Emily Reuter (15) aus Selm macht ein Praktikum beim Olfener Künstler Heino Blum

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Ein jähes Ende hat das Praktikum der 15-jährigen Selmerin beim Olfener Künstler Heino Blum gefunden. Schuld ist das Coronavirus. Gelohnt hat es sich trotzdem, sagt die Sekundarschülerin.

Olfen

, 17.03.2020, 20:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr Haar ist leuchtend pink, die bis oben hin zugeknöpfte Bluse hat markante schwarz-weiße Streifen, in den Ohren von Emily Reuter baumeln Ohrringe - Engelsflügel in schwarz. Allein schon ihrem Outfit nach könnte die 15-Jährige auch die Heldin einer aktuellen Teenie-Netflix-Serie sein - ein bisschen artsy, ein bisschen düster, auf jeden Fall nicht gewöhnlich. Oder „anders“, wie Emily Reuter es selbst sagt.

„Ich mag dieses 08/15 nicht“, sagt die Sekundarschülerin aus Selm, während sie mitten in der kleinen Olfener Galerie von Heino Blum steht. Mode, so sagt es der Künstler ihr gegenüber, sei eben auch eine Ausdrucksform. Er selbst, so erzählt er, habe als einer der ersten Männer in den siebziger Jahren Hotpants getragen.

Praktikum durch Coronavirus frühzeitig beendet

Herzlich lacht Emily Reuter über diese kleine Info aus der Vergangenheit ihres Mentors - denn das war Heino Blum für sie in den vergangenen zwei Wochen: In dieser Zeit hat sie ihr Schulpraktikum bei ihm abgelegt. Das Coronavirus hat dieser praktischen Erfahrung jedoch jetzt ein jähes Ende bereitet: Nachdem klar war, dass die Schulen deshalb gesperrt werden, mussten auch alle Neuntklässler ihre Berufspraktika abbrechen, Montag war der letzte Tag für die Praktikanten. „Schade“, findet das Emily Reuter, die in Olfen ein ja eher ungewöhnliches Schulpraktikum gemacht hat. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie.

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Ihren Blick lässt sie dabei über die Bilder schweifen, die in der Galerie auf zwei Staffeleien stehen. Es sind die Bilder, die sie während ihres Praktikums gemalt hat. Das eine war mal eine nette Landschaft aus warmen Farben - Emily Reuter hat das Bild übermalt - mit vielen dunklen Farben. Das andere Bild zeigt ein Kind, das in bunt gemusterten Socken an einem blutroten Lolly lutscht - im Hintergrund türmen sich schwarze Schattenmonster. Ein bisschen bedrohlich, ein bisschen psycho, ein bisschen blutig, „dunkel auf jeden Fall“: So beschreibt Emily Reuter ihren Stil. Er steht in einem leichten Kontrast zu ihrem freundlichen Gesicht mit dem offenen Lächeln. Ihre Bilder sprechen aber eben eine etwas andere Sprache.

Künstler

Inspiration holt sich die 15-Jährige - auch außerhalb ihres ungewöhnlichen Praktikums - in Anime-Filmen. Das sind in Japan produzierte Zeichentrickfilme mit reichlich Action. Über den Instagram-Account art_stuff05 veröffentlicht sie die Bilder, die in ihrem Zimmer, das, so erzählt sie, einer kleinen Kunsthöhle gleicht, gemalt hat.

Etwas mehr als zwei Wochen hat Emily Reuter aus Selm bei Heino Blum ein Praktikum gemacht. Wegen des Coronavirus und der Schulsperren musste sie es am Montag allerdings früher abbrechen als geplant.

Etwas mehr als zwei Wochen hat Emily Reuter aus Selm bei Heino Blum ein Praktikum gemacht. Wegen des Coronavirus und der Schulsperren musste sie es am Montag allerdings früher abbrechen als geplant. © Marie Rademacher

Wenn alles gut läuft, so sagt sie, wird die Kunst für sie kein Hobby bleiben. Deshalb das Praktikum bei Heino Blum: Schon seit neun Jahren bietet er Schülerinnen und Schülern an, bei ihm in den Beruf des Künstlers hereinzuschnuppern.

Dass es nicht immer leicht und eher oft schwierig ist, sich mit diesem Beruf über Wasser zu halten, daraus macht er keinen Hehl. Eine wichtige Lektion, die er Emily Reuter mit auf den Weg gegeben hat, ist deshalb: Die Kunst muss ihren Preis haben - von Anfang an. Und Mut müsse sie haben, um diesen Berufsweg einzuschlagen. Er ist eben nicht so einfach wie ein Lehramtsstudium oder eine Klempnerausbildung.

Wie genau es für Emily weitergeht, weiß sie noch nicht. Erst mal möchte sie ihr Abitur machen und dann vielleicht studieren. Dass sie ihren Weg gehen wird, da ist sich Heino Blum sicher - zwar nicht als Heldin einer Netflix-Serie, aber als die ihres eigenen Lebens.

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