Die Wahlbeteiligung war hoch im Kreis Coesfeld. © Irina Höfken
Meinung

CDU-Wahlsieg im Münsterland hat einen Beigeschmack

40 Prozent Zustimmung: Das ist in diesen Tagen ein gutes Ergebnis. Dennoch hat Wahlsieger Marc Henrichmann (CDU) an diesem Wahlsonntag auch eine kräftige Klatsche bekommen. Ein Weckruf.

Hat die Berliner Politik und die Entscheidung für Armin Laschet der CDU im Wahlkreis Coesfeld/Steinfurt II die Wahl vermasselt, oder ist das über Jahrzehnte durchweg „schwarze Münsterland“ doch farbenfroher geworden? Für eine belastbare Antwort auf dies Frage ist es viel zu früh. Allerdings geben die Zahlen vor Ort wichtige Hinweise – vor allem auch für künftige Personalentscheidungen.

Hinter vorgehaltener Hand äußern nicht erst seit gestern langjährige CDU-Verantwortliche in wichtigen Ämtern und Positionen hier vor Ort teils heftige Kritik an der Entscheidung der CDU für den Kanzlerkandidaten Armin Laschet. Sie dürfte sich deutlich erhöhen, wenn die CDU am Ende auf der harten Oppositionsbank landen sollte.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass CDU-Siege auch im Münsterland nicht garantiert sind. Daran ändert auch nicht die Tatsache, dass das Mandat von Marc Henrichmann zu keinem Zeitpunkt gefährdet war. Größer, schneller, weiter, schöner – das mag über Jahrzehnte jüngere und ältere Menschen überzeugt haben. Doch die Zeiten haben sich geändert. Natürlich sind auch im Kreis viele junge Menschen vor Ort weit davon entfernt, ganz auf das Auto verzichten zu wollen. Aber sie setzen doch andere Schwerpunkte. Dabei geht es um Nachhaltigkeit, Klimaschutz und eine gerechte Bezahlung. Die Wirtschaft hat den Wandel in Teilen verstanden und setzt neue Schwerpunkte. Was noch vor zwei oder drei Jahren undenkbar erschien, wird jetzt in Olfen und Senden und künftig wohl auch anderen Städten und Gemeinden Realität – Baugebiete ohne ein Erdgasnetz.

Der Wandel beschränkt sich aber nicht nur auf das Bauwesen. Auch die Parteien sind gefordert. Sie müssen – Pandemie hin, Pandemie her – stärker den Dialog mit den Menschen suchen. Nicht nur bei ihrer Stammklientel und nicht nur im Wahlkampf, sondern permanent und verstärkt auch bei Jugendlichen, die andere Vorstellungen von einem erfüllten Leben haben. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit Zeit“, heißt es warnend in einer Lebensweisheit.

Wer auch immer am Ende in Berlin regiert. Die Warnung steht im Raum. Der CDU wird es auf Dauer nicht genügen, einen stärkeren Kanzlerkandidaten aufzustellen – und alles wird schon von alleine gut. Doch auch die anderen Parteien haben genug zu tun. Der eindeutige Sieg ihres Kandidaten bei der Juniorwahl an der Gesamtschule Olfen war sicher ein schöner Moment für die SPD. Sie und die anderen Parteien sind gefordert, den Menschen ihre Politik zu erklären und sie bei den Entscheidungen stärker mitzunehmen. „Basta-Politik“ war schon gestern zum Scheitern verurteilt. Wer Zukunft gestalten will, muss zuhören und mitnehmen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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