Auf der B235 haben viele Fahrer einen Bleifuß - eine zweifache Mutter ist in großer Sorge

mlzUnfallschwerpunkt

Tatort B 235 zwischen Olfen und Lüdinghausen: Durchgezogene Linien stufen eilige Autofahrer mehr als Empfehlung ein. Nicht das einzige Vergehen. Anwohnerin Janine Schultz schlägt Alarm.

Olfen

, 28.03.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die heute 31-jährige Mutter von zwei kleinen Kindern (8 und 9 Jahre) vor einigen Jahren mit ihrer Familie hier an die Lüdinghauser Straße zog, machte sie sich keine Illusionen. Ja, die Bundesstraße 235 ist eine viel befahrene Straße. Doch damals hätte sie sich nicht in den schlimmsten Träumen vorstellen können, was sie in den Folgejahren erleben würde. Und wie langsam die Mühlen von Behörden mahlen können.

„Vor rund eineinhalb Jahren habe ich einen Antrag gestellt, dass hier in Höhe Einfahrt zum Schliekerpark ein Überholverbot und eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingerichtet wird“, sagt sie und blickt zusammen mit ihrer Großmutter durch das Fenster auf die Bundesstraße. Immer wieder müssen Autofahrer aus Richtung Olfen stark abbremsen, weil sie zu spät die Einfahrt zum Schliekerpark erkennen. „Aus Richtung Lüdinghausen gibt es ein Hinweisschild auf den Park, aus Richtung Olfen allerdings nicht“, sagt Janine Schultz.

Doch dieser Vorschlag sei bislang ebenso wenig umgesetzt worden wie die Einrichtung der von ihr vorgeschlagenen Geschwindigkeitsbegrenzung. Bedarf scheint es allerdings zu geben. Auch aus Sicht der Polizei ist der Bereich ein Unfallschwerpunkt, wie Pressesprecher Bjoern Korte auf Anfrage dieser Redaktion sagt. Und damit war es ein Fall für die Unfallkommission.

Zweifache Mutter hat unfassbares Glück

Stefan Schenk, Leiter der Straßenverkehrsabteilung beim Kreis Coesfeld, berichtet auf Anfrage dieser Redaktion von einem Ortstermin im vergangenen Jahr. Dabei seien verschiedenste Maßnahme diskutiert worden. Auch eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal Tempo 70. „Doch dafür gibt es strenge Voraussetzungen“, sagt Stefan Schenk. Diese waren aus Sicht der Kommission nicht erfüllt. Deshalb entschied sie sich für eine durchgezogene Linie, die das Überholen quasi unmöglich macht. Das Stopp-Schild auf dem Wirtschaftsweg wurde freigeschnitten und ein zusätzliches aufgestellt. Der Erfolg spreche für sich. Danach habe es keine Unfälle mehr gegeben. „Dieser Bereich bleibt aber weiter im Blick“, sagt Schenk.

Aus Sicht von Janine Schultz ist das zwingend notwendig. Die Mutter hatte vor rund einem halben Jahr unfassbares Glück. Janine Schulz kam von Olfen und wollte nach links auf die Hauseinfahrt abbiegen. Weil ihr viele Fahrzeuge entgegenkamen, musste sie abbremsen. Ein nachfolgender Pkw-Fahrer habe das, so Janine Schultz, wohl zu spät bemerkt, sei halb durch die Böschung und dann wieder auf die Straße Richtung Lüdinghausen gefahren. „Er hat nicht angehalten und hat sich um nichts gekümmert.“ Janine Schultz und ihre Großmutter bezweifeln, dass alle Beteiligten derart brenzliger Situationen wie sie die Polizei über den Vorfall informieren. Beide bedauern deshalb, dass die Polizei nicht häufiger vor Ort ist, um insbesondere die Einhaltung des Überholverbotes zu kontrollieren.

Polizei erwischt in wenigen Stunden mehr als 200 Raser

Bjoern Korte von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde widerspricht dieser Einschätzung deutlich. „Immer wieder seien Kradfahrer und Streifenwagen in dem Bereich unterwegs. Korte berichtet zudem von einer Geschwindigkeitskontrolle am 22. März - allerdings rund einen Kilometer von der Einfahrt zum Schliekerpark entfernt. Diese Kontrolle zwischen 12.40 und 16.25 Uhr bestätigte den Eindruck von Janine Schulz, dass hier viel zu schnell gefahren. In der relativ kurzen Zeit sprach die Polizei 175 Verwarnungen aus, in 27 Fällen war sogar eine Anzeige fällig. Unter dem Strich waren also mehr als 200 Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs. Der Polizei-Pressesprecher räumt ein, dass zu schnelles Fahren auf Landes- und Bundesstraßen ein großes Problem im Kreis Coesfeld sei. Deshalb würden sich viele Bürger bei der Polizei mit der Bitte um zusätzliche Kontrollen melden.

Hinweisschild wäre ein erster wichtiger Schritt

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die wiederholten Unfälle in jüngerer Vergangenheit nur wenige hundert Meter weiter Richtung Olfen an der Kreuzung der Lüdinghauser Straße mit der Brunswicker Straße (Richtung Seppenrade) hofft Janine Schultz, dass sich die Verantwortlichen die Situation auf der Straße noch einmal genauer anschauen. Und vielleicht passiert doch etwas auf der Bundesstraße, so ihre Hoffnung.

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