"Die Veränderungen kann man sich kaum vorstellen"

Goldener Meisterbrief für Landwirt

Landwirt Paul Ostrop legte vor 50 Jahren seine Meisterprüfung ab. Jetzt bekam er zum Jubiläum den Goldenen Meisterbrief der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. RN-Redakteur Matthias Münch sprach mit Paul Ostrop über die Entwicklung des Berufs.

VINNUM

von Von Matthias Münch

, 12.04.2011, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Paul Ostrop zeigt seinen Goldenen Meisterbrief, den ihm die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Beruf überreicht hat.

Paul Ostrop zeigt seinen Goldenen Meisterbrief, den ihm die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Beruf überreicht hat.

Die Meisterprüfung gehörte damals dazu, gewissermaßen als Endpunkt der Ausbildung. Das wurde mit Ehrgeiz der jungen Bauern betrieben. Selbstverständlich sollte jeder in seinem Beruf möglichst gut ausgebildet sein.  

Die Veränderungen kann man sich kaum vorstellen. Die Unterschiede zwischen heute und dem, was wir gelernt haben, sind gewaltig.

Ja, früher gab es hier auf jedem Hof ein bis zwei Kühe, Pferde, Schweine und Hühner - für die Selbstversorgung und für den Erwerb. Heute hält kein Hof in Vinnum mehr Kühe. Ich erinnere mich an folgenden Satz einer alten Vinnumerin: „De Koh deckt den halben Dischk“. Von der Kuh gab es Milch, Butter Käse. Dazu jedes Jahr ein Kalb. Da war ein Gutteil der Grundversorgung schon gegeben.  

Das änderte sich vor dem zweiten Weltkrieg und noch mehr danach, als die jungen Männer in die Industrie abwanderten. Noch vor 50 Jahren hatte der Bauer einen „Knecht“, dazu eine junge Hilfskraft, ein oder zwei "Mägde". Und die acht Kinder hier auf unserem Hof haben selbstverständlich geholfen. Heute bewirtschaftet ein Mann oder ein Ehepaar einen Hof ganz alleine. Und das bei größerer Fläche.  

Natürlich hielt auch in der Landwirtschaft die Mechanisierung Einzug. 1955 haben wir auf unserem Hof noch nicht mit dem Mähdrescher gedroschen. Heute gibt es die großen Drescher voller Elektronik und mit Kabine. Da braucht der Fahrer nicht mal mehr Staub zu schlucken. Ich habe noch mit den Pferden zu pflügen gelernt. Und bei der Aussaat galt die Faustregel „Soundsoviel Pfund pro Morgen“. Heute wird ganz präzise eine bestimmte Anzahl von Körnern pro Quadratmeter ausgebracht.  

Früher gab die Kuh 4500 Liter Milch im Jahr, heute ist es rund doppelt so viel. Das ist möglich durch züchterische Verbesserungen und Fortschritte bei der Fütterung. Die Futterqualität und die Fütterungstechniken sind viel besser als früher. Das geht schon bei der Ernte und der Herstellung der Silage los.  

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