Folter am Kanal: Teenagern droht lange Haft

"Menschenverachtende Tat"

Im Folterprozess von Münster müssen sich die drei angeklagten Teenager aus Lünen, Nordkirchen und Ascheberg auf lange Gefängnisstrafen einstellen. Der Staatsanwalt hat am Donnerstag siebeneinhalb, sechs und fünf Jahre Jugendhaft beantragt. Wörtlich sagte er: "Die Tat war menschenverachtend."

MÜNSTER/LÜDINGHAUSEN

15.12.2016, 13:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Tatort liegt in der Nähe der Eisenbahnbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal. Im Gebüsch fand sich am Freitag, 2. Dezember, noch ein letzter Rest der rot-weißen Polizeiabsperrung.

Der Tatort liegt in der Nähe der Eisenbahnbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal. Im Gebüsch fand sich am Freitag, 2. Dezember, noch ein letzter Rest der rot-weißen Polizeiabsperrung.

Die härteste Strafe soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gegen die 17-jährige Schülerin aus Ascheberg verhängt werden. Sie habe ihre beiden mitangeklagten Freunde aus Nordkirchen und Lünen mit einer Vergewaltigungs-Lüge mit ins Verderben geführt, hieß es am Donnerstag. Diese Lüge habe sie bis zuletzt aufrecht erhalten - um den Preis eines Menschenlebens. Der mögliche Tod des Opfers sei ihr völlig gleichgültig gewesen.

"Was da passiert ist, war blinde Rache", sagte Staatsanwalt Ralf Tyborczyk. "Das hatte nichts ist christlicher, abendländischer Kultur zu tun. Das war tiefstes Mittelalter." Der 20-jährige Azubi aus Münster sei in einen Hinterhalt gelockt und über einen Zeitraum von zwei Stunden gefoltert worden. Das sei ein echtes "Martyrium" gewesen. Dass er überhaupt überlebt habe, sei vor allem einer Gruppe von Nachtanglern zu verdanken. "Das waren Leute mit Zivilcourage", so Tyborczyk. "Vor ihnen kann man nur den Hut ziehen.

Gründe für die verschiedenen Strafanträge:

Die unterschiedlichen Strafanträge für die beiden angeklagten 18 und 19 Jahre alten Angeklagten hat der Anklagevertreter so begründet: Der Jüngere, gegen den sechs Jahre Jugendhaft verhängt werden sollen, hat dem bereits schwer verletzten Opfer die lebensgefährlichen Schnitte an Hals, Bauch und Arm versetzt, die fast zum Tod geführt hätten. Der 19-Jährige, der nach Ansicht des Staatsanwalts mit einem Jahr weniger davon kommen soll, habe zwar die Folterwerkzeuge (u.a. einen Totschläger) gekauft, aber nach seiner Festnahme als erster sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt und große Reue gezeigt.

Die 17-Jährige hatte ihren zwei Freunden erzählt, dass sie von dem späteren Opfer vergewaltigt worden sei. Die hatten daraufhin Rache geschworen. Tatsächlich war die angebliche Vergewaltigung ein Seitensprung gewesen. Die Urteile sollen voraussichtlich in der kommenden Woche gesprochen werden.

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