„Früher waren die Kirchen voll“

Ehemaliger Diakon erinnert sich

40 Jahre ist es inzwischen her, dass Karl Herbst zum Diakon geweiht wurde und er in Olfen tätig war. Seit 2006 ist er Pensionär. Was hat sich in 40 Jahren Kirche verändert?

Olfen

23.12.2017, 05:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gern erinnern sich Aloisia und Karl Herbst an die Diakonenweihe vor mehr als 40 Jahren im Hohen Dom zu Münster. Die Fotos zeigen, wie es damals war.Foto Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Gern erinnern sich Aloisia und Karl Herbst an die Diakonenweihe vor mehr als 40 Jahren im Hohen Dom zu Münster. Die Fotos zeigen, wie es damals war.Foto Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Viele Jahre hat sich der heute 86-Jährige nach seiner Weihe in der Olfener Pfarrei St. Vitus neben seinem Beruf als Konrektor an der Pestalozzischule, einer Förderschule mit Schwerpunkt Lernen und Sprache in Datteln, engagiert.

Unter anderem dort, wo Unterricht gefragt war. „Ich war beispielsweise in der Erstkommunion-Katechese tätig. Dazu kamen aber auch Taufgespräche und Beerdigungen.“ Viel Freude habe ihm dieser Dienst bereitet, den er aus einer inneren Überzeugung und Glaubensfestigkeit getan habe. „Gern habe ich auch in den Gottesdiensten gepredigt. Aber so eine Predigt auszuarbeiten, war immer sehr aufwendig.“

Informationstag

Aus dieser Zeit kennen Karl Herbst noch viele Olfener. Ob darunter auch einstige Schützlinge aus der Erstkommunion-Katechese sind? „Das eher nicht, die sind ja mittlerweile alle verheiratet und weggezogen.“ Ein ehemaliger Dattelner Schüler besuche ihn allerdings noch regelmäßig. Karl Herbsts Weg zum Diakon begann 1974. Ein Bekannter habe ihn überredet, an einem Informationstag im Institut für Diakonat und pastorale Dienste (IDP) in Münster teilzunehmen.

„Da habe ich mir gedacht: ‚Angucken kostet ja nichts.‘ Und die ‚Missio canonica‘, also die Beauftragung Religionsunterricht zu geben, hatte ich bereits“, erzählt der gebürtige Bielefelder, der nach einer Ausbildung zum Malergesellen am Abendgymnasium das Abitur nachgemacht hat und später Lehrer wurde. Herbst fing Feuer.

„Wir waren sechs Diakone in der Ausbildung. Es hat mir gefallen, meine Theologie-Kenntnisse aufzufrischen und neue Menschen kennenzulernen.“

Ist es der Glaubensschwund?

Im Alter von 46 Jahren empfing er am 22. Oktober 1977 die Diakonen-Weihe vom damaligen Weihbischof Dr. Reinhard Lettmann. Seiner Ehefrau Aloisia, ebenfalls Sonderpädagogin, und ihrem Mann sei es immer ein Anliegen gewesen, die Kinder in die Gemeinde einzubinden. „Sie waren alle drei auch als Messdiener tätig“, sagt Karl Herbst. Und seine Ehefrau fügt hinzu: „Insgesamt haben wir alles immer gut unter einen Hut bekommen.“

Heute sind die Kinder erwachsen und Aloisia und Karl Herbst stolze Großeltern von sechs Enkelkindern. Manches habe sich in den vergangenen 40 Jahren verändert: „Früher waren die Kirchen voll. Wir mussten zeitig losgehen, um einen Platz zu bekommen.“ Gründe? „Ist es Glaubensschwund oder die Tatsache, dass man schon alles hat?“

Eines habe sich in all den Jahren aber nicht verändert: „Es gibt immer noch viele Gruppierungen, die die Gemeinde St. Vitus tragen.“

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