Viele Menschen kamen zur Einführung von Pfarrer Ulrich Franke in die St.-Vitus-Kirche in Olfen. Sein Einstand liegt mittlerweile ein Jahr zurück. © Christoph Reinkober (A)
Kirchengemeinde

Ein Jahr in Olfen: Pfarrer Ulrich Franke über Höhen und Tiefen im Corona-Jahr

Bei seinem Antritt als neuer Pfarrer in Olfen wollte Ulrich Franke mit seiner neuen Gemeinde eine enge Beziehung aufbauen. Eine schwierige Aufgabe in einem Jahr der großen Kontaktverbote.

Wer die Veröffentlichungen über den „Neuen“ in der Olfener Vitus-Gemeine vor rund einem Jahr Revue passieren lässt, der sieht ziemlich schnell, worauf der neue Pfarrer wert legen würde: Er wollte mit seinen neuen Gemeindemitgliedern ins Gespräch kommen, er wollte Beziehungen zu den Menschen aufbauen und pflegen. Nach den Jahren in einer Großgemeinde wollte er den unmittelbaren Kontakt herstellen zu den Menschen. Und wer Pastor Ulrich Franke im ersten Jahr in St. Vitus kennengelernt hat, weiß: Dieses Vorhaben war ernst gemeint. So ist er, Pastor Franke: offen, kontaktfreudig, freundlich. Doch was helfen all diese Eigenschaften, wenn ein Virus daherkommt und diesen hehren Zielen einen kräftigen Strich durch die Rechnung macht.

Aber hat es das geschafft, das Virus? Hat es Pastor Franke ausgebremst? Wir haben ihn getroffen, um über sein erstes Jahr in St. Vitus zu sprechen. Und das zeigt: Trotz der Widrigkeiten seines ersten Jahres hat er es geschafft, ins Gespräch zu kommen mit den Menschen. „Es ist anders“, sagt er, „die Kontakte, die Gespräche sind häufig intensiver.“ Anlass seien in erster Linie anstehende Taufen und Trauerfälle gewesen. „Diese Zeit gibt die Chance, sich intensiver mit den Lebensgeschichten der Gesprächspartner zu beschäftigen. Für viele ist die Situation sehr belastend.“ Es gebe aber auch viele schöne Erlebnisse, sagt Ulrich Franke.

Sein Einstieg in Olfen sei ja zunächst einmal sehr schön gewesen: Der Einführungsgottesdienst am 15. Dezember, als er sich sehr willkommen fühlen durfte, dann die verbleibende Adventszeit, Weihnachten in St. Vitus und St. Marien, ja und dann der Karneval: „Ich fand den Olfener Karneval einfach umwerfend.“ Es hat ihm offensichtlich viel Spaß gemacht. „Ich glaube auch, die Olfener Karnevalisten kommen mit der Absage für 2021 ganz gut klar, weil die Karnevalfeiern Anfang des Jahres die letzten großen Feste waren, die vor dem Lockdown gefeiert werden durften. Das ist eine schöne Erinnerung.“

Während des ökumenischen Pfingstgottesdienstes mischte sich Pastor Ulrich Franke immer wieder unter die rund 350 Besucher.
Während des ökumenischen Pfingstgottesdienstes mischte sich Pastor Ulrich Franke immer wieder unter die rund 350 Besucher. © Maria Niermann (A) © Maria Niermann (A)

Ja – und dann kam er, der Lockdown. Auch in dieser Zeit zeigt sich ganz schnell: Der neue Pfarrer ließ nicht locker. Kaum hatte das Bistum Münster Gottesdienste unter Coronaschutzbestimmungen erlaubt, schon fand in St. Vitus die erste Messe statt. Und dann die Open-Air-Gottesdienste. „Das waren schöne Erlebnisse“, sagt er. Bei diesen Open Air Gottesdiensten sei der Bezug zur Natur deutlich geworden. „Die unkomplizierte Gemeinschaft, die bei diesen Gottesdiensten möglich war, ist wichtig gewesen.“ Nun sei es Aufgabe des Seelsorgeteams, diese positiven Erkenntnisse aus den Außen-Gottesdiensten mit in Überlegungen für weitere Planungen zu nehmen. Ein Zeichen sind dafür die geplanten Open-Air-Weihnachtsgottesdienste. „Egal wie das Wetter an diesen Tagen wird: Wir ziehen das durch – und alle, die kommen wollen, können kommen“, so der Pfarrer. „Gerade an den Weihnachtstagen suchen doch viele das Religiöse, das Mystische. Viele suchen und finden den Kern von Weihnachten beim Gottesdienst. Da bin ich ganz sicher!“ Das sei Grund genug, Weihnachtsgottesdienste möglich zu machen.

Und jenseits von Corona. Was hat Pastor Franke in Olfen vorgefunden, nachdem er sich von der Großgemeinde in Dorsten verabschiedet hatte? Grund für den Weggang aus Dorsten war u.a. der Wunsch, wieder mehr den direkten Kontaktes zu den Menschen herzustellen. Der sei in einer so großen Gemeinde nur schwer möglich gewesen. „Die Belastung war groß. Als Dechant hatte ich zusätzliche Aufgaben.“

In Olfen konnte er dann mit einem unvoreingenommenen Blick auf die Gemeinde zugehen. „Es ist für mich deutlich ruhiger und entspannter.“ Vorgefunden habe er eine lebendige, offene Gemeinde voller Aktivitäten. „Viele Menschen in Olfen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, sie agieren sehr selbständig. Es gibt eine große Tradition von Vereinen. Diese Initiativfreude überträgt sich auf den ganzen Ort.“ Das sei ein riesiges Kapital. In dieses lebendige und initiative Gemeindeleben sei er gut hineingekommen. „Sie haben es mir leicht gemacht.“

Vorgefunden habe er in Olfen auch ein gut zusammenarbeitendes Seelsorgeteam. Das gleiche gelte für die Dienstgemeinschaft. „Das ist eine sehr gute Voraussetzung für ein gutes Miteinander – alle denken mit.“ Ebenso lobt Pastor Franke die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. „Vieles in Olfen hat kurze Wege und ich treffe häufig auf viel Verständnis.“

„Wir dürfen den Auftrag der Kirche nicht vergessen, uns um alle Menschen zu kümmern.“

Ulrich Franke

„Was wir bei all diesem gut funktionierenden Zusammensein nicht übersehen dürfen, sind die Menschen in unterschiedlichen sozialen Milieus oder in sozialen Notlagen“, sagt der Pfarrer zum Ende des Gespräches. „Wir dürfen den Auftrag der Kirche nicht vergessen, uns um alle Menschen zu kümmern.“

Ein zweites Anliegen des Priesters: „Wir müssen uns unseres Glaubens versichern, uns die Frage stellen: Was bedeutet unser Glaube?“ Sein Bestreben sei es, in Glaubens-Bildung zu investieren. „Wir müssen darauf achten, dass die Arbeit in den katholischen Gruppierungen nicht verflacht. Wir sollten über die Bibel, über Zeitgeschichte, Politik, Literatur und vieles mehr sprechen. Wir sollten uns mit kirchlichen Traditionen und den Folgen daraus beschäftigen. Ich glaube, dass wir im Dialog von Glaubensaussagen mit den Fragen der Menschen und dem was heute unter den Nägeln brennt, vieles voranbringen können – auch uns selber.“ Die Menschen der Gemeinde sollten das Gesellige natürlich pflegen. Sie dürften aber auch die Bildung nicht vergessen.

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Ahaus, Heek und Legden am Abend

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