Ernst gucken, statt lächeln: Porträt-Ausstellung zur Passionszeit in Olfen

Ausstellung

Aus einem Querschnitt der Gemeinde erstellte das Olfener Künstlerehepaar Zymner eine Ausstellung zum Thema Passion - die „St.-Vitus-Passion 2019“.

Olfen

, 17.03.2019, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ernst gucken, statt lächeln: Porträt-Ausstellung zur Passionszeit in Olfen

Ernst zu schauen ist ihr fremd: Susanne Budde-Niewind machte bei der Fotoausstellung mit. © Antje Pflips

Passion – das Wort beinhaltet Leiden und Leidenschaft. In der Passionszeit von Aschermittwoch bis Karsamstag wird in den christlichen Kirchen das Leiden Christi nachempfunden. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es als volkstümliche Andachtsform 14 Stationen, die den Leidensweg vom Urteil bis zur Hinrichtung darstellen.

Aus Leidenschaft fotografiert Eugen Zymner Menschen aus allernächster Nähe. Ulla Zymner gestaltet Buchstaben und Worte mit Leidenschaft in kalligrafischer Kunst. Diese drei Komponenten gehen mit der Ausstellung „St.-Vitus-Passion 2019“ eine gelungene Komposition ein.

14 Kreuzwegstationen, 14 Porträts, 14 Begriffe. Eugen und Ulla Zymner stellen seit Sonntag großformatige Porträts mit szenenbezogenen Begriffen zu den einzelnen Kreuzwegstationen in der St. Vitus Kirche aus. Nach einem Projekt im Jahr 2018 ist es für das Künstlerpaar Zymner die zweite Arbeit zur Passionszeit mit Olfener Gesichtern – die „St.-Vitus-Passion 2019“.

„Ernst zu schauen, war für mich schwer zu ertragen“

Dabei sahen sich die abgelichteten Personen zum ersten Mal im Bild. Nicht ganz unkritisch, denn auf Anweisung ernst zu blicken, ist nicht für jeden einfach. „Sonst soll man ja immer lächeln, beim Fotografieren. Aber ernst zu schauen, das war für mich schwer zu ertragen“, meinte Susanne Budde-Niewind.

Sich jetzt so zu sehen, findet sie daher eher befremdlich. Dennoch ist sie mit ihrem Foto zufrieden und von der modernen Interpretation des Kreuzwegs sehr angetan. Sie ist das Gesicht an der Station vier: „Jesus begegnet seiner betrübten Mutter“. Eines von 14 Gesichtern, das den Betrachter ohne Mienenspiel anschaut.

Einfach zu finden

Budde-Niewind erzählte, dass sie nicht wusste, für welche Kreuzwegstation sie fotografiert wurde. „Das haben wir im Nachhinein festgelegt“, berichtete Zymner.

Für Lars Eckmann war es der konzentrierte Blick, der ungewohnt war. „Ich sollte einfach und natürlich schauen, ohne jede Mimik“. Hinzu kommen zu jeder Kreuzwegstation Begriffe, die von Ulla Zymner künstlerisch kalligrafisch umgesetzt wurden. „Diese waren einfach zu finden“, erklärte die Olfenerin. Bei der Betrachtung der einzelnen Situation fühlte sie, „wie die Körperlichkeit zu mir rüberkommt.“

Ernst gucken, statt lächeln: Porträt-Ausstellung zur Passionszeit in Olfen

Ulla (l.) und Eugen Zymner zeigen Fotos zum Thema Passion in der St. Vitus-Kirche. Helga Eckmann, Vorsitzende des Pfarreirats, stellte die Künstler vor und das Projekt vor. © Antje Pflips

Vor allem lag ihr daran, einen treffenden Ausdruck für die gezeigte Szene zu finden. In einfachen Worten sollte ein ganzes Gefühlsspektrum erklärt werden. Das sei ihr gut gelungen, urteilten die Mitwirkenden, also auch Helga Eckmann, Vorsitzende des Pfarreirats. „Station, Bild und Wort bilden eine geglückte Kombination“, sagte sie in ihrer Moderation. Ulla Zymner gibt zudem den Tipp, den Begriff laut zu sprechen: „Im Klang hört man die Situation“, bestätigte sie. Es sind Begriffe, wie: vogelfrei, erdenschwer, ertragen, tränenblind, erdrückt oder würdelos.

Querschnitt der Gemeinde

Für die Fotoserie beriet sich Eugen Zymner mit dem Pfarreirat. 14 Personen wurden gesucht, wobei Zymner auf jeden Fall Pfarrer Dieter Hogenkamp, Diakon Karl Herbst und Pastoralreferent Martin Reuter dabei haben wollte, wie er erklärte. Die anderen Vorschläge kamen aus den Gruppen der Messdiener, der Pfadfinder und anderer engagierter Gemeindemitglieder. Helga Eckmann: „Es sollte ein Querschnitt unserer Gemeinde sein“. Beteiligt haben sich Personen zwischen 17 und 88 Jahren.

Alle Fotos, Kreuzwegstationen, Erklärungen und Begriffe sind in einem Bildband zusammengefasst. Er kann bei Eugen Zymner für 30 Euro zum Selbstkostenpreis bezogen werden. Vorab gab es für jeden Teilnehmer eine Kopie seines Porträts. Die Ausstellung ist noch bis Ostern zu sehen.

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