Andre Ritterswürden der Geschäftsführer von Pinky Gloves mit seinem Produkt. © Jura Weitzel
Unternehmen aus Olfen

Bundeswehrsoldat aus Olfen hat Hygieneprodukt für Frauen entwickelt

Andre Ritterswürden aus Olfen ist bei der Bundeswehr und hat nebenbei ein Start-Up für Damenhygiene-Produkte gegründet. Die Idee brachte ein Gespräch mit seinen Mitbewohnerinnen.

Bei seinen Kollegen von der Bundeswehr hat Andre Ritterswürden (33) aus Olfen schon für einige Lacher gesorgt. Zum Beispiel, wenn er mit seinem knallpinken Lieferwagen direkt neben einem Panzer geparkt hat. Pink und Bundeswehr, das passt auf den ersten Blick vielleicht nicht so recht zusammen.

Und doch war es direkt zu Beginn seiner Bundeswehrzeit, als Andre Ritterswürden gemeinsam mit seinem Kumpel Eugen Raimkulow (33) eine Idee entwickelte, die schließlich zur Gründung ihres Start-ups Pinky führte.

Keine Angst über die Periode zu sprechen

„Wir haben damals in Saarbrücken in einer großen WG mit vielen Frauen gewohnt“, erzählt Ritterswürden. Vor 13 Jahren – 2007 war das. Mit den Mitbewohnerinnen über ihre Periode zu sprechen war für die beiden Männer kein Tabuthema. „Wir sind da immer offen gewesen“, erzählt der Olfener. Statt verlegen zu werden, oder lieber nichts von dem blutigen Thema hören zu wollen, hätten er und sein Kumpel Eugen stattdessen gefragt: „Erzählt mal, wie ist das so?“

Und so erfuhren die Männer – so erzählt das Andre Ritterswürden heute – zum Beispiel von Work- und Travel-Reisen der Mitbewohnerinnen, wo keine Abfalleimer zur Verfügung standen, wenn man gerade die Periode hatte und manch eine ihren Tampon notgedrungen in der Toilette entsorgen musste. „Wir haben dann gesagt, wir kümmern uns darum und haben dann mal was gebastelt“, erzählt Andre Ritterswürden.

Ein Handschuh in Pink

Das, was die beiden Männer da entwickelt haben, ist ein Einweg-Handschuh in pink, der sich gleichzeitig auch in eine Mülltüte verwandeln lässt und in einer Verpackung daher kommt, die nach Lifestyle-Produkt aussieht, statt nach einer Entsorgungs-Möglichkeit für Tampon oder Binde. Im Online-Kaufhaus Amazon gibt es die Packung mit 12 Handschuhen für 2,99 Euro. Den Prototyp hätten sie 2017 gefertigt, erklärt der Olfener, in diesem Jahr gründeten Ritterswürden und Raimkulow auch ihr Start-Up. Ganz klassisch: erstmal ohne großes Büro, sondern im Keller des Wohnhauses. Beim Verpacken der Päckchen für Amazon helfen Ritterswürdens Frau Sarah und sein Opa.

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Pinky – Start-up aus Olfen stellt sich vor

„Es ist ein richtiger Familienbetrieb“, sagt Ritterswürden und lacht. Gerade der Opa würde das Produkt gut finden. Wenn Ehefrau Sarah gefragt wird, ob sie denn der Grund sei, wieso ihr Mann ein Produkt für Frauen entwickelt habe, antwortet sie: „Das hat er schon mit in die Ehe gebracht.“ Das Unternehmen verkauft über Amazon und auch im lokalen Handel, zum Beispiel bei Marktkauf in Lüdinghausen. Für nächstes Jahr sollen die Vertriebsstellen noch ausgeweitet werden, zum Beispiel durch eine Zusammenarbeit mit großen Drogerie-Ketten, berichtet der Geschäftsführer.

Spatenstich im Olfener Gewerbegebiet

Es läuft ganz gut, lässt Ritterswürden durchblicken. Noch nicht so gut, dass sie in Europa produzieren könnten. Das wäre ein langfristiges Ziel, erklärt Andre Ritterswürden. Doch dann müssten sie 100 Millionen pinke Handschuhe abnehmen, sagt der Geschäftsführer. Da ist das Unternehmen noch lange nicht. Bisher haben sie seit 2017 insgesamt 100.000 Verpackungen mit jeweils 12 Handschuhen je Verpackung verkauft. Deswegen kommen die Handschuhe derzeit aus Asien. Doch es läuft so gut, dass das heimische Wohnzimmer und der Keller längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen sind. So gab es am Sonntag im Gewerbegebiet Ost II den ersten Spatenstich für das geplante Geschäftsgebäude (Lagerhalle und Bürogebäude) von Pinky. Geplanter Einzugstermin: April 2021.

Die beiden Gründer von Pinky Gloves Eugen Raimkolow (links) und Andre Ritterswürden (rechts) beim ersten Spatenstich für ihr Geschäftsgebäude im Olfener Gewerbegebiet.
Die beiden Gründer von Pinky Gloves Eugen Raimkolow (links) und Andre Ritterswürden (rechts) beim ersten Spatenstich für ihr Geschäftsgebäude im Olfener Gewerbegebiet. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Dass es einen riesigen Markt für solche „Femtech-Produkte“ gibt, darüber hatte zum Beispiel die Nachrichtenagentur dpa in diesem Sommer berichtet. „Es wird ja häufig so ein bisschen als Nische abgetan“, zitierte sie Maxie Matthiessen, Gründerin der beiden Femtechfirmen Ruby Cup und Femna Health. „Aber wenn du dir allein schon den Menstruationshygienemarkt anschaust, betrifft das ja die Hälfte oder mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, sprich so vier Milliarden Frauen. Also es ist ein gigantischer Markt“, so Matthiesen. Die Gründe, warum die Branche aber noch nicht weiter ist, als es ihr Potenzial eigentlich hergeben würde, lägen darin, dass vielen – meist männlichen – Investoren das Markenpotential nicht unbedingt bewusst sei, dass meist weibliche Gründerinnen es schwerer hätten, Kapital zu akquirieren und dass gerade Menstruationsprodukte immer noch mit Tabus behaftet sein.

Sarah Ritterswürden sagt, es sei ihnen ein Anliegen, dass Frauen und junge Mädchen ihr Produkt ganz selbstbewusst neben ihr Handy legen können, ohne, dass es ein Tabu ist. Noch ist Pinky ein Zwei-Mann-Unternehmen und noch ist Andre Ritterswürden auch bei der Bundeswehr – sein Geschäftspartner studiert aktuell. Früher war Ritterswürden bei den Fallschirmjägern. Jetzt ist er im Bereich Materialbeschaffung bei der Bundeswehr tätig. Da sei das schon ein großer Kontrast – das Klischee der „harten Männerwelt“ auf der einen Seite und das pinke Produkt auf der anderen Seite. Doch, wenn das Unternehmen sich schon gegen Klischees stellt, warum muss das Produkt dann pink sein? „Wir wollten eine Farbe haben, die positiv besetzt ist“, erzählt Sarah Ritterswürden. Und Blut sei eben rot – da sei der Kontrast zu weiß zum Beispiel sehr hart. Pinky heiße ja auch kleiner Finger, erklärt Andre Ritterswürden, das sei das Wortspiel, was dahinter stecke. Aber klar, über das Klischee habe er sich auch Gedanken gemacht: „Pink ist ja so die Barbie“, sagt er. Aber andererseits: „Ich bin selber Fan von pink und habe auch viele pinke Polos.“

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder

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