Im Shutdown bleiben viele Fahrschulfahrzeuge in der Garage - obwohl das Land NRW Fahrten und Prüfungen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. © picture alliance / dpa
Fahrschule

Fahrschulen könnten für Prüfung öffnen – machen es aber nicht

Der Frust bei vielen Fahrschülern ist groß: Ihre Prüfung war terminiert, dann kam der Shutdown. Zwar hat das Land eine Ausnahmeregelung erlassen, aber die hilft oft nicht wirklich weiter.

Sandra Tittmann von „Heiners Fahrschule“ in Olfen hat Mitleid mit ihren Fahrschülerinnen und Fahrschülern. „Für junge Menschen ist das ganz schlimm, dass sie keinen festen Termin für ihre Prüfung haben.“ Doch sie räumt gleichzeitig ein, dass es ein ganz sensibles Thema sei. „Wir haben auch Verantwortung gegenüber unseren Eltern.“ Seit dem 16. Dezember ist Heiners Fahrschule auch deshalb komplett dicht.

Dabei gibt es eine Ausnahmeregeln in Nordrhein-Westfalen, die eine Teilöffnung der Fahrschulen erlaubt. Fahrschüler, die bereits mehr als die Hälfte der verpflichtenden Ausbildungsstunden absolviert haben, dürfen ihre Ausbildung einschließlich der Prüfung abschließen. Einzige Einschränkung: Beim praktischen Fahrunterricht besteht die Pflicht, eine Maske mit FFP2-Schutzstandard zu tragen.

Fahrlehrerverband hat klare Forderung an die Politik

Eine „Handvoll“ Fahrschüler wäre laut Sandra Tittmann in Heiners Fahrschule unter diese „Ausnahmeregelung“ gefallen – und muss sich jetzt dennoch gedulden. Deutlich mehr sind es bei der Fahrschule Kroiher mit Standorten in Olfen, Selm, Nordkirchen und Ascheberg. Hier standen rund 25 Fahrschülerinnen und Fahrschüler kurz vor der Prüfung. Dazu kommen weitere 28 junge Menschen, die kurz vor der Theorieprüfung standen. Stefan Kroiher und sein Team blicken deshalb gebannt darauf, was die Politik jetzt entscheidet.

Wenn es nach Gernot Kempkes geht, muss die Ampel entweder auf komplett Rot oder Grün springen. Der Unterbezirksleiter Kreis Coesfeld im Fahrlehrerverband macht sich stark für „eine klare Ansage“. An der aktuellen Regelung übt der Fahrschulinhaber deutliche Kritik. „Es gibt einen enormen Beratungs- und Erklärungsbedarf.“ Kempkes kann nachvollziehen, dass die „Fahrschüler schnell fertig werden wollen.“

Aber auch Fahrschulen seien daran interessiert, das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten. Wie auch die Olfener Fahrschulen macht sich auch Gernot Kempkes für Regelungen stark, die nicht in wenigen Wochen wieder geändert werden. „Entweder Schulen auf oder komplett zu“, so der Unterbezirksleiter.

Wie der Fahrlehrerverband NRW festgestellt hat, geht es bei vielen Fahrschule mittlerweile ums Überleben. „Viele melden sich hier und klagen ihr Leid, dass es langsam eng wird“, sagt Friedel Thiele, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes NRW mit 41 Unterbezirken und rund 1650 Mitgliedern.

Fahrschule lobt die „sehr besonnenen Jugendlichen“

„Die Fahrschüler stehen im Vordergrund“, heißt es bei der Fahrschule Kroiher in Olfen. Sie hat den Shutdown dazu genutzt, einen Online-Unterricht auf die Spur zu setzen. „Wir sind in den letzten Vorbereitungen und wollen in den nächsten Tagen online gehen“, lautet die Ansage. In Zoom-Konferenzen sollen die Fahrschüler dann online in der Theorie ausgebildet werden.

Einen Weg, den Heiners Fahrschule aktuell nicht gehen möchte. „Der Vor-Ort-Unterricht ist die bessere Variante“, sagt Sandra Tittmann. Die Fahrschule habe vor der erneuten Einschränkung damit gute Erfahrungen gemacht. „Alle Fahrschülerinnen und Fahrschüler haben sich an die Regeln gehalten. Die Jugendlichen sind sehr besonnen.“ Dazu habe auch gehört, dass Jugendliche eine Verschiebung der Fahrstunde vorgeschlagen hätten, weil sie erkältet gewesen waren. Es sei auch niemand böse gewesen, wenn Unterricht ausgefallen ist.

Sandra Tittmann macht sich keine Sorgen, dass Fahrschüler nach einer längeren Pause Probleme beim Wiedereinstieg in den praktischen Unterricht haben. „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.“ Nach ihrer Einschätzung müssen sich die Jugendlichen und ihre Eltern keine Sorgen machen, dass die aktuelle Pause die Kosten für den Führerschein deutlich in die Höhe treiben.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer

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