Umgestürzte Bäume, Brände, Unfälle: Die Feuerwehr Olfen muss auf Herausforderungen aller Art vorbereitet sein. Rund um die Uhr. 365 Tage im Jahr. Wie geht das im Ehrenamt?

Olfen

, 14.02.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Donnerstagabend, Feuerwehrgerätehaus. Geschäftige Betriebsamkeit. In ihrer Freizeit kontrollieren die Mitglieder Geräte, reparieren, rüsten Fahrzeuge auf. Gewissenhaft. Beim nächsten Einsatz könnte das Leben von Menschen davon abhängen. Auch ihr eigenes.

Was die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hier leisten, bekommen die wenigsten Bürger mit. Zumindest nicht im Detail. Dabei ist der Aufwand gewaltig. „Die Reinigung eines Atemschutzgerätes nach einem Einsatz ist sehr aufwendig“, sagt Thomas Michels, der zusammen mit Markus Pöter die Freiwillige Feuerwehr Olfen leitet.

Ehrenamt soll in Zukunft etwas entlastet werden

Michels und Pöter veranschlagen rund 90 Minuten, bis ein einziges Atemgerät nach einem Einsatz komplett gereinigt ist und wieder bedenkenlos genutzt werden kann. Ein gewaltiger Zeitaufwand, der neben vielen anderen Aufgaben ehrenamtlich nicht mehr gestemmt werden kann.

Einstimmig hat sich deshalb die Politik für eine Zusammenarbeit mit der Stadt Lüdinghausen ausgesprochen. Geplant ist, dass Lüdinghausen eine zusätzliche Stelle bei der Feuerwehr einrichtet, um die Freiwilligen bei Atemschutzgeräten und anderen Aufgaben wie TÜV-Kontrollen oder Prüfpflichten zu entlasten.

Die Städte Olfen und Lüdinghausen wollen sich Stelle teilen

Die Kosten für die Stelle teilen sich die beiden Städte zu je 50 Prozent. Zu tun bleibt für die Feuerwehr in Vinnum und Olfen mit ihren insgesamt 65 Aktiven auch so mehr als genug. Pöter und Michels verweisen beispielhaft auf die Schlauchpflege. Natürlich kann beim Einsatz niemand darauf Rücksicht nehmen, ob Schläuche dreckig werden.

Nach jedem Einsatz müssen die Gerätschaften überprüft und immer wieder auch repariert werden. Dazu werden auch kleinste Ecken genutzt.

Nach jedem Einsatz müssen die Gerätschaften überprüft und immer wieder auch repariert werden. Dazu werden auch kleinste Ecken genutzt. © Thomas Aschwer

Klar ist aber auch, dass nach jedem Einsatz die 15 (C-Schlauch) oder 20 Meter (B) Schläuche gereinigt und vor allem auch kontrolliert werden müssen. Weil diese Arbeiten nicht in Olfen möglich sind, müssen die Schläuche immer zur Wäsche gebracht - und wieder abgeholt werden.

Kontaminierte Kleidung wird in speziellen Waschmaschinen gereinigt

Ähnlich sieht es bei der Einsatzkleidung aus, die vor allem nach Brandeinsätzen oft kontaminiert ist. Sie wird in spezielle Säcke verpackt, die sich erst beim Waschen in einer Industriewaschmaschine auflösen.

Wichtig ist, dass die schweren Einsatzjacken und -hosen schnell wieder in Olfen sind. Jedes aktive Mitglied verfügt nur über eine einzige Jacke und eine Hose. Dazu kommen einige wenige Ersatzjacken und -hosen.

Verbunden sind viele Aufgaben mit Fahrten, die auch im Ehrenamt übernommen werden müssen. Wassertanks auffüllen, Fahrzeuge waschen und auftanken, Streu- und Ölbindemittel nachladen, Geräte überprüfen und reparieren - die „To-Do-Liste“ scheint unendlich lang.

Prüfpflicht ist großes Thema bei der Freiwilligen Feuerwehr

Ein weiteres großes Thema ist bei der Feuerwehr die Dokumentations- und Prüfpflicht. Im Gegensatz zu Autos, die nur alle zwei Jahre zum TÜV müssen, gibt es auf den Fahrzeugen Geräte mit einer halbjährlichen Prüfpflicht. Mitglieder der Wehr absolvieren Lehrgänge, um viele Aufgaben überhaupt erledigen.

„Wir sind kein Verein, sondern eine Abteilung der Stadt - wie beispielsweise der Bauhof“, sagt Thomas Michels. Mit einem entscheidenden Unterschied. Wenn die Aufgaben nicht im Ehrenamt übernommen würden, würden laut Michels „enorme Kosten“ auf die Stadt zukommen.

Flächen zwischen den Fahrzeugen werden zu klein

Gefordert sein wird die Stadt aber auf jeden Fall: Die Fahrzeuge werden immer größer, die Aufgaben vielfältiger. „Es müssen Veränderungen stattfinden“, betonen unisono Thomas Michels und Markus Pöter mit Blick auf die räumliche Situation im Gerätehaus. Die Feuerwehr sei natürlich gewachsen, die verfügbare Fläche ausgereizt, betonen die Verantwortlichen. Mittlerweile seien die „Flächen zwischen den Fahrzeugen zu klein.“

Aufgaben gibt es reichlich, doch neue Aktive kann die Feuerwehr nicht aufnehmen. Alle Spinde sind belegt.

Aufgaben gibt es reichlich, doch neue Aktive kann die Feuerwehr nicht aufnehmen. Alle Spinde sind belegt. © Thomas Aschwer

Die nächste Veränderung kündigt sich bereits an. Für das Jahr 2021 ist die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs (Gerätewagen-Logistik) fest geplant. Wie akut die Raumnot bei der Olfener Feuerwehr bereits heute ist, zeigt ein Blick in die Mini-Kleiderkammer. Wenn sich zwei Personen in dem Räumchen befinden, ist die Kammer fast schon überfüllt.

Feuerwehrleitung: „Man muss über neue Konzepte nachdenken“

Auch in der Fahrzeughalle nutzt die Feuerwehr bereits jede freie verfügbare Fläche. Auch in der Höhe. Um bestimmte Gegenstände nutzen zu können, müssen Leitern oder Hubwagen herangeschafft werden. „Man muss deshalb über neue Konzepte nachdenken“, sagen die Verantwortlichen.

Im Blick haben sie dabei auch die dynamische Entwicklung der Steverstadt. Olfen wächst. So siedeln sich in den nächsten Jahre große Firmen wie Kordel oder Mercedes Schopp in Olfen an. Für die Feuerwehr bedeutet dies ein weiteres Plus bei den Aufgaben.

„Die Einstellung von Bürgern hat sich geändert

Ohnehin ist die Zahl der Einsätze in den vergangenen Jahren gestiegen. Aus Sicht der Verantwortlichen eine Folge einer veränderten Einstellung der Bürger. Wenn früher Äste auf die Straße gefallen seien, hätten die Bürger sie weggenommen. „Heute rufen sie die Feuerwehr“, sagt Michels.

Aus seiner Sicht sei die Wahrnehmung bei vielen Bürgern nicht da, dass die Mitglieder die Feuerwehr die Arbeiten freiwillig machen - „und ohne Bezahlung“.

Neue Aktive kann die Feuerwehr aber aktuell nicht aufnehmen. Alle Spinde sind belegt. Zusätzliche Spinde können in der rappelvollen Umkleide nicht aufgestellt werden.

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