Bauernprotest: Mit dem Herzen bei den Demos dabei sind Landwirte aus Nordkichen und Selm

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Die Nordkirchener Landwirte sind gedanklich bei ihren protestierenden Kollegen, auch wenn bei dieser Demo kaum jemand selbst auf den Bock steigt. Auch in Selm herrscht Solidarität.

Nordkirchen, Selm

, 25.11.2019, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Oktober hatten sie sich auf ihre Schlepper gesetzt und waren mit viel Personal zur Demonstration nach Münster gefahren: Am Montag waren die meisten Landwirte aus Nordkirchen, Olfen und Selm aber nur gedanklich an der Seite ihrer Kollegen, die zu einer erneuten Demonstration nach Berlin aufbrachen.

„Wir sind in den WhatsApp-Gruppen, bekommen also ständig die neuen Informationen und sind so mit dabei, aber zeitlich hätte ich es nicht geschafft, mich den Protesten wieder direkt anzuschließen“, sagt Alfred Stattmann jun., Ortsvereinsvorsitzender der Nordkirchener Landwirte.

Auch Benedikt Lünemann aus Selm ist auf dem Feld statt auf den Straßen der Republik unterwegs. „Morgen soll es regnen und ich muss noch den Weizen säen“, sagt er. Durch die verschiedene Festivitäten ist er in diesem Jahr spät dran und muss sich daher sputen. „In meinem Herzen bin ich aber dabei“, erklärt der Cappenberger Landwirt.

Bauern demonstrieren für ihre Zukunft

„Für mich ist es schon zu einem Teil Zukunftsangst“, erklärt Alfred Stattmann, warum er auf der Seite der protestierenden Landwirte steht. „Wenn ich nur an die Düngeverordnung denke, gab es schon 2017 eine Verschärfung, die 2018 greifen sollte. Jetzt heißt es, das hätte nicht gereicht und für 2020 will man es nochmals verschärfen. Dieser Zeitrahmen ist viel zu kurz“, sagt der Nordkirchener. Aus zwei Gründen: Zum einen lasse sich die Wirkung einer Verordnung nach so kurzer Zeit noch gar nicht erkennen. Jetzt schon nachzujustieren sei daher viel zu früh. Zum anderen seien die Verordnungen, die von der Politik mit der Brechstange auf die Landwirte runtergebrochen würden, gar nicht so schnell umsetzen.

„Umwelt- und Klimaschutz ist im Sinne aller Bauern“

Benedikt Lünemann fiel im Sommer wegen seines Mais-Labyrinths in Form der Klima-Aktivistin Greta Thünberg und seinem klaren Statement für Fridays for Future auf.

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Für den Landwirt ist das kein Widerspruch. „In meiner Brust schlägt ein Bauernherz. Und Umwelt- und Klimaschutz ist im Sinne aller Bauern“, sagt derCappenbergerr. Allerdings: „Es muss sozialverträglich sein. Wir Bauern müssen dabei überleben können.“

Vieles differenzierter betrachten

Eine der Forderungen im Protest, die Stattmannn mit Vehemenz unterstützt, ist die, die sogenannten Roten Gebiete differenzierter zu betrachten. Die weisen Flächen aus, in denen der Nitratgehalt besonders hoch ist. Doch die heimischen Landwirte würden wegen einer Messstation, die in Bockum-Hövel in Hamm platziert ist, zur Verantwortung gezogen. „Das ist aber am ganz anderem Ende“, erklärt Stattmannn, dass die Landwirte hier auf die Bodenwerte in Hamm keinen Einfluss hätten.

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