Corona-Krise in Olfen: Sendermann - „Die Zahlen aus anderen Ländern erschrecken mich“

Corona-Krise

Das neu erlassene Kontaktverbot soll auch in Olfen durchgesetzt werden. Und zwar durch verstärkte Kontrollen. Am Montag, 23. März, schaut die Stadt einer Zielgruppe besonders auf die Finger.

Olfen

, 23.03.2020, 14:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Skatepark, sonst ein Ort, wo sich viele junge Menschen treffen, ist derzeit verwaist. Die Stadt Olfen wird auch weiterhin kontrollieren, ob auch die neuen Regelungen des Kontaktverbotes eingehalten werden.

Der Skatepark, sonst ein Ort, wo sich viele junge Menschen treffen, ist derzeit verwaist. Die Stadt Olfen wird auch weiterhin kontrollieren, ob auch die neuen Regelungen des Kontaktverbotes eingehalten werden. © Arndt Brede

Lob und Kritik kommt am Tag, nachdem die Regierung ein Kontaktverbot erlassen hat, von Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann. „Eine Rechtsverordnung ist ab heute in Kraft“, sagt Sendermann. Endlich müsse nicht jede Kommune in Nordrhein-Westfalen das interpretieren und die richtige Lösung für sich finden. „So stelle ich mir Krisenmanagement vor.“

Die Stadt Olfen kontrolliert am Montag alle Supermärkte, ob sie alles zum Schutz der Menschen tun.

Die Stadt Olfen kontrolliert am Montag alle Supermärkte, ob sie alles zum Schutz der Menschen tun. © Arndt Brede

In Olfen werden erste Maßnahmen ergriffen, um zu sehen, ob sich alle an die Regelungen halten. Sendermann: „Heute noch werden wir die Supermärkte kontrollieren, dass sie alles für den Schutz der Menschen tun. Auch wenn es nicht sofort jeder verstehen will.“ Das setze er zu Schutz der Bürger konsequent um. „Das ist meine Verpflichtung.“

Das ist auch in Zeiten des Kontaktverbots erlaubt: Sport allein zu betreiben. Tobias Bobrow tut das zurzeit gern im Calisthenics-Park in Olfen.

Das ist auch in Zeiten des Kontaktverbots erlaubt: Sport allein zu betreiben. Tobias Bobrow tut das zurzeit gern im Calisthenics-Park in Olfen. © Arndt Brede

Sendermann weist auf die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Unterbrechung und Verzögerungen von Coronavirus-Infektionen hin: „Die Zahlen aus anderen Ländern erschrecken mich. Bis gestern starben in Italien fast 5.500 Menschen. Wir fühlen mit den Menschen in Italien und müssen und werden ihnen helfen. Dagegen läuft die Pandemie bei uns noch fast glimpflich ab. Aber auch unsere Zahl der Infizierten und Todesfälle sollen in den nächsten Tagen drastisch steigen. Dann wird die Heimtücke der Krankheit für jeden sichtbar. Es hat leider Tage gedauert, bis wir das verstanden und unser öffentliches Leben zurückgefahren haben.“

Auf der Alten Fahrt waren am Wochenende immer wieder nur vereinzelte Spaziergänger zu sehen.

Auf der Alten Fahrt waren am Wochenende immer wieder nur vereinzelte Spaziergänger zu sehen. © Arndt Brede

Am Samstagnachmittag habe er sich selbst davon überzeugt: „Die Innenstadt war leer, auch auf den Spielplätzen und der Skateranlage waren keine Menschen mehr. Die Allgemeinverfügung, die ich Donnerstagnachmittag unterschrieben hatte, wird hier in Olfen beachtet. Muss sie zum Schutz der alten und kranken Mitbürger auch, wir werden das weiter kontrollieren.“

Kritik an uneinheitlichem Vorgehen

Und dann macht Wilhelm Sendermann seinem Unmut Luft: „Was mich ärgert, waren die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei uns in Deutschland. Unsere Bundeskanzlerin sagt uns, wie sie sich mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer abgestimmt hat und was wir tun müssen. Jeder setzte es wieder etwas anders um. Wir haben uns am Donnerstag um 15 Uhr im Münsterland mit den Landräten und Bürgermeistern auf die Einschränkungen für unsere Menschen geeinigt. Um 16 Uhr habe ich die Allgemeinverfügung für Olfen erlassen. Aber diese Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse dauern bei uns in Deutschland einfach zu lange.“

„Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse dauern bei uns in Deutschland einfach zu lange.“
Wilhelm Sendermann, Olfens Bürgermeister

Hier gehe es um Leben und Tod, um Stunden und Tage, da gehe es nicht darum, wer es noch etwas anders oder besser weiß. „Die Verantwortlichen haben gestern gelernt“, sagt Sendermann am Montag.

Appell an jeden Einzelnen

Sendermann nimmt aber auch jeden Einzelnen in die Pflicht: „Meine Damen und Herren, halten Sie Abstand und Distanz, das ist im Moment das einzige Mittel gegen das Virus, was wir haben. Nutzen Sie Mail, WhatsApp oder das Telefon zum Kontakt zur Familie, zu Freunden und Bekannten. Seien Sie diszipliniert! Ich möchte mit Ihnen Todeszahlen wie in Italien verhindern. Ich weiß, ich verlange damit viel von Ihnen. Helfen Sie mit, die Epidemie einzudämmen. Helfen Sie mit, Leben zu retten. Junge Leute können sich jetzt vor Augen führen, dass es im Zweifelsfall der eigene Opa, die eigene Oma ist, die von der Epidemie betroffen sein kann, und dass es vom eigenen Verhalten abhängt, ob das passiert.“

Erfreut zeigt sich der Bürgermeister über die Entwicklung in Olfen in den letzten Tagen: „Ich habe mich in den letzten Tagen sehr über das ehrenamtliche Engagement gefreut.“ Es gebe Menschen, die helfen wollen, wenn andere die Einkäufe nicht mehr schaffen, Medikamente aus der Apotheke holen müssen oder jetzt Angst haben, mit ihrem Hund spazieren zu gehen. „Melden Sie sich beispielsweise beim Verein MiO - Miteinander in Olfen oder hier bei der Stadtverwaltung.“




Schlagworte:
Lesen Sie jetzt