Bundesweit scheinen sich die Fälle zu häufen, in denen Einsatzkräfte beschimpft oder bei ihrer Arbeit behindert werden. Ist diese respektlose Haltung jetzt auch in Olfen und Selm angekommen?

Olfen, Selm

, 24.09.2020, 10:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war für einige Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Selm eigentlich ein ganz normaler Tag, dieser Dienstag, 15. September. Sie sichern derzeit an der Lippe bei Olfen Gewässeruntersuchungen ab, die sich an die Renaturierungsmaßnahmen des Lippeverbandes dort anschließen. Diese Untersuchungen machen Tauchgänge nötig, berichtet Sascha Homann, Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Selm. „Wir haben gute Kontakte zu dem Geographen, der mit den Untersuchungen beauftragt ist“, erklärt Homann, „deshalb sichern Einsatzkräfte unserer Ortsgruppe seine Arbeit ab.“

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Dazu müssen die DLRGler und der Geograph mit zwei Fahrzeugen über die Straße Zum Krähenbusch und dann über Feldwege zum Ort der Untersuchungen am Lippebogen fahren. So auch an jenem Dienstag, wie Homann der Redaktion schildert. Ein Auto habe am Straßenrand geparkt. Mit dem anderen Fahrzeug seien sie dann zum Lippebogen gelangt.

Diesen Feldweg nutzten Geograph und DLRGler, um zum Lippebogen zu gelangen. Der Rückweg war dann per Baumstamm abgesperrt, sagt die DLRG.

Diesen Feldweg nutzten Geograph und DLRGler, um zum Lippebogen zu gelangen. Der Rückweg war dann per Baumstamm abgesperrt, sagt die DLRG. © Arndt Brede

Doch schon bei der Ankunft seien die Sanitäter und speziell in den Gefahren fließender Gewässer geschulten Rettungsschwimmer von einigen Personen beschimpft und angeschrien worden, warum sie denn mit Fahrzeugen in dem Bereich unterwegs seien, „obwohl sie bereits Einsatzkleidung trugen, für eine Rettung aus Fließgewässern nötige Rettungsgeräte mit sich führten und somit eindeutig als Einsatzkräfte zu erkennen waren“, berichtet Sascha Homann.

Baumstamm quer gelegt

Das sei aber noch nicht alles gewesen. „Wir konnten später nicht abrücken, denn es lag ein Baumstamm quer über dem Weg.“ Und zwar so, dass es keine Möglichkeit gegeben habe, den Stamm zu umfahren. Durch diesen „selbstjustizhaften Akt“, so sagt der DLRG-Chef, sei nicht nur die Arbeit der Wasserretter behindert, sondern zugleich auch der Rettungsweg für im Notfall zu alarmierende Kräfte von Rettungsdienst und Feuerwehr versperrt worden.

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Die Diskussion um die Straße Zum Krähenbusch hat eine Vorgeschichte. Nach erfolgter Renaturierung der Lippe durch den Lippeverband hatte es zunehmend Vorfälle gegeben, bei denen sehr viele Menschen zum Strand am Lippebogen gegangen waren, um dort zu campieren beziehungsweise in der Lippe zu schwimmen. Dazu hatten sie ihre Fahrzeuge am Straßenrand entlang der Straße Zum Krähenbusch geparkt und so die Fahrbahn verengt. Dort sind nicht selten große landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs.

Halteverbot von April bis Oktober

Mittlerweile gilt in der Straße Zum Krähenbusch in den sensiblen Bereichen ein absolutes Halteverbot von April bis Oktober.

Auf der Straße Zum Krähenbusch gilt in sensiblen Bereichen zwischen April und Oktober Halteverbot, weil es in der jüngeren Vergangenheit Ärger wegen parkender Fahrzeuge gegeben hat.

Auf der Straße Zum Krähenbusch gilt in sensiblen Bereichen zwischen April und Oktober Halteverbot, weil es in der jüngeren Vergangenheit Ärger wegen parkender Fahrzeuge gegeben hat. © Arndt Brede

Sascha Homann weiß um die Vorgeschichte. Bei allem Verständnis für manche Aufregung „wegen der dort regelmäßig widerrechtlich geparkten Fahrzeuge, muss ich doch gerade von Menschen, die immer wieder auf die Einhaltung von Regeln und Verboten pochen, erwarten, dass auch diese sich an geltendes Recht halten“. „Sowohl für die eigentliche Gewässeruntersuchung als auch die Absicherung liegen gültige Genehmigungen der Behörden vor“, sagt Homann. Sie hätten „im Fahrzeug von außen gut sichtbar und für jedermann transparent hinter der Windschutzscheibe“ gelegen.

Die Stadt Olfen erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass sie im Vorfeld in diese Maßnahme an der Lippe nicht einbezogen worden sei. „Ebenfalls sind dem Fachbereich 3 - Bürgerbüro, Sicherheit und Ordnung -

die Streitigkeiten an der Lippe nicht bekannt“, erklärt Stadtmitarbeiter Christopher Hölscher.

Wunsch: respektvollerer Umgang mit Einsatzkräften

Sascha Homann wünscht sich „einen differenzierteren Blick und insbesondere einen respektvolleren Umgang mit den Einsatzkräften, die im Zweifel für das Gemeinwohl ihr eigenes Leben riskieren – im Falle der DLRG sogar zu 100 Prozent ehrenamtlich“. Nach Auskunft des Ortsgruppenchefs möchte die DLRG „dafür sensibilisieren, dass ein bundesweit in den Medien immer wieder auftretendes Phänomen nun auch ,bei uns auf dem Land‘ angekommen ist: nämlich der respektlose Umgang mit Einsatzkräften und in unserem Fall sogar eine Einsatzbehinderung, die im Zweifelsfall Menschenleben hätte kosten können. So dürfte es kein Wunder sein, dass die ehrenamtlich arbeitenden Rettungsorganisationen immer mehr mit fehlendem Nachwuchs zu kämpfen haben. Wer möchte sich schließlich in seiner Freizeit bei Ausübung einer guten Sache derart behandeln lassen?“

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