Fachstelle gegen Gewalt an Kindern fehlt im Kreis - warum das auch weiterhin so bleibt

mlzDeutscher Kinderschutzbund

Der Deutsche Kinderschutzbund forderte eine Fachstelle gegen Gewalt an Kindern im Kreis Coesfeld. Der Plan wurde aber abgelehnt - die Art und Weise schockierte eine der Antragstellerinnen.

Olfen, Nordkirchen

, 26.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kinder, die von Gewalt betroffen sind, müssen viele Hindernisse überwinden, wenn sie sich Hilfe holen wollen. Denn im Kreis Coesfeld gibt es keine Fachstelle, die sich um Betroffene kümmert. Mit einer Petition wollte der Kreisverband Coesfeld des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) dieses Problem angehen. Der Antrag wurde jedoch am Dienstag (25. September) vom Kreistag abgelehnt - doch das sorgte nicht mal für die größte Enttäuschung.

„Das Angebot niedrigschwelliger Hilfe- und Unterstützungsangebote für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche weist im Kreis Coesfeld erhebliche Lücken auf“, erklärt der Kinderschutzbund in seiner Petition.

Geplant war eine individuelle und flexible Beratungsstelle

Der Kreisverband Coesfeld des DKSB forderte darin, dass „alle Kinder und Jugendlichen zukünftig die reelle Chance erhalten, sich unkompliziert Hilfe und Unterstützung bei Problemen im Kontext von Gewalt einzuholen“. Darum sollten in allen elf Gemeinden und Städten des Kreises Coesfeld alle zwei Wochen jeweils zweistündige Sprechstunden für betroffene Kinder und Jugendliche stattfinden.

Doch viel wichtiger sei die geplante „individuelle und flexible Beratungsstelle“, erklärt Uta Kerckhoff vom Kreisverband Coesfeld. „Dann könnten wir sofort reagieren, wenn sich ein Kind meldet.“

DKSB hatte mit Ablehnung des Antrags gerechnet

Barbara Freundt von der Kinder- und Jugendhilfe FLOW, die unter anderem in Olfen zwei Wohngruppen für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensverhältnissen betreibt, freute sich vor der entscheidenden Kreistagssitzung am Mittwoch, 25. September, über den Antrag und die Petition: „Das hört sich doch super an.“

Eine solche mobile Fachstelle würde es für Kinder deutlich einfacher machen, sich Hilfe zu holen, sagte sie. „Die Hemmschwelle, bis nach Lüdinghausen zum Jugendamt zu fahren, ist doch größer.“

Doch „die CDU hielt den Antrag für nicht überzeugend“, erzählt Uta Kerckhoff einen Tag nach der Kreistagssitzung. Dass der Antrag abgelehnt werden würde, „damit haben wir gerechnet“. Sie hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn gut argumentiert worden wäre.

Die Begründung der CDU war „unbegreiflich“

Doch sie habe das Gefühl gehabt, dass der Antrag gar nicht richtig verstanden wurde. Die CDU habe die Ablehnung hauptsächlich damit begründet, dass „zwei Stunden nicht ausreichend sind“. Darüber sei sie noch immer „richtig schockiert“. Denn die flexible Beratungsstelle sei viel wichtiger als die regelmäßigen Sprechstunden. Dass die CDU darauf kaum eingegangen war, sei „unbegreiflich“.

Auch Klara Döbbelin-Südfeld, Familienbeauftragte der Gemeinde Nordirchen, freute sich über den Vorstoß der DKSB. „Grundsätzlich sind ein umfangreiches Hilfsangebot und Präventionsmöglichkeiten immer wünschenswert“, sagt sie. In Nordkirchen seien ihr aus den vergangenen Jahren zwar keine Fälle von Gewalt an Kindern bekannt, doch „das heißt natürlich nicht, dass es keine Fälle gibt“.

Lehrer und Erzieher werden immer besser geschult

Barbara Freundt glaubt ebenfalls, dass viele Fälle gar nicht bekannt werden, da sich nicht an die entsprechenden Behörden oder Fachstellen gewendet wird. „Ich habe das Gefühl, dass es eine große Dunkelziffer gibt“, sagt sie.

Sollte sich in Nordkirchen aber ein Betroffener an das Familienbüro wenden, „würde nach der ersten Akutberatung der Kontakt zu entsprechenden Fachstellen hergestellt werden“, erklärt Döbbelin-Südfeld.

Dass sich in den vergangenen Jahren allerdings niemand in einem solchen Fall an das Familienbüro gewendet hat, liege womöglich an der guten Ausbildung von Lehrern und Erziehern. „Ich denke, dass die Fachkräfte in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen inzwischen sehr sensibilisiert sind und ausreichend vernetzt sind, um die entsprechenden Stellen einzuschalten.“

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