Esel und Rinder sollten das gelb blühende Jakobskreuzkraut nicht fressen. Es ist giftig und schädigt die Leber. Auch in den Steverauen wächst die Pflanze derzeit wieder. © Brede
Steverauen

Gefahr für Esel und Pferde: Jakobskreuzkraut blüht wieder in den Steverauen

Die gelben Blüten des Jakobskreuzkrauts sind weithin zu sehen. Das Problem: Sie sind giftig für Esel, Pferde und Rinder, die in den Steverauen weiden. Doch die Pflanze schadet sich wohl selbst.

Überall in NRW blüht das Jakobskreuzkraut wieder – auch in den Olfener Steverauen. Das Problem: Die gelben Blüten und die Pflanze sind giftig besonders für Pferde, Rinder und Esel, warnt die Landwirtschaftskammer NRW. Deshalb haben auch die Olfener das Jakobskreuzkraut genau im Blick.

„Wir haben das Jakobskreuzkraut wieder“, bestätigt Norbert Niewind, der sich um die Tiere in den Steverauen kümmert. Es sei nicht so schlimm wie ein paar Jahre zuvor, aber die Pflanze sei nach wie vor vorhanden.

Gift schädigt die Leber irreparabel

Jakobskreuzkraut, auch als Jakobsgreiskraut bekannt, hat löwenzahnähnliche Blätter. Das Gift in der Pflanze verursacht Leberschäden. Die jüngsten Pflanzen und die gelben Blüten sind am giftigsten. Besonders gefährlich für die Tiere ist die Zeit vor der Blüte, denn die jungen, besonders giftstoffreichen Blätter werden auf der Weide gefressen, warnt die Landwirtschaftskammer. „Jetzt zur Zeit der Blüte, ist die Pflanze etwa einen Meter groß und hat gelbe, margaritenartige Blüten. Dann rühren die Tiere sie nicht mehr an“, heißt es weiter.

Eine Beobachtung, die auch Norbert Niewind teilt. Das Jakobskreuzkraut sei kein Problem für die Poitou-Esel, Heckrinder und Konik-Pferde in den Auen. Die Tiere fressen die Pflanze nicht, weil sie Bitterstoffe enthält und nicht schmeckt, so Niewind.

Das Problem sei, dass auf den betroffenen Flächen kein Heu gemacht werden kann. Denn beim Trocknen bleibe das Gift des Krauts erhalten, die Bitterstoffe aber verschwinden, so Niewind. Tiere würden das giftige Heu arglos fressen.

„Noch nichts nachweislich passiert“

Bislang sind noch keine Tiere in der Steveraue durch das Jakobskreuzkraut vergiftet worden und gestorben, sagt Norbert Niewind. „Bislang ist noch nichts nachweislich passiert.“ Es sterben zwar auch mal Tiere in den Auen, „wir haben aber keine Vergiftung erkennen können“, so Niewind.

Etwas Jakobskreuzkraut werden die Tiere aber trotz der Bitterstoffe fressen, vermutet Niewind. „Besonders junge Tiere müssen erst lernen, dass es nicht schmeckt.“ Die Tiere müssten aber sehr viel fressen, um durch das Gift der Pflanze krank zu werden.

Die gelb blühende Giftpflanze, botanisch Senecio jacobaea, hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark vermehrt
Die gelb blühende Giftpflanze, botanisch Senecio jacobaea, hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland stark vermehrt. Besonders auf wenig genutzten Weiden breitet sich das Jakobskreuzkraut weiter aus, meldet die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. © Brede © Brede

Einmal gefressen, baut sich das Gift allerdings nicht mehr ab, weiß Niewind. Es lagert sich in der Leber der Tiere an. „Das ist das Tückische“, erzählt der Steverauen-Experte. Trotz der Bitterstoffe und der Lernfähigkeit der Tiere: „Eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben“, sagt Niewind. Deshalb müsse man schon zusehen, das die Pflanze auf den Weiden nicht überhandnehme.

Landwirtschaft empfiehlt intensives Mähen

Die Landwirtschaftskammer NRW empfiehlt, Weiden regelmäßig zu mähen und die Pflanzenreste zu entfernen. Dann habe das Jakobskreuzkraut keine Chance sich zu vermehren, da aus den Blüten keine Samen werden können. Doch eine intensive Bewirtschaftung widerspricht dem Konzept der Steverauen.

Um das Kraut zu bekämpfen müsste es mit seinen Wurzeln ausgestochen werden, doch dafür sei die Fläche mit rund 100 Hektar schlicht zu groß, sagt Niewind. Das würde er aber Pferdebesitzern mit kleineren Weiden empfehlen.

Niewind: Kraut vermehrt sich nicht

In den Auen beobachtet Niewind, dass sich das Jakobskreuzkraut eventuell selbst bei seiner Verbreitung im Weg steht. Bei den vielen gelben Blüten, aus denen sich tausende Samen entwickeln, müssten es eigentlich jedes Jahr mehr Pflanzen werden. „Aber die Tendenz ist: nach der Durchseuchung geht es zurück“, erzählt Niewind. „Wir merken, dass es weniger wird.“

Die Theorie sei, dass die Pflanzen viele Nährstoffe benötigen, und nicht lange an einem Standort wachsen können. Doch das seien bislang nur Vermutungen, so Niewind. Esel, Rinder und Pferde müssen in den Steverauen auch weiterhin einen Bogen um die gelben Jakobskreuzkräuter machen.

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Redaktion Selm
Seit rund zehn Jahren im Lokaljournalismus zu Hause – erst am Niederrhein, dann im Ruhrgebiet und Münsterland. Beschäftigt sich am liebsten mit menschlichen und lokalpolitischen Geschichten.
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