Die Geschichte der Bürgerschützengilde ist die Geschichte der Menschen, die sie geprägt haben und noch prägen. Die Bedeutung einer bestimmten Personengruppe ist spät gewürdigt worden.

Olfen

, 05.09.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der jüngeren Vereinsgeschichte, auch festgehalten im 504 Seiten starken Buch von Johannes Leushacke und Christoph Krursel, haben Frauen gezeigt, dass sie die Männerdomäne Schützenverein aufbrechen können. Entsprechend ist ein ganzes Unterkapitel den Frauen in der Bürgerschützengilde gewidmet.

Die Autoren Johannes Leushacke und Christoph Krursel schreiben, „dass sich Schützenvereine für Frauen öffneten und ihnen heute deutlich mehr Möglichkeiten im Verein einräumen als noch im 19. oder 20. Jahrhundert.“

Frauen im Schützenverein: Vom Blumenmädchen zur Königin

1992, eine Premiere: Erstmals nimmt die 1990 gegründete Damenabteilung an einem Schützenfest teil. © Repro Brede

Auch in der Bürgerschützengilde Olfen gibt es seit 1990 eine eigene Damenabteilung.

Immer sei die Position von Frauen in Schützenvereinen auch abhängig von den Frauenbildern der Gesellschaft gewesen. Als passive Mitglieder seien Frauen, meistens Ehefrauen von Schützen, bereits in spätmittelalterlichen Schützengilden anzutreffen gewesen, zum Beispiel in Coesfeld. Sie nahmen demnach als Gäste an Feierlichkeiten teil oder engagierten sich im religiös-caritativen Bereich.

Repräsentative Rolle

„Frauen nahmen im 19. Jahrhundert als ,ästhetischer Anziehungspunkt‘, als Verkörperung einer Region oder auch als Blumenmädchen an Festumzügen teil“, schreiben die Autoren. Sie überreichten häufig Ehrenpreise. Das Schießen habe man den Frauen in jener Zeit noch nicht erlaubt. In einem Zitat aus der Deutschen Schützen- und Wehr-Zeitung aus dem Jahr 1883 heißt es unter anderem, Frauen sollten sich damit begnügen, sich an „der Kraft und Geschicklichkeit der Männer zu ergötzen“.

Jetzt lesen

Doch nach und nach begannen Vereine eine Königin zu wählen und einen Hofstaat einzurichten. Die Königin erhielt laut der Autoren mit der Krone oder dem Diadem eigene Insignien. Es blieb zunächst bei der repräsentativen Rolle.

Für die Bürgerschützengilde Olfen lassen sich, so haben es die Autoren recherchiert, die ersten Königinnen im 19. Jahrhundert nachweisen. Nachweisbar sei 1868 Maria Hellmann Schützenkönigin in Olfen gewesen. Seit 1990, so steht es im Buch, seien die Königinnen während ihrer Regentschaft auch automatisch Mitglied mit Stimmrecht in der Bürgerschützengilde Olfen. Erste Scheibenkönigin wurde übrigens im Jahr 1882 Ottilia Vahle.

Erst seit den 1960er Jahren haben Frauen in den Vereinen eine aktivere Rolle übernommen, schreibt das Duo Leushacke/Krursel. Eine Veränderung, die nicht zuletzt durch sich verändernde Rollenbilder der Gesellschaft möglich geworden sei. Gerade in Musikzügen und schießsportlichen Abteilungen hätten Frauen deutlich früher eine aktive Position einnehmen können als in rein traditionellen Schützenvereinen.

Sülsen war Vorreiter

In der Bürgerschützengilde Olfen haben Frauen laut Krursel und Leushacke seit den 1960er Jahren unregelmäßig an Biwaks, Königsbällen oder auch Generalversammlungen teilgenommen. Ende der 1980er Jahre habe es Bemühungen gegeben, Frauen aktiver in das Vereinsleben einzubeziehen.

Deutlich früher seien Frauen in den Schützenverein Sülsen integriert worden. 1965 sei dem Antrag der damaligen Schützenkönigin Agnes Himmelmann auf Vereinsmitgliedschaft stattgegeben worden. Sie sei später auch in den Vorstand aufgerückt.

1977 erlebte das Olfener Schützenwesen eine Premiere: In Sülsen gelang Helene Kottisch der Königsschuss. Sie war damals die erste Königin in Olfen, „die ihre Königinnenwürde aus eigener Hand erringen konnte“, heißt es im Buch der Gilde.

Seit den 1980er Jahren ermöglichten dann viele Satzungen von Schützenvereinen Frauen auch eine Vollmitgliedschaft im Verein. 1989 äußerten Frauen in Olfen den Wunsch, dauerhaft in der Bürgerschützengilde aktiv zu sein und eine eigene Frauengruppe innerhalb des Vereins zu gründen. 15 Frauen kamen dann am 21. November 1990 zur Gründungsversammlung.

1992: Erstmals Parade mit Damenabteilung

Beim Schützenfest 1992 - so kann man im Buch lesen - nahm die Damenabteilung erstmals an der Parade teil. Schon in den Jahren zuvor hatte sie eigene Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Die Frauen erhielten eigene Uniformen.

Frauen im Schützenverein: Vom Blumenmädchen zur Königin

Schützenfest 1994: Wie selbstverständlich nimmt die Damenabteilung am Festzug teil. © Repro Brede

Seit 1994 können die aktiven Mitglieder der Damenabteilung auch offiziell am Vogel- und Scheibenschießen teilnehmen. Die erste und bisher einzige regierende Königin wurde im Jahr 2003 Hedwig Schaten als Scheibenkönigin.

Das Buch über die Geschichte der Bürgerschützengilde Olfen widmet in diesem Unterkapitel zehn Seiten dem Thema Frauen im Schützenverein.

Buch für 29 Euro zu erwerben

Das Buch „1682 - Stadt & Land ... Hand in Hand“ ist in einer Auflage von 500 Stück erschienen. Intern ist es am 30. August den Schützen vorgestellt worden. Offiziell wird es während des Stadtkaiserschießens am 14. September präsentiert.

Das Buch gibt es jetzt schon zu kaufen. Und zwar im Geschäft „Buch, Büro, Schreiben & Schönes“ (BBS), Zur Geest. Zusätzlich noch bei der Sparkasse Olfen, Zur Geest, und bei der LVM Olfen, Zur Geest.

Und auch beim Vorstand der Bürgerschützengilde kann man es erwerben.

Das Buch kostet 29 Euro.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt