Die Situation in Afghanistan beschäftigt auch Christoph Schlütermann und seine Ehrenamtlichen. © Thomas Aschwer
Afghanistankrise

DRK-Chef im Kreis Coesfeld will helfen: „Den Leuten die Angst nehmen“

Die Lage in Afghanistan bereitet auch Menschen im Kreis Coesfeld sorgen. Manche bangen um ihre Familie im Ausland. Das Rote Kreuz erfährt einen regen Zulauf, die Behörden warten auf Erlasse.

Angst, Sorge und Ungewissheit. Die aktuelle Lage in Afghanistan hat auch Auswirkungen auf die Städte im Kreis Coesfeld. Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) verzeichnet eine Flut von Anfragen und hat mit Personalmangel zu kämpfen.

Während viele Menschen in Afghanistan aktuell Angst um ihr Leben haben, sorgen sich Afghaninnen und Afghanen im Kreis Coesfeld um ihre Verwandtschaft. „Wir stellen fest, dass viele afghanische Menschen im Kreis verunsichert sind“, berichtet Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes Coesfeld.

300 bis 400 Afghaninnen und Afghanen gebe es im Kreis Coesfeld, viele davon mit Verwandtschaft in anderen Teilen des Landes – oder eben in Afghanistan.

Angehörige in „hellster Aufregung“

Bei einigen sei die Kommunikation mit der Familie im Krisengebiet in den letzten Wochen abgebrochen. Diese Menschen seien aufgrund der undurchsichtigen Lage in „hellster Aufregung“, so Schlütermann.

Die Angebote des Wohlfahrtsverbandes erfahren nach seinen Angaben deshalb einen regen Zulauf. Für Geflüchtete bietet das DRK neben sozialer und psychosozialer Beratung auch die Vermittlung von Dolmetschern und Hilfe bei Anträgen. Allerdings fehle es an Personal, um die Anfrageflut zügig bearbeiten zu können.

Anträge für Familienzusammenführungen – also der Nachzug von Familienmitgliedern nach Deutschland – werden von den Behörden zwar weiterhin bearbeitet, können aber in der Praxis nicht durchgeführt werden, sagt Schlütermann. „Alle Prozesse werden überschattet durch die Dramatik der Ereignisse“, merkt der DRK-Chef an.

Ob Evakuierung über die Bundeswehr oder die eigenständige Flucht über einen Drittstaat: Die Familienmitglieder in Deutschland würden teils erst Wochen später erfahren, ob sich ihre Verwandten auf dem Weg befinden – oder sogar bereits im Land sind.

DRK-Chef: Keine Flüchtlingswelle wie 2015

Wenn die Geflüchteten dann ohne Papiere unterwegs sind, könne der Suchdienst des DRK beim Auffinden der Familienmitglieder helfen. „Das wird sicher wieder ein Angebot bei uns werden“, so Christoph Schlütermann.

Priorität habe erst einmal, die Betroffenen aus der Gefahr zu bringen: „Es geht um Hilfe für Menschen in höchster Not.“ Dabei handele es sich auch nur um eine vergleichsweise geringe Zahl an Menschen, die sich in Sicherheit bringen wollten. „Es wird ja keine Flüchtlingswelle wie 2015 geben“, merkt Schlütermann an.

Seine Organisation wäre bereit, wie schon in der Vergangenheit, Einrichtungen für die Aufnahme und Betreuung von Geflüchteten zu betreiben. Dazu müsse der Kreis allerdings einen Auftrag geben. Das Problem: „Es gibt noch keine Erlasse aus Berlin. Da warten wir gerade drauf.“

Kurzfristig gehe es bis dahin aber auch um die Verlängerung oder Aussetzung von Fristen der hier lebenden geflüchteten Menschen. „Es gibt momentan viele ungeklärte Rechtsfragen“, bemängelt Schlütermann. „Wir müssen ein Moratorium finden, um den Leuten die Angst zu nehmen.“ Dabei gehe es unter anderem um Verlängerungen der Arbeitserlaubnis oder um Neubewertung bei den Asylverfahren.

Warten auf Erlasse

In der Stadt Olfen stehen zurzeit keine Familienzusammenführungen an. „Wir sind im Moment nicht betroffen von der Situation in Afghanistan“, sagt Stefanie Benting, Leiterin des Bereiches Arbeit, Soziales, Integration. Ob Geflüchtete aus Afghanistan in nächster Zeit in Olfen untergebracht werden könnten? „Wir haben da keine Informationen.“ Dafür sei es noch zu früh.

Christoph Schlütermann hat in seiner Funktion schon viel mit anderen Menschen über die Situation in Afghanistan gesprochen – auch mit Landrat Christian Schulze Pellengahr. In seiner Behörde warte man ebenfalls auf entsprechende Erlasse der Regierung, ehe gehandelt werden könne. Bis dahin heißt es: „Trösten und Lösungen finden“, sagt Christoph Schlütermann.

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1989 im Ruhrgebiet geboren, dort aufgewachsen und immer wieder dahin zurückgekehrt. Studierte TV- und Radiojournalismus und ist seit 2019 in den Redaktionen von Lensing Media unterwegs.
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Dennis Görlich

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