Schnelle Hilfe rund um die Uhr - mit einer eigenen Rettungswache in Olfen? Was bislang als nicht umsetzbar erschien, könnte bald Realität werden. Noch sind aber einige Fragen zu klären.

Olfen

, 09.08.2019, 12:18 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit Anfang Juni läuft der Test: Die Rettungswache in Olfen an der Otto-Hahn-Straße ist rund um die Uhr besetzt. „Das bleibt auch so bis Ende des Monats“, sagt Christoph Schlütermann, Vorstand des DRK-Kreisverbandes. Und damit länger als ursprünglich vorgesehen. Eigentlich sollte der Versuch bereits Ende Juli beendet werden. Er sei aber um einen Monat verlängert worden, um weitere Daten sammeln zu können, so Schlütermann.

Aus Sicht des Experten „hilft eine reine Strichliste der von Olfen gefahrenen Einsätze nicht.“ Vielmehr gehe es auch um die Einsatzdispositionen der Leitstelle Recklinghausen bei Notfällen in Olfen. Denn die Steverstadt befindet sich in einer besonderen Situation. Immer häufiger - in 2016 beispielsweise 250mal - rücken Rettungswagen aus Datteln aus, um die Hilfsfrist von zwölf Minuten einzuhalten. Dazu kommen weitere Einsätze der Borker Wache - in 2016 etwa 119.

In der zweiten Testphase steht der RTW in Seppenrade

Seit dem Frühjahr 2019 gilt deshalb nach einem Beschluss des Kreistages folgende Regelung: Von morgens 8 bis 21 Uhr sind Personal und Wagen in Olfen. Danach steht der einsatzbereite Wagen in Lüdinghausen. Das ist schon eine Verbesserung der Situation. Früher war es so, dass der „Olfener“ RTW zwischen 21 und 8 Uhr nicht einsatzbereit war.

Der aktuell laufende Test soll zeigen, ob eine 24-Stunden-Wache in Olfen nicht die viel bessere Lösung im Notfall ist, statt den Wagen nachts nach Lüdinghausen zu verlagern. Alternativ kann sich der Kreis Coesfeld vorstellen, den RTW in Seppenrade zu positionieren. Probeweise wird das auch ab September für drei Monate passieren.

DRK-Vorstand Schlütermann sieht Argumente für Olfen

„Einiges spricht aber für Olfen“, sagt DRK-Vorstand Schlütermann - ohne den Ergebnissen vorgreifen zu wollen. Beispielhaft verweist er auf die viel größere Einwohnerzahl von Olfen im Vergleich zu Seppenrade. Sollte sich Ende des Jahres tatsächlich die Politik im Kreis mehrheitlich für eine rund um die Uhr besetzte Wache in Olfen aussprechen, gibt es dringenden Handlungsbedarf.

Das was für eine Übergangszeit gerade noch zumutbar sein mag, kann aus Sicht des DRK-Vorstandes ganz sicher keine Dauerlösung sein. Um den Test möglich zu machen, ist in den Raum an der Otto-Hahn-Straße, der ohnehin schon Küche und Aufenthaltsraum in einem ist, zusätzlich noch ein Bett gestellt worden. Für eine 24-Stunden-Wache erscheint die Wache im städtischen Bauhof damit völlig ungeeignet.

Im Kreis Coesfeld müssen zahlreiche neue Wachen gebaut werden

Damit gibt es direkt die nächste „Herausforderung“. Um den Ende 2018 vom Kreistag verabschiedeten Bedarfsplan umsetzen zu können, müssen zahlreiche neue Wachen gebaut werden - auch die für Lüdinghausen zuständige Wache. Hier hat es nach Aussage von Christoph Schlütermann übrigens eine Kehrtwende gegeben. Ursprünglich war geplant, die Wache an der Selmer Straße (neben dem TÜV) ein weiteres Mal zu erweitern.

Diese Pläne sind allerdings mittlerweile verworfen worden. Jetzt soll, so Schlütermann, in unmittelbarer Nähe auf dem früheren THW-Gelände eine komplett neue Wache gebaut werden. Und zwar möglichst bald. „Aktuell wird eine Wache in Ascheberg gebaut, danach muss Lüdinghausen an der Reihe sein“, sagt Christoph Schlütermann.

In der Nachbarstadt sind die ursprünglichen Pläne verworfen worden

Und bei den Planungen für die neue Lüdinghauser Wache spielt natürlich Olfen eine große Rolle. Bekommt die Steverstadt eine neue Wache, die rund um die Uhr besetzt ist - oder am Ende doch nicht? Sollen Wagen und Personal nachts in Lüdinghausen angesiedelt sein oder doch besser in Olfen? Die Zeit drängt also. Bis Ende des Jahres sollen verlässliche Zahlen vorliegen. Auf dieser Datenbasis müssen die Politiker im Kreis entscheiden.

Bislang hatte der Kreis beim Ausbau des Rettungswesens Olfen eher weniger im Fokus. Im Herbst des vergangenen Jahres betonte die Kreisverwaltung sogar, dass „Olfen kein Wachenstandort ist“. Nur das Fahrzeug sei in Olfen stationiert. Selbst eine Renovierung der Räume im Gewerbegebiet hatte der Kreis seinerzeit nicht auf dem Schirm. Doch jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

In jedem dritten Notfall wurde die Hilfsfrist nicht eingehalten

Die Gründe liegen auf der Hand: Nur in rund zwei Drittel aller Notfälle war nach Auskunft der Coesfelder Kreisverwaltung im Jahr 2018 der Rettungswagen aus Lüdinghausen innerhalb der Hilfsfrist von zwölf Minuten in Olfen. Es dürfte mehr als nur eine Vermutung sein, dass sich dies mit einer 24-Stunden-Wache in Olfen deutlich ändern würde.

Das Thema Rettungswache für Olfen kommentiert Redakteur Thomas Aschwer

Seit Jahr und Tag sind Olfener in Notlagen auf „fremde Hilfe“ angewiesen, müssen jährlich in hunderten Fällen auf einen Rettungswagen aus Bork oder insbesondere aus Datteln warten. Ein gutes Gefühl vermittelt diese Situation nicht. Ja, in Olfen gibt es eine medizinische Erstversorgung durch die Feuerwehr (First Responder), doch sind die Möglichkeiten der Kräfte bei aller Wertschätzung begrenzt.

Für eine sich stark entwickelnde Stadt wie Olfen darf es nur eine Lösung geben - eine Rettungswache, die rund um die Uhr besetzt ist. Und wenn sie räumlich so positioniert würde, dass der RTW von hier aus auch schnell Seppenrade und den Lüdinghauser Westen erreichen würde, wäre alles perfekt. Wenn es um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht, darf es keine schlechten Kompromisse geben.

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