Schon weit fortgeschritten sind die Arbeiten bei Mercedes Schopp. Es ist das aktuell größte Bauvorhaben im Olfener Gewerbegebiet Olfen-Ost II. © Goldstein
Gewerbegebiet

Große Nachfrage nach Gewerbeflächen stellt Stadt Olfen vor ein Problem

Das neue Gewerbegebiet Olfen-Ost II an der Umgehungsstraße bringt mit Hochdruck neue Firmen und damit viele Arbeitsplätze in die Stadt. Doch jetzt bekommt die Stadt ein echtes Problem.

Riesige Pumpen entwässern Grundstücke, Schlepper mit hoch gefüllten Anhängern bringen Erde oder Schotter, unzählige Baumaschinen sind im Dauereinsatz: Im Gewerbegebiet Olfen-Ost II wird aktuell viel bewegt. Auch an diesem Montagmorgen (25.) werden Pflastersteine verlegt, Steine aufeinandergesetzt und Betonwände eingeschalt. Es geht zügig voran. Trotz Corona-Pandemie, trotz wirtschaftlicher „Delle“.

„Am Anfang der Pandemie haben wir eine gewisse Zurückhaltung gespürt“, sagt Christopher Schmalenbeck aus dem Fachbereich „Bauen, Planen, Umwelt“ bei der Stadt Olfen. Kurz vor dem Treffen hat der Wirtschaftsförderer einen weiteren Vertrag mit einem Gewerbetreibenden unterschrieben. Um welche Firma es sich handelt, kann Schmalenbeck nicht sagen. Bei anderen Unternehmen, die hier bereits bauen oder zumindest ein Grundstück erworben haben, sieht das anders aus.

Wer von der Bundesstraße 235 kommend über die Schlosserstraße in das jüngste Olfener Gewerbegebiet fährt, sieht direkt im Anschluss an das Autohaus und den Garagenpark eine bereits abgeschobene Fläche. 5000 Quadratmeter ist sie groß. „Hier errichten Nicole und Rüdiger Seidel ein neues Fahrradgeschäft“, sagt Schmalenbeck. Es wird um ein Vielfaches größer sein als das bestehende Geschäft in der Innenstadt.

“Still ruht noch der See” – auf dieser bereits abgeschobenen Fläche entsteht ein neues großes Fahrradgeschäft. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Stadt hat ganz frisch ein weiteres Grundstück verkauft

Die angrenzende Fläche auf der rechten Seite der Erschließungsstraße ist noch nicht vergeben. Danach geht es aber fast „Schlag auf Schlag“. Zunächst folgt das Unternehmen Schurs Reisemobile. „Die Baugenehmigung liegt vor“, sagt Christopher Schmalenbeck. Am Montag waren Arbeiter dabei, die Fläche weiter aufzubereiten. Danach folgen zwei weitere Grundstücke, eines ist noch frei das andere ganz frisch verkauft.

In der Endphase befinden sich die Arbeiten hingegen beim sich anschließenden Waschpark, der einen besonderen Service für Besitzer von Wohnmobilen und Wohnwagen bietet. Die Besitzer können hier auf einer höheren Rampe stehen, um so die Fahrzeuge auch von oben gründlich reinigen zu können. Ein riesiger Baukörper ist in den vergangenen Wochen auf dem anschließenden Grundstück entstanden.

Hier errichtet Mercedes Schopp einen Neubau. Ein Bauprojekt mit großer Signalwirkung. Der Olfener Wirtschaftsförderer berichtet von Gesprächen mit Interessenten, die sich ausdrücklich auf die Ansiedlung von Mercedes und Kordel (Antriebstechnik) bezogen hätten. Aktuell ist das Autohaus mit angeschlossener Werkstatt und Freiflächen für die Fahrzeugpräsentation das mit Abstand größte Bauvorhaben in dem Gewerbegebiet.

Lüdinghauser Betriebe ziehen nach Olfen um

Doch diese Situation wird sich in den nächsten Wochen ändern. Auf der gegenüberlegenden Straßenseite laufen umfangreiche Erd- und Erschließungsarbeiten der Firma Olko – ein Spezial-Maschinenbauer. Er ist bereits in Olfen angesiedelt. Allerdings reicht am aktuellen Standort an der Carl-Benz-Straße der Platz vorne und hinten nicht. Ein Umzug zum Konzernsitz Mühlheim stand deshalb im Raum. Bis Olfen dem Unternehmen ein rund 15.000 Quadratmeter großes Grundstück anbieten konnte.

Im Bereich zwischen Olko und Schulze-Kökelsum fällt eine gerade gegossene Bodenplatte auf. Hier findet das Start-Up für Damenhygiene von Andre Ritterswürden seine neue Heimat. Eine noch unbearbeitete Fläche in unumittelbarer Nähe hat die Stadt Olfen an den Malerbetrieb Krusen GmbH & Co KG verkauft. Er verlagert seinen Firmensitz ebenso von Lüdinghausen nach Olfen wie das Mofastübchen.

Auch in Lüdinghausen waren die beiden Unternehmen Nachbarn. In Olfen gibt es aber eine Besonderheit. Das Grundstück des Mofastübchens liegt am Rand des Gewerbegebietes. Hier kann neben dem Betrieb auch ein Wohnhaus errichtet werden. Diesen Schritt bereits vollzogen hat die Olfener Firma tls. Seinen Sitz in das Gewerbegebiet verlegt hat die Firma Bühren Elektrotechnik. Mit dem Elektromeisterbetrieb Matschei gibt es ein weiteres Olfener Unternehmen, das hier neu baut.

Nur eine größere Fläche ist aktuell noch frei

Angesichts der großen Nachfrage nach Gewerbegrundstücken und der bereits laufenden Aktivitäten wird es schon langsam eng in Olfen-Ost II. „Es gibt nur noch eine große Fläche von 7000 Quadratmetern, die aber erst frei bleiben soll“, sagt Wirtschaftsförderer Christopher Schmalenbeck. Zwar gebe es noch verschiedene kleinere Flächen, doch die Stadt Olfen ist bei der Vergabe „zurückhaltender geworden. Wir müssen vielen Interessenten absagen.“ Dazu gehören vor allem auch Bewerber, die ausschließlich XXL-Garagen errichten wollen.

Die ersten Betriebe haben bereits ihren neuen Standort im Olfener Gewerbegebiet bezogen, andere sind hingegen erst bei der Bodenplatte.
Die ersten Betriebe haben bereits ihren neuen Standort im Olfener Gewerbegebiet bezogen, andere sind hingegen erst bei der Bodenplatte. © Goldstein © Goldstein

Der Wirtschaftsförderer geht davon aus, dass das Gewerbegebiet Olfen-Ost II mit einer Gesamtgewerbefläche von 16 Hektar noch mindestens für die nächsten vier bis fünf Jahre ausreichen muss. Bei der aktuellen Vermarktungslage dürfte das ein schwieriges Unterfangen werden. Schließlich sind nur rund 18 Monate nach dem Vermarktungsbeginn weiter Teile bereits verkauft worden.

Die große Nachfrage nach Gewerbeflächen in Olfen begründet Schmalenbeck mit dem „konkurrenzfähigen Preis“ (eine genaue Summe nennt er nicht), dem Glasfaseranschluss und der niedrigen Gewerbesteuer in Olfen. Dass mit dem Umzug von Firmen innerhalb Olfens Hallen ungenutzt bleiben, befürchtet der Wirtschaftsförderer nicht. Das Angebot sei nicht so groß. Dazu gebe es eine Nachfrage nach freien Hallenflächen.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer
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