First Responder in Olfen: Die Idee entstand durch eine Baustelle auf der B 235

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Wenn absehbar ist, dass der Rettungswagen nicht schnell genug zur Stelle sein wird, kommen sie zum Einsatz: die First Responder. Aber: Wie wird man eigentlich so ein Notfall-Helfer?

von Andre Braune

Olfen

, 02.02.2020, 18:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Das funktioniert Hand in Hand. Das ist eine Runde Sache. Im Jahr 2000 gab es in Olfen einen schweren Unfall. An der Einsatzstelle vor Ort fehlte der Feuerwehr das medizinische Equipment und Know-How. 2001 wurde auf der B 235 eine Baustelle eingerichtet. Dies hatte zur Folge, dass die Hilfsfristen nicht mehr eingehalten werden konnten“, erklärt Karsten Nieländer von der Feuerwehr Olfen. Zwei entscheidende Punkte um im Jahr 2001 den Startschuss für das First Responder-System zu geben.

„Anfangs wussten wir gar nicht genau, was auf uns zu kam. Das System hat sich seitdem hier sehr bewährt. Ursprünglich war es nur kurzfristig bis zum Ende der Baustelle angedacht. Mittlerweile läuft es nunmehr fast seit 20 Jahren und das sehr erfolgreich“, so Nieländer weiter. Am Wochenende ging wieder ein Lehrgang mit neuen First Respondern - oder Notfallhelfern wie sie im Amtsdeutsch heißen - in den Endspurt.

Auch drei Frauen machten mit bei Lehrgang

Am Sonntag stand für die insgesamt 19 Teilnehmer die Abschlussprüfung, bestehend aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil, an. Zehn Teilnehmer kommen aus Havixbeck, neun weitere aus Olfen. Und von „Männerjob“ kann auch keine Rede sein. Zwar überwiegt der Anteil der männlichen Kameraden, allerdings nehmen am Kurs auch eine angehende Notfallhelferin aus Havixbeck und zwei Frauen aus Olfen teil. Insgesamt umfasste der Lehrgang 80 Stunden und sattelt auf dem 16-stündigen Ersthelferlehrgang auf.

In Olfen und Havixbeck ist die Ausbildung der First Responder bei den Feuerwehren angegliedert und wird vom Kreis Coesfeld unterstützt. „Feuerwehreinsätze sind keine medizinischen Einsätze“, so Lehrgangsleiter Ralf Papajewski von der Feuerwehr Olfen. In den 80 Unterrichtsstunden stehe die medizinische Ausbildung im Mittelpunkt, sodass den Menschen vor Ort geholfen werden kann.

First Responder in Olfen: Die Idee entstand durch eine Baustelle auf der B 235

Die Ausrüstung für den Notfall ist immer im Auto. © Andre Braune

First Responder werden von der Kreisleitstelle alarmiert und das immer dann, wenn die üblichen Hilfsfristen durch den Regelrettungsdienst - zum Beispiel weil ein Rettungswagen bei einem anderen Einsatz gebunden ist - nicht eingehalten werden können. „Die therapiefreie Zeit soll so gering wie möglich gehalten werden“, so Papajewski. Die Notfallhelfer sind Bindeglied zwischen Ersthelfer und Rettungsdienst. Die Tätigkeit als First Responder ist ehrenamtlich. Die Lehrgänge finden ausschließlich an Wochenenden statt und das zusätzlich zu den regulären Ausbildungseinheiten zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau.

So wenig theraphiefreie Zeit wie möglich

First Responder leisten aber auch bei Feuerwehreinsätzen Unterstützung. „Aufgrund ihrer Kenntnisse können diese speziell ausgebildeten Kameraden der Feuerwehr an Einsatzstellen bereits bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die therapiefreie Zeit am Patienten überbrücken und den medizinischen Part übernehmen“, so Christoph Riße, Pressesprecher der Feuerwehr Olfen.

First Responder in Olfen: Die Idee entstand durch eine Baustelle auf der B 235

Ein Gruppe hat sich am Wochenende zu First Respondern ausbilden lassen. © Andre Braune

Wenn alle 19 Teilnehmer am Sonntag die Prüfung bestehen, gibt es in Olfen bereits 35 First Responder. Üblicherweise fahren immer drei, gelegentlich auch mal zwei Notfallhelfer zum Einsatz. Nach Alarmierung treffen sie sich an der Feuerwehrwache, ziehen ihre Einsatzkleidung an und fahren dann zusammen mit dem First Responder Einsatzwagen zum Einsatzort. „Trotzdem sind sie dann noch drei bis vier Minuten schneller als der Rettungsdienst“, ergänzt Christoph Riße.

Die Helfer können sich so auch untereinander beim Tragen der Nofallrucksäcke oder bei einer Reanimation unterstützen und ablösen. Außerdem wisse keiner, was ihn tatsächlich vor Ort beim Patienten erwarte. Karsten Nieländer freut sich über neue Helfer: „Es wird für jeden einfacher“, erklärt er. „Sie entlasten sich zusagen untereinander. Wenn du einen Dienst übernimmst, verpflichtest du dich, an dem Tag in Olfen zu bleiben. Mal eben nach Lüdinghausen fahren zum Einkaufen, geht dann nicht. Angst, dass die First Responder nicht zum Einsatz kommen, muss keiner haben.“

First Responder in Olfen: Die Idee entstand durch eine Baustelle auf der B 235

Zur Ausbildung gehört ein Theorie- und ein Praxisteil. © Andre Braune

Auch nachdem der Rettungswagen jetzt 24 Stunden in Olfen vor Ort besetzt ist, sehen Nieländer, Papajewski und Riße die Notwendigkeit der First Responder. „Auch dieser Rettungswagen steht nicht immer bereit, wenn er zum Beispiel bereits zu einem anderen Einsatz gerufen wurde. Es handele sich ja nicht um ein zusätzliches Fahrzeug. Der Rettungswagen habe nur seinen Standort verlagert und werde zudem nicht nur in Olfen zum Einsatz kommen. „Die First-Responder-Einsätze werden insgesamt weniger werden, aber sie werden weiterhin noch da sein“, so die Einschätzung von Karsten Nieländer.

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