Darum wird die Gesamtschule Olfen in den nächsten Monaten zur Baustelle

mlzWolfhelm-Gesamtschule

Auch mit sechs Eingangsklassen kann die Gesamtschule Olfen nicht alle angemeldeten Kinder aufnehmen. Was ist das Erfolgskonzept? Und warum blickt die Schule bereits auf das Jahr 2030?

Olfen, Vinnum

, 07.03.2019, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine weiter steigende Nachfrage für den Teilstandort Datteln, eine technische Ausstattung auf hohem Niveau, angekündigte Investitionen der Stadt - an der Wolfhelm-Gesamtschule scheint alles super zu sein. Oder muss doch der neue Besen - also der zum Schuljahresanfang eingeführte neue Schulleiter Dr. Jerome Biehle - erst einmal sprichwörtlich den Besen schwingen, um die Schule fit für die Zukunft zu machen? Ein Bild, das Biehle überhaupt nicht passt.

„Ich sehe mich nicht als Besen und auch nicht als die Person, die den Besen schwingt“, sagt Biehle unmissverständlich. „Das würde nicht meiner Person entsprechen. Ich bin eher derjenige, der mit anderen gemeinsam auf die Situation schaut und überlegt, wo müssen Besen und Lappen angesetzt werden und dann überlegt, wie machen wir das gemeinsam?“

Schulleiter Dr. Jerome Biehle sieht sich als Teamplayer

Ein Aussage, die sich durch das gesamte Gespräch zieht und deutlich macht, Biehle sieht sich als Teamplayer. Legt Wert auf Kommunikation und auf Kleinigkeiten. Das fängt schon in seinem Büro an. Den Schreibtisch hat der neue Schulleiter so versetzt, dass die Besucher direkt mit ihm Augenkontakt aufnehmen können. Um beim Meinungsaustausch erst gar keine Hürde aufkommen zu lassen, finden Gespräche an einem besonderen Tisch mit drei Seiten statt, damit die Teilnehmer ohne Positionierung miteinander auf Augenhöhe ins Gespräch kommen.

Symbole sind die eine Sache, die tägliche Arbeit eine andere. Jerome Biehle will nicht allein im „stillen Kämmerlein“ entscheiden. Er hat verschiedene Kreise gegründet. Ganz wichtig ist die Schulentwicklungsgruppe. „Der Grundgedanke dahinter ist, dass wir die Schule gemeinsam fortentwickeln. Ich bin noch im Prozess des Anschauens und Verstehenlernens.“ Aber er gibt der Schule eine neue Struktur mit stärkerer Einbindung von Kolleginnen und Kollegen, von Eltern und insbesondere auch Schülern.

Schüler präsentieren im Ausschuss ihre Ideen und Vorschläge

Der Schulleiter berichtet von regelmäßigen Treffen mit dem Schülersprecherteam und von Teilnahmen an Sitzungen der Schülervertregung (SV). Ein Ergebnis dieses Austausches ist es, dass Schüler der Gesamtschule in der nächsten Schulausschuss-Sitzung der Stadt den Kommunalpolitikern Dinge und Ideen präsentieren, wie sie aus ihrer Sicht die Schule nach vorne bringen wollen und können. „Das ist mir auch sehr wichtig“, sagt Dr. Jerome Biehle. Er hat die Schüler auch dabei unterstützt, die Qualität des Schulessens zu steigern.

Die SV war in Referenzschulen. In Ahlen hat sie sich mit der Schulleitung und Schülern getroffen und informiert. Anschließend hat sie eine Power-Point-Präsentation erarbeitet und so aufgezeigt, wo die Schule hinwill.

„Unser Ziel lautet: Die Wolfhelmschule isst gut.“ Biehle berichtet von einer Initiative des Landes, das Essen in den Schulmensen zu steigern. Der stellvertretende Schulleiter Robert Adam habe als Leiter des Mensaausschusses mit Vertretern der Stadtverwaltung an einer Fortbildung teilgenommen, um zu schauen, wie die weitere Entwicklung sein kann. „Wir sind da tagesaktuell sehr gut aufgestellt“, findet der Schulleiter und räumt zugleich ein, dass es einige Anpassungen gegeben hat. So nutzt die Schule die bereits bestehende Schul-App, „um die Essenspläne für alle kundzutun“.

Gesamtschule Olfen will keine Verbotsschule sein

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern will der neue Schulleiter auch das leidige Thema Toiletten angehen. In der Arbeitsgemeinschaft Schulordnung seien sich die Teilnehmer einig gewesen, das Thema Hygiene und Sauberkeit an der Gesamtschule zu thematisieren. Dr. Jerome Biehle macht dabei klar: „Wir wollen keine Verbotsschule sein. Unser Ziel ist es, eine Gebotsschule zu werden. Gemeinsam wollen wir überlegen, wie wir Schule so gestalten können, dass für alle deutlich wird, welche Art von positivem Zusammenleben wir uns alle wünschen. Und zwar ohne erhobenen Zeigefinger.“ Wichtig ist dem Schulleiter bei allen Veränderungen der Toiletten, dass die besondere pädagogische Situation mit drei Schulhöfen erhalten bleibt.

Ein ganzes Stück weiter als bei der geplanten Modernisierung der Toiletten sind Schule und Stadt beim geplanten Umbau und der Schaffung eines zusätzlichen Treppenhauses. Es gehe dabei, so Biehle, darum, gesetzliche Vorgaben umzusetzen. „Hier geht es also um die Sicherheit aller, die hier in der Schule tätig sind. Die lärmintensivsten Arbeiten finden dabei in den Ferien statt. Wir werden die Maßnahme so planen, dass die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile haben.“ Neue Möglichkeiten ergeben sich für die Schule auch dadurch, dass die Schule von vier auf drei Züge geht. Damit können Bereiche, die bislang im Keller angesiedelt werden, künftig „nach oben“ gebracht werden.

Konzentration auf Laptops sieht Schule „konstruktiv kritisch“

Große Bedeutung hat für die Schule seit Jahren das Thema Digitalisierung. „Konstruktiv kritisch“ sieht Schulleiter Biehle dabei das Rahmenkonzept des Kreises Coesfeld mit einer klaren Konzentration auf Tablets. „Das Umschwenken von Laptops auf Tablets wäre für uns ein Rückschritt“, sagt Dr. Jerome Biehle. In der Schulentwicklungsgruppe mit dem Namen Wolfhelmschule 2030 gebe es eine Arbeitsgruppe Digitalisierung. „Denn es geht nicht um Computer der Computer willen. Computer ersetzen nie den Lehrer, sondern sind nur ein Instrument.“ Aber dieses Instrument soll möglichst optimal funktionieren. „Die Frage ist, ob Zwei-in-Eins-Geräte finanziell darstellbar und pädagogisch sinnvoll sind.“

Gegenüber den bislang eingesetzten Laptops haben sie den Vorteil, dass sie auch die Vorteile von Tablets (Geschwindigkeit, Stabilität) bieten. „Wir haben Kontakt mit führenden Firmen aufgenommen und Vertreter eingeladen. Auch mit der Stadtverwaltung arbeiten wir eng zusammen“, sagt der Schulleiter Biehle. „Wir bilden unsere Kinder nach dem europäischen Computerführerschein aus. Sie erwerben Zertifikate.“

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