Friedhof-Besucher stehen häufig vor verschlossenen Toilettentüren

mlzÖffentliches WC

Ob Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen oder Stadtbesucher: Der Gang zur Toilette ist unvermeidbar, doch kein WC ist in Sicht. Oder verschlossen – wie auf dem Friedhof.

Olfen

, 30.01.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Anfrage von Klaus Pohl (SPD) im Bau- und Umweltausschuss am Dienstagabend zeigte, wie schwierig die Situation in der Stadt ist. Zu den Öffnungszeiten des Rathauses (inklusive des Wochenmarktes) haben die Menschen, die dringend zur Toilette müssen kein Problem: Sie können das WC im Rathaus nutzen. Das ist absolut zentral gelegen und gut erreichbar.

Diese Toilette hilft allerdings nicht den Menschen weiter, die sich gerade auf dem Friedhof befinden, Gräber von Verwandten und Freunden besuchen oder pflegen und vielleicht schon eine längere Anreise haben. Sie finden am Eingang zur Trauerhalle zwar ein Hinweisschild auf das öffentliche WC, werden jedoch nur wenige Sekunden später bitter enttäuscht. Die Toilettentüren sind verschlossen. Meistens jedenfalls.

Bürger sprechen Thema bei Sprechstunden an

Bei Beerdigungen und in der Zeit vor Allerheiligen öffnet die Stadt die Türen zu den Toiletten. Aber nur dann. Bürgermeister Wilhelm Sendermann begründete im Ausschuss dieses Vorgehen mit den schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit. Die Toiletten seien immer wieder verdreckt gewesen. „Wir wollen aber bei Beerdigungen gute Gastgeber sein.“ Und das ist recht häufig der Fall. Jährlich gibt es in Olfen rund 150 Bestattungen. Aber es gibt auch viele Tage ohne Öffnungszeiten.

Im Olfener Rathaus gibt es eine Toilette, die die Bürger nutzen können.

Im Olfener Rathaus gibt es eine Toilette, die die Bürger nutzen können. © Arndt Brede (Archiv)

„Es tut mir sehr leid“, sagte Sendermann dazu und berichtete von Gesprächen mit Bürgern über dieses Thema bei Bürgermeistersprechstunden.

Dass die Stadt, wie von Klaus Pohl vorgeschlagen, doch noch mal einen Versuch startet, sieht Sendermann nicht unbedingt. „Wir wollen die Sauberkeit gewährleisten.“ Das Problem mit verdreckten Toiletten ist dabei kein spezifisches Olfen-Problem. Auch andere Städte und Gemeinden haben sich erfolglos an einer Lösung versucht – und sind in vielen Fällen am Versuch sauberer öffentlicher Toiletten gescheitert.

Stadt Olfen arbeitet weiter an der „Netten Toilette“

Inzwischen gehen deutschlandweit mehr als 150 Städte und Gemeinden einen anderen Weg. Sie setzen auf die „Nette Toilette“. Von Bremen bis Kiel, von Freiburg bis Würzburg. Und auch in der Nachbarstadt Lüdinghausen signalisieren seit geraumer Zeit Aufkleber den Passanten, dass sie in dem gekennzeichneten Café, der Bankfiliale oder der Modeboutique kostenlos auf die Toilette gehen dürfen. Auch Olfen könnte sich diesen Weg gut vorstellen.

In mittlerweile mehr als 150 Städten und Gemeinden gibt es sogenannte Nette Toiletten. Es handelt sich dabei Cafés, Bankfilialen oder Modeboutiquen in den jeder kostenlos auf die Toilette gegen darf.

In mittlerweile mehr als 150 Städten und Gemeinden gibt es sogenannte Nette Toiletten. Es handelt sich dabei Cafés, Bankfilialen oder Modeboutiquen in den jeder kostenlos auf die Toilette gegen darf. © picture alliance/dpa

Allerdings ist die Resonanz bislang nicht wie erhofft. „Wir arbeiten weiter daran“, sagt Sendermann. Die Diskussion um das öffentliche WC will die Verwaltung auf jeden Fall aufgreifen, wenn in den nächsten Jahren das Rathaus um- und ausgebaut werden soll. Dann könnte die öffentliche Toilette für Olfen-Gäste sicherlich deutlich besser sichtbar werden. Den Friedhof-Besuchern könnte der Weg allerdings im Fall der Fälle deutlich zu weit sein.

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