Darum bezahlen die Hausbesitzer in Olfen viel weniger als in anderen Orten

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Gute Nachricht für die Olfener: Sie sollen 2019 geringere Grundsteuern zahlen als das Land vorschlägt. Damit nicht genug. Auch bei Gebühren profitieren sie von der guten Haushaltslage.

Olfen, Vinnum

, 13.02.2019, 13:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Hausbesitzer geht es um viel Geld. Sehr viel Geld. „Olfener leben preiswerter als Bürger im Umfeld unserer Stadt“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Zusammen mit dem Beigeordneten und Kämmerer Günter Klaes macht er im Hauptausschuss eine interessante Rechnung auf: Rechnet man die Ausgaben für Grundsteuer, Müll und insbesondere auch Abwasser zusammen, bezahlt ein Olfener Hausbesitzer um die 800 Euro weniger als Bürger anderer Orte. Klaes berichtete sogar von einem Gespräch mit einer Frau, die von einem Differenzbetrag von knapp 1000 Euro berichtete. Klaes bedauerte, „dass diese spürbare Entlastung von vielen nicht wahrgenommen wird.“

Stadt Olfen verzichtet gleich doppelt auf Einnahmen

Die Vergleichsstädte nannten Sendermann und Klaes nicht, jedoch die Gründe, warum die Unterschiede so groß sind. Ein wesentlicher Punkt ist die Grundsteuer - und hier wiederum die Grundsteuer B für bebaute und bebaubare Grundstücke. Es geht also um die Steuern, die jeder Häuslebesitzer zu zahlen hat. Sie sollte sich, so ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2016, an den Vorschlägen des Landes NRW, also am fiktiven Hebesatz, orientieren. Das hätte zur Folge, dass Hausbesitzer für 2019 mehr zu zahlen haben. Werden sie aber wohl nicht.

Zwar steht noch die Entscheidung des Stadtrates aus, doch das Meinungsbild im Hauptausschuss war einheitlich. Angesichts der guten finanziellen Lage der Stadt sollen die Bürger nicht mehr bezahlen. Damit verzichtet die Stadt gleich doppelt auf Geld. Einerseits fehlen der Stadt die zusätzlichen Steuereinnahmen. Und weil sie den fiktiven Hebesatz unterschreitet, bekommt sie zudem geringere Schlüsselzuweisungen vom Land. Locker flockig könnte man allerdings sagen: „Es trifft ja keinen Armen.“ Die Stadt Olfen hat einige finanzielle Reserven. Und sie sollen trotz einiger anstehenden Investitionen weiter wachsen. Zumindest mittelfristig.

Bis 2022 will Olfen Reserve um 10 Millionen Euro aufstocken

Für das laufende Jahr werden sie zwar um mehr als 4,8 Millionen sinken, doch ist auch das kein Problem. Olfen kann alle Investitionen von voraussichtlich 13 Millionen Euro ohne Kredite bezahlen. Für die Jahre 2020 bis 2022 erwartet die Stadtverwaltung allerdings erhebliche Überschüsse. Rechnet man alle Zahlen für die Jahre 2019 bis 2022 zusammen, erhöht sich die finanzielle Reserve um mindestens 10 Millionen Euro. Und die Summe könnte weiter wachsen. An der Umgehungsstraße (B235) entwickelt die Stadt ein neues Gewerbegebiet. „Wir wollen schauen, welche Betriebe wir nach Olfen holen können“, sagt Sendermann. Ein wichtiges Argument für die Umsiedlung könnten die Abwassergebühren sein. „Für Unternehmen ist das eine große Nummer und damit ein wichtiger Standortfaktor“, sagt Günter Klaes.

Personalkosten steigen deutlich geringer als Lohnerhöhungen

Der Kämmerer warnt jedoch trotz der ausgesprochen guten Zahlen davor, „übermütig zu werden. Wir können nicht davon ausgehen, dass es so weitergeht.“ Deshalb werde die Stadt weiter sehr sparsam sein. Das betrifft auch das eigene Personal. Die Kosten für die Mitarbeiter werden in diesem Jahr voraussichtlich um 1,5 Prozent steigen und damit deutlich geringer als die bereits ausgehandelten Lohnerhöhungen. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Stadt, so Bürgermeister Sendermann, „kreativ sein“.

Die finanzielle Entwicklung Olfen kommentiert unser Redakteur Thomas Aschwer

Wieschhofgrundschule mit Millionenaufwand umgebaut und erweitert, Feuerwehrgerätehaus in Vinnum neu errichtet, weitere Baumaßnahmen wie Sanierung von Geest-Turnhalle, Schwimmbad, Rathaus und Stadthalle ebenso fest im Blick wie den Umbau der Bilholtstraße. Olfen steckt Millionen in die Infrastruktur. Ohne Kredite. Im Gegenteil. Bis 2022 will die schuldenfreie Stadt die Reserve um mindestens 10 Millionen Euro erhöhen. Und gleichzeitig die Bürger entlasten. Das klingt nach einem klugen Plan und großer Weitsicht. Wenn am Ende alles so kommt, wie in den Haushaltsberatungen vorgestellt, dürfen sich die Verantwortlichen ruhig mal auf die eigenen Schultern klopfen.

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