Das ändert sich beim Finanzamt in Lüdinghausen

Mittwochs geschlossen

Wer am Mittwoch beim Finanzamt in Lüdinghausen vorsprechen wollte, stand vor verschlossenen Türen. Das wird jetzt jeden Mittwoch so sein. Nicht die einzige einschneidende Änderung, die viele Bürger - auch in Selm, Nordkirchen, Olfen und Herbern - bedauern werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

LÜDINGHAUSEN

, 05.12.2016, 05:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das ändert sich beim Finanzamt in Lüdinghausen

Warum hat das Finanzamt künftig einen Tag in der Woche geschlossen?

Thorsten Dröge, Ansprechpartner für die Presse beim Finanzamt Lüdinghausen, spricht vom „Inselfinanzamt Lüdinghausen“. Was er damit meint? Viele andere Finanzämter hätten vor vielen Jahren bereits einen Schließungstag eingeführt. Lange sei Lüdinghausen einen anderen Weg gegangen, schließe sich jetzt aber den anderen Finanzämtern an.

 

Welche andere gravierende Änderung führt das Finanzamt ein?

Komplett umstellen müssen sich die Bürger bei der Abgabe und Bearbeitung der Steuererklärung. Über Jahrzehnte gab es eine bewährte Regelung. Die Bürger gaben ihre Steuererklärung einem Sachbearbeiter oder einer Sachbearbeiterin ab. Direkt vor Ort kontrollierten die Finanzamt-Mitarbeiter die Einträge, stellten im Zweifelsfall Fragen oder korrigierten Anträge. Am Ende des nur wenige Minuten dauernden Gesprächs war das Thema durch, meist wussten die Bürger direkt, ob sie sich auf eine Erstattung freuen durften oder nachzahlen mussten.

Welche Regelung gilt ab dem 2. Januar?

Die Bürger können weiter ihre Steuererklärung abgeben. Allerdings findet keine direkte Bearbeitung mehr vor Ort statt. „Natürlich können die Bürger weiter einzelne Fragen etwa zur Änderung der Steuerklasse oder zu einzelnen Details der Erklärung stellen“, sagt Dröge. Er macht aber zugleich sehr deutlich, dass der Spielraum sehr klein sei. Vor allem aber müssten sich die Bürger davon verabschieden, dass ihr Antrag vor ihren Augen bearbeitet wird.

 

Womit begründet das Finanzamt die Abschaffung der bürgerfreundlichen Bearbeitung direkt vor Ort?

„Es geht um die Gleichbehandlung aller Bürger“, sagt Thorsten Dröge. Wer also ins Finanzamt kommt, soll keinen zeitlichen Vorteil gegenüber den Menschen haben, die auf elektronischem Weg oder per Post ihre Steuererklärung dem Finanzamt zukommen lassen.

 

Welche Folgen hat diese Änderung?

„Der Steuerbescheid wird künftig später bei den Bürgern eintreffen“, kündigt Thorsten Dröge an. Wer bislang seinen Antrag persönlich abgegeben hatte, musste oft nur zwei Wochen warten, dann hatte er den schriftlichen Bescheid in der Hand. Wie lange es künftig dauern wird, vermag Thorsten Dröge nicht konkret zu sagen. Nur so viel steht aus Sicht des Pressesprechers fest: Wer früh im Jahr die Daten übermittelt, bekommt schneller eine Antwort als diejenigen, die im März, April oder Mai ihre Unterlagen beim Finanzamt einreichen.

 

Warum werden die Anträge dann nicht weiter direkt bearbeitet – ganz im Sinne der Bürger?

Dröge verweist auf die Position des Landes NRW. Und die sehe so aus, dass die Übermittlung der Daten auf elektronischem Weg eindeutig favorisiert wird. Und wer diesen Weg nutzt, soll künftig nicht in der Form bestraft werden, dass er länger auf den Bescheid wartet als derjenige, der ins Finanzamt kommt.

 

Was passiert, wenn die Mitarbeiter Fragen zum Steuerbescheid haben?

„Geben Sie bitte ihre Telefonnummer an, dann können offene Fragen meist schnell geklärt werden“, sagt Thorsten Dröge. Wenn erst ein Brief an den Betroffenen geschickt werden muss, verzögert sich die Bearbeitung natürlich weiter.

 

An welchen Tagen kann ich künftig meine Unterlagen im Finanzamt noch persönlich abgeben?

Montags, dienstags und freitags hat das Finanzamt in Lüdinghausen von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet, donnerstags ist das Bürgerbüro von 7.15 bis 17 Uhr geöffnet, am Mittwoch ist es ab sofort grundsätzlich geschlossen. Nicht die einzige Änderung. Das Finanzamt Lüdinghausen hat die Öffnungszeiten insgesamt erheblich eingeschränkt. Früher hatte das Finanzamt an mehreren Tagen bereits ab 7.15 Uhr geöffnet. 

Warum die elektronische Abgabe der Steuererklärung favorisiert wird, haben wir beim NRW-Finanzministerium nachgefragt. Bisher haben wir keine Antwort bekommen.

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