Das ist seit zehn Jahren der Olfener St. Martin

Norbert Trogemann

Als Kind ging er beim Umzug neben dem Pferd her, passte auf, dass niemand das Tier erschreckte. Da hat er noch nicht daran gedacht, dass er Jahre später selbst im Sattel sitzen würde: Seit über zehn Jahren spielt Norbert Trogemann den St. Martin beim Umzug der Wieschhofschule Olfen. Wir haben ihn vorab gesprochen.

OLFEN

, 05.11.2015, 13:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er wird auch „der winkende St. Martin“ genannt. Denn wenn er sich auf dem Pferd an der Kirche und an der Sparkasse postiert, winkt er den vorbeiziehenden Kindern zu. Die Kinder winken dann zurück, strahlen St. Martin an. „Das ist ein schönes Gefühl, da zu sitzen“, erzählt Norbert Trogemann.

Eingesprungen, weil er reiten konnte

Vor 15 Jahren kam der Gärtner eher zufällig zu der Aufgabe. Der damalige St. Martin wurde krank, der Pastor suchte spontan Ersatz – jemanden, der reiten konnte. Da die Familie Trogemann Haflinger züchtet, kam der Pastor auf ihn. Norbert Trogemann sagte zu und möchte die Rolle als St. Martin auch so schnell nicht wieder abgeben. „Da freue ich mich jedes Jahr drauf“, sagt der 53-Jährige.

„Als Kind war ich bei jedem St.-Martinszug dabei“, sagt Trogemann. Seine Familie stellte damals das Pferd für den Umzug. Norbert Trogemann lief nebenher und passte auf, dass alles glatt ging. „Aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal selber da sitze.“

"Das Störenste ist der Bart"

Aber reiten können müsste Norbert Trogemann eigentlich nicht, um der St. Martin zu sein. Es gibt Begleiter, die das Pferd führen. Denn das St.-Martins-Kostüm hindert den Reiter. „Das Störenste ist der Bart“, erzählt Norbert Trogemann. Durch den Bart beschlägt beim Atmen immer seine Brille. Dazu noch der weite Mantel und der Bischofsstab. Da braucht selbst der erfahrene Reiter eine Leiter, um überhaupt in den Sattel zu kommen.

Das Pferd Acco hat noch mehr Erfahrung. Es geht in den Martinszügen in Selm und Olfen mit und ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.

Beliebtes Selfie-Motiv

An zwei Stellen, an der St.-Vitus-Kirche und an der Sparkasse postiert sich St. Martin, damit der Laternenzug an ihm vorbei ziehen kann und ihn jedes Kind sehen kann. Dann zeigen sie stolz ihre Laternen, erzählt Norbert Trogemann. Manche Kinder wüssten bereits, dass er nur eine Rolle spiel, erzählt Trogemann. Andere hielten ihn jedoch für den echten St. Martin. Wenn er die Kinder kenne und mit Namen grüße, „dann werden die Augen groß“, sagt Trogemann und lächelt. Inzwischen sei St. Martin auch ein beliebtes Selfie-Motiv. Die Kinder würden sich gerne mit dem Handy neben St. Martin fotografieren lassen.

Seinen nächsten großen Auftritt hat St. Martin dann auf dem Schulhof, wenn die Martinsgeschichte vorgelesen wird. Das Bewahren der Tradition ist Norbert Trogemann wichtig. Er schätzt die Geschichte des Soldaten, der Ärger in Kauf genommen hat, um mit einem frierenden Bettler den Mantel zu teilen. Eine Botschaft, die heute durch die Flüchtlingskrise wieder aktuell sei, sagt Trogemann.

Am Mittwoch geht's um 18 Uhr los

Am kommenden Mittwoch, 11. November, sitzt „der winkende St. Martin“ wieder im Sattel. Um 18 Uhr beginnt der Umzug auf dem Schulhof der Grundschule. Dann freut sich Norbert Trogemann, wieder in viele strahlende Kinderaugen zu blicken.  

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