bekommen. Vor allem durch die weltlichen Projekte, die es seit rund 25 Jahren gibt. Um den Traum von Frieden und Freiheit ging es zum Beispiel im vergangenen Jahr. Ein paar Jahr vorher war „Lass die Sonne in dein Herz“ das Motto des Projekts.

Projekte sind unverbindlich für die, die mitmachen

Über das hat auch Mechthild Breuer ihren Weg in den Chor gefunden. „Das hat wirklich Spaß gemacht“, sagt sie heute. Bei diesen Projekten ist es immer so, dass alle, die Interesse haben, für die Dauer des Projekts mitmachen können - ohne dass sie sich verbindlich bereit erklären, in den Kirchenchor einzutreten.

Die Chorleiter im Laufe der 150 Jahre Kirchenchor Olfen

  • Erster Chorleiter des Kirchenchores war der Küster und Organist Johann Pricking.
  • Von 1890 bis 1912 war Wilhelm Köbbing Leiter des Chores. Er war Lehrer der Olfener Knabenoberschule.
  • Bernhard Holtmann war von 1912 bis 1947 Chorleiter. Er war Küster und Heimatdichter in Olfen und - laut Chronik des Chores - jemand, der eine markante Persönlichkeit hatte. „Besonders durch seine plattdeutschen Gedichte und Erzählungen wurde Bernhard Holtmann weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt“, heißt es dort weiter.
  • Von seinem Vater übernahm Wilhelm Holtmann das Amt des Chorleiters 1947. Er leitete den Chor 20 Jahre lang bis 1967.
  • Von 1967 bis 1982 war Helmut Frye Chorleiter des Vitus-Chores.
  • Albert Huesmann leitete den Kirchenchor von 1982 bis 1990.
  • Ihm folgte Uwe Bittersmann von 1991 bis 1993. Nachdem 1993 die Zusammenarbeit mit ihm beendet wurde, sprang Albert Huesmann noch einmal für ein Jahr ein und leitete den Chor 1994 bis 1995.
  • 1995 bis 1998 war dann Christoph Falley Chorleiter.
  • Ihm folgten 1999 Christa Bauer-Zurhofe und ihr Mann Werner Bauer. Das Ehepaar sprang für ein Jahr ein, bevor von 1999 bis 2005 Christine Leicht Chorleiterin wurde.
  • Von 2005 bis 2007 war Alexander Ploß Chroleiter in Olfen.
  • Seit 2007 leitet Thomas Hessel den Kirchenchor. Und das auf eine ganz großartige Weise, wie die drei Sängerinnen Walburga Borrmann, Mechthild Breuer und Margret Reinkober betonen.

Aber: „In der Regel bleiben dann doch zwei, drei vier, fünf. Die erkennen dann, wie viel Freude das macht mit unserem Top-Chorleiter Thomas Hessel“, sagt Margret Reinkober.

Das, so sagt sie auch, gelte auch im Alltagsgeschäft des Chores, zu dem - diese Zahlen hat Walburga Borrmann parat - rund 40 Chorproben im Jahr und 19 bis 20 Auftritte gehören. Höhepunkte sind dabei Jahr für Jahr die festlichen, meist lateinischen Messen zu Ostern. Auftritte an Weihnachten, auf Hochzeiten oder bei Gottesdiensten zu Ehejubiläen gehören aber auch zum Programm eines aktiven Kirchenchors. Probe ist immer montagsabends um 19.30 Uhr im Haus Katharina. Alle, die Interesse haben mitzumachen, seien jederzeit willkommen, sagt Margret Reinkober.

Es geht über das Singen hinaus

Dabei geht es auch nicht ausschließlich um die Musik: „Es ist ja nicht nur das Singen. Es ist ja auch die Gemeinschaft. Der Austausch“, sagt Mechthild Breuer. Auch hier können die drei Sängerinnen auf viele Beispiele in der Geschichte blicken: Immer feiern die Sänger zum Beispiel das Cäcilienfest gemeinsam, es gibt Jahresausflüge, das Krippencafé... Walburga Borrmann könnte die Liste noch unendlich weiter ausführen. In der Vergangenheit, auch davon weiß sie zu berichten, gab es sogar schon mal einen Gottesdienst des Kirchenchores, der im Radio übertragen wurde, zwei Schallplatten sind entstanden und liegen heute als Relikte der Geschichte auf dem Tisch.

Genauso wie die Chronik, die vor 25 Jahren herausgekommen ist. Über das Wirken des Heimatdichters Bernhard Holtmann ist darin zu lesen, der den Chor von 1912 bis 1947 leitete. Oder über Helmut Frye - Leiter von 1967 bis 1982 -, der die Chorarbeit in Olfen nach ein paar ruhigen Jahren wieder vorantrieb. In seine Zeit fällt allerdings auch eine Episode, die in der Chronik deutlich als „Rückschlag“ beschrieben ist. Und die die die Chorlandschaft in Olfen bis heute geprägt hat. Frye trat 1982 nämlich von seinem Amt zurück. „Vorausgegangen war die Bitte des Kirchenchores aus Laer, dem Geburtsort des unvergessenen Chorleiters und Heimatdichters Bernhard Holtmann, am 25. April 1982 im Hochamt gemeinsam mit der Olfener Streichergruppe die Messfeier gestalten zu dürfen. Miteinander befreundete Musikstudenten aus Laer und Olfen hatten einen solchen ,Gastauftritt‘ angeregt. Nach anfänglicher Zustimmung fühlte Herr Frye sich durch den Auftritt eines fremden Chores provoziert“, heißt es in der Chronik. Frye kündigte. Das Nachspiel: Es gründetet sich die Chorgemeinschaft ‘82, deren Chorleiter Frye wurde.

„Durch das Singen wird man irgendwie frei. Selbst wenn man gestresst ist. Man kann seinen Stress einfach wegsingen.“
Margret Reinkober

Warum das Singen im Kirchenchor Spaß macht

Von Turbulenzen wie diesen wissen Mechthild Breuer, Walburga Borrmann und Margret Reinkober aus der jüngeren Vergangenheit nichts zu berichten. Im Gegenteil. Die Sängerinnen betonen, wie viel Spaß die Arbeit in dem Chor macht. „Mir gefällt besonders dieser Nachhall... Wenn ich nach einer Probe oder nach einem Auftritt nach Hause komme, dann singe ich immer noch“, schwärmt Mechthild Breuer. „Denk mal an die Messe an Ostern: Was waren wir da glücklich und froh...“, stimmt Walburga Borrmann mit ein. Margret Reinkober liefert die Erklärung für die Gefühle ihrer Mitsängerinnen. Und wahrscheinlich auch für das langjährige Bestehen des Kirchenchores: „Durch das Singen wird man irgendwie frei. Selbst wenn man gestresst ist. Man kann seinen Stress einfach wegsingen.“

Das ist zur Feier des Jubiläums geplant
Gottesdienst und Empfang

  • Der Kirchenchor St. Vitus feiert seinen runden Geburtstag am Sonntag, 14. Juli, ab 10.30 Uhr mit einem Festhochamt in der Pfarrkirche St. Vitus in Olfen. Eingeladen sind alle Gemeindemitglieder. „Wir stimmen in den Lobgesang für die langjährige Chorgeschichte mit den beliebtesten Liedern unseres Chores ein. Gleichzeitig gedenken wird aller Sängerinnen und Sänger, die uns verbunden waren und sind“, heißt es in der Einladung des Chores zum Jubiläum.
  • Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es einen Empfang im Haus Katharina. Dabei wird der Chor auch noch ein paar weltliche Lieder singen - zum Beispiel „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen. Es werden dabei außerdem einige Bilder aus der Geschichte des Chores gezeigt.
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