50 Fische knabbern die Schuppen von den Füßen

„Fish Lounge“ in Olfen im Test

Daniela Evans betreibt in Olfen die „Fish Lounge“, in der Fische kleine Hautschüppchen von den Füßen knabbern. Ein ungewöhnliches Geschäftsmodell für eine Kleinstadt wie Olfen – doch sie entschied sich bewusst für den Ort.

Olfen

, 23.02.2018, 14:26 Uhr / Lesedauer: 3 min
50 Fische sind in einem Becken. Sie machen sich sofort an die Arbeit, wenn man einen Fuß hinein hält.

50 Fische sind in einem Becken. Sie machen sich sofort an die Arbeit, wenn man einen Fuß hinein hält. © Jürgen Weitzel

Es kitzelt nicht, wenn kleine Fische die Hautschüppchen von den Füßen knabbern. Es ist eher ein kribbeliges Gefühl, wie eine leichte Vibration am Fuß. „Wie warmes Mineralwasser“, beschreibt Daniela Evans das Gefühl.

Sie ist die Inhaberin der „Fish Lounge“ an der Funnenkampstraße. Im November 2017 hat sie das Geschäft eröffnet.

Die Idee mit den Fischen hatte die 39-Jährige aber schon viel früher. 2011 kam sie mit den Garra Rufas, so der Name der kleinen, hautschüppchenfressenden Tieren, in Berührung. Oder besser gesagt, ihre heute zehnjährige Tochter. Durch die Behandlung hatte sich deren Neurodermitis verbessert, wie Daniela Evans sagt. In der Türkei und in Syrien haben die Fische ihren natürlichen Lebensraum. Viele Urlauber kennen die Behandlung mit den Tieren aus ihrem Türkei- oder Asienurlaub. „Dort sind die Becken mit den Fischen manchmal im Hotel oder auch im Supermarkt zu finden“, sagt Evans. Natürlich nicht unter den Hygienebedingungen, die in Deutschland herrschen.

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Zu Besuch in der Olfener Fish Lounge

Fische, die Hautschnuppen anknabbern sind das Konzept der Fish Lounge in Olfen. Wir haben uns das Geschäft angesehen.
23.02.2018
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Die Eingangstür der Fish Lounge© Jürgen Weitzel
Vor der Behandlung ist Füße Waschen angesagt.Die Redakteurin ist noch etwas skeptisch.© Jürgen Weitzel
Die Fische in Aktion. Etwa 50 von ihnen schwimmen in einem Aquarium.© Jürgen Weitzel
Daniela Evans erklärt Sabine Geschwinder wie die Behandlung in der Fish Lounge in Olfen funktioniert.© Jürgen Weitzel
Zwischendurch haben die Fische "Urlaub".© Jürgen Weitzel
Daniela Evans hat den Salon seit November 2017.© Jürgen Weitzel

Wer bei Evans die Füße ins Aquarium stecken möchte, muss auf einem DIN-A4-Formular bestätigen, dass er keine Wunden an den Füßen hat und an keinen Krankheiten wie Fußpilz leidet. Auch kurz zuvor aufgetragener Nagellack ist tabu. Wer den Zettel unterschrieben hat, wäscht und desinfiziert sich anschließend die Füße. Danach erst dürfen die Fische loslegen.

450 Tiere im Geschäft

Kaum ist der Fuß vorsichtig in das Aquarium getaucht, machen sich die etwa zehn Monate alten Fischchen ans Werk. Es sind 50 in jedem Aquarium. Insgesamt besitzt Evans 450 Tiere in ihrem Geschäft.

„Sie arbeiten für mich“, scherzt die 39-Jährige. Gierig fressen die dünnen, bis zu neun Zentimeter langen Tiere die Hautschüppchen von den Füßen und hören auch während der gesamten Behandlung, die zwischen 15 bis 45 Minuten dauert, nicht mehr damit auf. „Sie haben kein natürliches Sättigungsgefühl“, sagt Daniela Evans, die Hautschüppchen seien für die Fische ein Eiweißsnack. Natürlich bekämen sie morgens und abends aber auch richtiges Spezialfutter zu fressen.

Manchen Tierschützern ist die professionelle Arbeit mit den Garra Rufas dennoch ein Dorn im Auge. Daniela Evans kann das nicht verstehen. „Es liegt in ihrer Natur.“

Und pausenlos knabbern, das können ihre Fische ohnehin nicht. Nach der Behandlung bekommen sie eine Pause von mindestens 20 Minuten. Nach einem Monat Arbeit, haben sie eine Woche frei. „Dann werden sie im Rotationsprinzip in den Urlaub geschickt“, sagt Evans. Auf dem „Urlaubsaquarium“ steht das in großen Lettern drauf: „Wir haben Urlaub.“ Der Laden von Daniela Evans ist hell, modern eingerichtet und sehr sauber. Sie muss viel dokumentieren, sagt sie. Alles ist geregelt.

Einen Laden mit den Gaffa Rufas kann nämlich nicht jeder aufmachen. Dazu ist eine Genehmigung des Veterinäramts nötig, das dann auch zu Kontrollen kommen kann.

Kritik von Städten und Tierschützern

Es gab auch schon Gerichte, die sich mit dem Thema beschäftigen mussten. 2014 entschied das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, dass es nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoße, wenn die Betreiberin eines Friseursalons die kosmetische Behandlung mit den kleinen Fischen anbiete. Auch die Stadt Köln unterlag 2015 im Streit mit einem Kosmetikstudio in der Angelegenheit. Seitdem ist es in Nordrhein-Westfalen möglich, die Fische zur kosmetischen Behandlung zu halten. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass das Tierschutzgesetz eingehalten wird. Evans hat eine Genehmigung des Veterinäramtes und ist damit im Kreis Coesfeld ein Unikat. „Das ist der einzige Betrieb dieser Art im Kreis“, bestätigt Christoph Hüsing, Sprecher des Kreises Coesfeld. In größeren Städten wie Köln oder Hamburg gibt es die Läden mit Garra Rufas schon länger. Auch in Wuppertal oder Essen sind solche Läden zu finden. Im ländlichen Raum sind sie eine Rarität. „Ich hatte auch überlegt, ob ich nach Münster oder Dortmund gehe“, sagt Evans. Doch die Wahl der Lüdinghausenerin fiel schließlich auf Olfen.

„Die Mieten sind geringer, als in den Großstädten“, sagt die 39-Jährige. Außerdem: „Olfen ist mir sympathisch und ich finde es schade, wenn die Innenstädte aussterben.“ Ein ungewöhnliches Konzept in einer kleinen Stadt wie Olfen, hat das Zukunft?

Angebot macht neugierig

„Natürlich muss sich das Angebot noch rumsprechen“, sagt Daniela Evans. Während des Olfener Adventsmarktes seien viele neugierig geworden. „Die Neugierde siegt dann meistens“, sagt sie. Sie hatte schon Kunden aus Gelsenkirchen oder Senden. Doch viele Termine im Kalender sind noch frei. Auch an diesem Tag siegt allerdings die Neugier.

Eine Dame, die Flyer verteilen möchte, bleibt stehen und schaut sich an, wie die Fische sich gerade an einem Fuß zu schaffen machen. „Ich hab das auch mal im Urlaub gemacht“, sagt sie. Wenig später kommt eine ältere Dame herein. Sie möchte wissen, ob die Fische auch bei Hüneraugen helfen können. „Ich kann Sie da gerne beraten“, bietet Daniela Evans an. Die Dame will später wieder kommen. „Ich bin für die ersten Monate zufrieden“, zieht Daniela Evans ein erstes Resümee.

„Ein kleiner Ort muss kein Nachteil sein“, sagt auch Jürgen Grüner von der Wirtschaftsförderung im Kreis Coesfeld. Olfen sei mit der Nähe zum Ruhrgebiet und dem hohen Freizeitwert, zum Beispiel durch den Ternscher See, ein guter Standort. Und dann sei es sogar vorteilhaft, ein Konzept zu haben, das es nicht überall gibt. Natürlich hofft Evans, dass sich ihr Geschäft noch weiter rumspricht. „Es ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber auch Leute, die vielleicht stark kitzelig sind, schaffen es, sich nach einer Minute zu entspannen.“

Die Fish Lounge
  • Die Fish Lounge Olfen ist an der Funnenkampstraße 3. Sie hat Mo bis Do von 10 bis 18 Uhr und freitags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Am 1. und 3. Samstag ist sie jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
  • Freitags gibt es auch spezielle Events wie die Ladies Night.
  • Behandlungen gibt es ab Preisenvon 14,50 Euro.
  • Mehr Infos im Netz www.fish-lounge.com
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