Gemächlich fließt die Lippe bei Olfen in Schlangenlinien in ihrem Bett. Ein idyllisches Bild voller Ruhe. Das aber ab und zu offenbar massiv gestört wird.

Olfen

, 05.09.2019, 08:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Renaturierungsprojekt „Fluss- und Auenentwicklung der Lippe bei Haus Vogelsang“ ist ein groß angelegtes Bauvorhaben über fünf Kilometer Gewässerstrecke und 30 Hektar Fläche, mit dem der Lippeverband den Fluss und seine Aue links und rechts der Lippe naturnah umgestaltet.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Die Lippe ist quasi entfesselt und schlängelt sich jetzt wieder durch die Natur. © Arndt Brede

Das Projekt, das der Lippeverband im Auftrag des Landes NRW als Eigentümer der Lippe umgesetzt hat, hat ein Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro. Ziel war, eine naturnahe Aue zu gestalten, die schon bei etwas erhöhten Wasserständen teilweise überflutet wird und einen idealen Standort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstellt, wie der Lippeverband erklärt.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Die Trampelpfade sind deutlich zu sehen. © Arndt Brede

Doch gerade an Wochenende pilgern viele zur Lippe, um dort zu zelten, zu baden, zu grillen. Michael Tenkhoff kann ein Lied davon singen. „Es ist ein großes Ärgernis für alle Anlieger“, sagt er. Er liegt mit seinem Hofladen direkt an der Straße, die zum Naturschutzgebiet führt.

Kreuz und quer übers Feld

Das Ärgernis führt er so auf: „Da sind die Hundebesitzer, die mit großen Hunden kommen. Diese Hunde jagen dann auf den Feldern Rehe und Hasen. Dabei sind Hunde an der Leine zu führen.“ Und auch das Gebot, nicht die Wege zu verlassen, halte nicht jeden davon ab, „kreuz und quer zu laufen“, wie Michael Tenkhoff es ausführt.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Schilder weisen auf das Naturschutzgebiet hin und beschreiben,was dort verboten ist. © Arndt Brede

Dabei gibt es Schilder, die auf das Naturschutzgebiet hinweisen und auch aufführen, was verboten sei: „Ich habe die Menschen angesprochen, aber die wollen diese Schilder dann gar nicht gesehen haben.“

Landwirtschaftliche Fahrzeuge kommen nicht durch

Ein weiteres Ärgernis: „Die parken rechts und links am Rand die Straße zu“, berichtet Tenkhoff. Das verenge die Fahrbahn so sehr, „dass ich mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen, die 2,90 Meter breit sind, gar nicht durchkomme“. Er frage sich, wie unter diesen Umständen im Notfall Feuerwehr und Rettungsdienst durchkommen sollen.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Anlieger haben im Wald Bäume an den Straßenrand gelegt, um zu verhindern, dass Autos die Wege zuparken. © Arndt Brede

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Trotz der Baumstämme am Wegesrand parken dort Autos. © Arndt Brede

Mittlerweile haben Anlieger Baumstämme an den Straßenrand gelegt, um dort das Parken zu unterbinden. „Aber die parken trotzdem dort“, sagt Tenkhoff.

Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann weiß um die Problematik. „Dem Lippeverband gebührt zunächst mal großes Lob und Dank, dass er die Lippe in wesentlichen Teilen renaturiert hat.“ Auf einer Strecke von rund vier Kilometern, sagt Sendermann.

Unterschiedliche Interessengruppen

Diese Renaturierung müsse dahingehend geprüft und hinterfragt werden, wie Menschen damit klar kommen. Nun gebe es unterschiedliche Interessengruppen, die die Maßnahmen unterschiedlich betrachten, sagt der Bürgermeister. Da seien die, die diese Flächen für sich in Anspruch nehmen. Da seien aber auch die, die die Flächen komplett der Natur überlassen wollen.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Hinweisschilder beschreiben, wie sich die Lippe entwickelt hat. © Arndt Brede

Wie sieht es der Bürgermeister? „Ich sehe, dass die Natur eine Berechtigung hat und dass man Flächen und die Frage organisieren muss, wie Menschen an diesen Flächen teilhaben.“ Das bedeute nicht, dass man die Menschen zu 100 Prozent von der renaturierten Lippe aussperre. „Aber man sollte nicht unbedingt alles freigeben.“

Beweidung als Lösungsmöglichkeit

Wie das zu organisieren sein könnte, zeige das Beispiel der Steveraue: „Da haben wir über die Beweidung geregelt, dass der Mensch dort nicht reingeht.“ Dort sind unter anderem Heckrinder und Poitou-Esel angesiedelt worden.

Zu beachten sei jedoch auch, dass Olfen einige Campingplätze aufgegeben habe. Derzeit werde eine Fläche an der Füchtelner Mühle gegenüber der Stelle, wo bereits Summer specials stattgefunden haben, aufbereitet, wo mal ein Campingplatz war. „Dort können die Leute dann hingehen und zum Beispiel ein Picknick machen.“ Das seien eben die Flächen, die dem Menschen zugänglich gemacht werden.

Was aber nicht gehe, und damit kommt der Bürgermeister zum Thema renaturierte Lippe, sei, „dass die Leute alles zuparken und dann die Sandbänke, die für die Natur geschaffen wurden, einfach für sich komplett in Anspruch nehmen“.

Es gibt schon Ärger am Idyll der frisch renaturierten Lippe

Viele Tiere haben sich an der Lippe angesiedelt. Die Frage ist, inwieweit der Mensch auch von der Renaturierung profitieren soll. © Arndt Brede

„So lange es nur punktuell passiert, dass geangelt oder gezeltet wird und damit nicht das gesamte ökologische System der Lippe in Schieflage gerät, ist das in Ordnung.“ Aber was derzeit wahrzunehmen ist, sei Baden mit komplettem Equipment. „Ich weiß nicht, ob es stimmt. Aber das soll bis zum Jet Ski gehen“, sagt Sendermann. Wildes Campen solle es auch geben. „Ist das alles vereinbar mit den Zielsetzungen, die die Renaturierung der Lippe eigentlich erfüllen sollte?“

Gespräch mit Lippeverband und Behörden

Die Stadt Olfen ist aktiv geworden und hat Vertreter des Lippeverbandes als Eigentümer der Flächen und der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Coesfeld zu einem Gespräch eingeladen. Dort werde er die Idee der Stadt Olfen zur Lösung vorschlagen. Die Beweidung.

Am Gespräch sollen eventuell auch Vertreter der Straßenverkehrsbehörde teilnehmen. „Denn wenn diese Frequentierung der Lippe dazu führt, dass der Wirtschaftsweg nicht mehr von den Traktoren genutzt werden kann, weil Autos links und rechts alles zuparken“, dann müsse man darüber reden.

Ähnlich wie an der Lippe sehe es auf den aufgeschütteten Flächen an der Neuen Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals aus: „Diese Flächen haben eine hohe ökologische Wertigkeit mit vielen Vögeln, die selten sind.“

Die Stadt Olfen sei bereits in Gesprächen mit dem Wasserstraßen-Neubauamt, damit die Flächen an der Neuen Fahrt fertig gestellt werden. Die Stadt habe bereits angeboten, auch diese Fläche zu beweiden. Als Mittel zum Zweck, „um zu kanalisieren, wo der Mensch ist und wo nicht“.

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